Hitzfeld: «Die Gefahr eines Rücktritts besteht»

Nicht nur Matchwinner Valentin Stocker war erleichtert nach dem 4:1-Sieg gegen Wales im Spiel der letzten Chance in Basel. Doch die Pfiffe gegen Alex Frei nervten die Nati.

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Florian A. Lehmann@tagesanzeiger

Ottmar Hitzfeld war nicht rundum glücklich nach dem an sich befreienden 4:1 der Schweiz gegen Wales. Die Pfiffe gegen Alex Frei haben auch den Coach beschäftigt. Nun befürchtet Hitzfeld sogar den Nationalmannschafts-Rücktritt seines Captains.

Die Schweiz gewinnt endlich wieder einmal auf überzeugende Art und Weise. Sie schiesst vier Tore. Doch der Captain wird vom Publikum gnadenlos ausgepfiffen. «Das habe ich in dieser Form selten erlebt», sagte Ottmar Hitzfeld enttäuscht. Es gehe nicht, dass ein Spieler von den eigenen Fans ausgepfiffen werde. «Pfiffe gab es schon in St. Gallen. Ich dachte, die Fans seien belehrbar. So ist es aber offenbar nicht», so Hitzfeld. Und finster fügte er hinzu: «Ich bin sehr bedrückt.»

Misstöne

Frei spielte nicht gut. Doch er hatte wie der Rest des Teams alles gegeben, «und viel dazu beigetragen, dass wir zum Zeitpunkt seiner Auswechslung 2:1 führten», so Hitzfeld. Die Misstöne waren schon vor der Pause vereinzelt zu hören. Richtig ärgerlich wurde es nach rund einer Stunde, nachdem Frei einen Freistoss schlecht und direkt in die Arme des walisischen Torhüters geschossen hatte. Danach pfiffen die Fans bei jedem Ballkontakt gegen Frei.

Nach der Auswechslung winkte Frei vor der Schweizer Ersatzbank resigniert ab. Er vermittelte mit seiner Geste vor allem eines: Ich habe genug, es reicht. So muss es auch Hitzfeld gedeutet haben. «Die Gefahr eines Rücktritts besteht. Ich hoffe aber, dass Alex jetzt gut schläft und nicht einen unüberlegten Fehler macht. Wir brauchen ihn noch.»

Einfach nur enttäuscht

Frei selbst rang nach dem Abpfiff mit sich und der Welt. Er verschwand sofort in der Kabine und begab sich nicht auf die Ehrenrunde. Eine halbe Stunde später, nachdem er geduscht hatte, war er nicht gesprächig. Er war einfach nur enttäuscht.

«Ich möchte zu dem Ganzen jetzt nichts mehr sagen.» In diesem Moment war nicht mehr auszuschliessen, dass dies seine letzten Worte als Spieler der Schweizer Nationalmannschaft gewesen sind.

Stein vom Herzen gefallen

Die Erleichterung aber war im Schweizer Lager nach den ersten Punkten in der EM-Qualifikation vorherrschend und deutlich zu sehen. «Es fällt uns ein Stein vom Herzen. Der Sieg heute war eine Erlösung für uns alle. Jetzt sieht es in der Qualifikation etwas besser aus. Wir haben die ersten Schritte geschafft, viel schlechter ist es ja nicht mehr gegangen», meinte Valentin Stocker, der das so wichtige 1:0 und letztlich das krönende 4:1 nach herrlicher Vorarbeit von Eren Derdiyok erzielte. Allerdings wollte der junge, offensive Mittelfeldspieler des FCB die Darbietung nicht überbewerten. «Die heutige Leistung war sicher nicht perfekt, aber wir konnten mit diesen Toren Selbstvertrauen tanken.»

Auch Ottmar Hitzfeld, über den im Vorfeld viel debattiert wurde, war erleichtert, allerdings auch nicht euphorisiert. «Ich bin natürlich glücklich über den schwer erarbeiteten, aber hochverdienten Sieg. Wir hatten auch in Montenegro Chancen, aber dort fehlte uns das Quäntchen Glück.»

DerBund.ch/Newsnet

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