Höchststrafe gegen den Aufsteiger

YB enttäuscht gegen Lugano auf der ganzen Linie und verliert zu Hause zu Recht 0:1.

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Ruedi Kunz

Trainer Uli Forte weg, Thun in Unterzahl besiegt, jetzt kommt es gut: So dachten die Optimisten unter den YB-Fans nach dem 3:1-Heimsieg am letzten Sonntag. Nur drei Tage später wurden sie Zeuge eines Trauerspiels, welches sie arg frustrierte. Das beherzt kämpfende Lugano holt sich im Stade de Suisse dank eines frühen Tors von Patrick Rossini nicht unverdient drei Punkte.

Deshalb war es nicht verwunderlich, setzte es für das Heimteam ein gellendes Pfeifkonzert ab, als Schiedsrichter Pascal Erlachner kurz nach halb zehn die Partie abpfiff. Damit nicht genug: Als die Sieger aus Lugano das Terrain verliessen, klatschte der YB-Fanblock. Wobei nicht ganz klar war, ob der Applaus nicht eher Steve von Bergen galt, der sich praktisch zeitgleich in die Fankurve begab, um sich mit aufgebrachten Supportern zu unterhalten. Anscheinend fand der Captain die richtigen Worte, denn als er von dannen zog, ertönte wieder Applaus. Kurz darauf stellte sich von Bergen in den Katabomben den Medienschaffenden. Er habe volles Verständnis für die Reaktion der Fans, sagte er. «Wir sind alle enttäuscht und wissen sehr genau, dass wir nun unbedingt eine Reaktion zeigen müssen gegen Kriens.» Das Gleiche habe er vorhin auch den frustrierten Fans gesagt.

Bis auf die Knochen blamiert

Die Kampfansage des Abwehrchefs änderte nichts am Fazit eines aus Berner Sicht komplett missglückten Fussballabends: Die Young Boys haben es wieder einmal fertiggebracht, sich gegen einen Aufsteiger bis auf die Knochen zu blamieren. Sie waren nach dem frühen Rückstand nicht in der Lage, die zumindest in der ersten Halbzeit ausgesprochen wackelige Gäste-Abwehr ernsthaft unter Druck zu setzen. Sie erspielten sich wohl ein paar Goalchancen, doch diese hatten ihren Ursprung zumeist in Einzelaktionen oder stehenden Bällen. Richtig gefährlich wurde es vor der Pause nur einmal. Das war, als Afum nahe der Torlinie an einer Hereingabe von Zakaria vorbeirutschte.

Wer bei Halbzeit gedacht hatte, es könne eigentlich nur noch besser werden mit YB, wurde bitter enttäuscht. Der für den schwer enttäuschenden Afum eingewechselte Tabakovic schoss früh ins Aussennetz (49.) und scheiterte einmal allein vor Russo (58.). Ansonsten gab es bis in die Nachspielzeit, als Vilotic nach einem Tabakovic-Rückpass übers Tor zielte, keine einzige gute YB-Goalchance mehr zu notieren. Für einen Club, der die noch junge Saison mit einem Titel krönen will, kommt das einer halben Bankrotterklärung gleich.

Von den guten Ansätzen, die im ersten Spiel unter Harald Gämperles Leitung zu sehen waren, blieb jedenfalls nicht viel übrig. Sulejmani, der sich nach seiner Gelbsperre als Spielmacher versuchen durfte, war wie Afum in der Sturmspitze ein Totalausfall. Nicht viel besser waren Nuzzolo und Gonzales auf den Aussenpositionen. Ordentliche Noten verdiente sich im Mittelfeld eigentlich nur der junge Denis Zakaria, der erstmals in der Startformation stand. Doch auch er vermochte die allgemeine Misere im zentralen Mittelfeld nicht zu kaschieren.

Es ist nicht die einzige Baustelle, mit der sich Gämperle und sein Staff in den nächsten Tagen herumschlagen müssen. Wobei sich nach dem gestrigen Auftritt die Frage stellt, ob der langjährige Assistent wirkliche der richtige Mann ist, um das arg schwankende Schiff wieder auf Kurs zu bringen.

Der Bund

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