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Havelange und Teixeira erhielten Millionen-Schmiergelder

Neu veröffentlichte Dokumente zeigen, wie Millionen vom Sportvermarkter ISL zu den Fifa-Funktionären Havelange und Teixeira flossen. Das Verfahren ist aber längst eingestellt.

Soll 1,5 Millionen Franken erhalten haben: João Havelange, ehemaliger Präsident der Fifa. (Archivbild)
Soll 1,5 Millionen Franken erhalten haben: João Havelange, ehemaliger Präsident der Fifa. (Archivbild)
Keystone

Der frühere Fifa-Präsident João Havelange und sein ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixeira haben über mehrere Jahre Schmiergelder in Millionenhöhe angenommen. Das geht aus Gerichtsdokumenten hervor, die gestern veröffentlicht wurden.

Der 96-jährige Havelange, der von 1974 bis 1998 die Fifa angeführt hatte, erhielt demnach im Jahr 1997 1,5 Millionen Schweizer Franken von der inzwischen Konkurs gegangenen Sport-Vermarktungsagentur ISL. Teixeira, der im März nach 23 Jahren als Präsident des brasilianischen Fussball-Verbandes zurückgetreten war, kassierte zwischen 1992 und 1997 sogar 12,7 Millionen Franken.

Zuger Justiz stellte Verfahren ein

Dass Havelange und Teixeira nie für die Schmiergeldzahlungen belangt wurden, lag an der Zuger Staatsanwaltschaft. Diese ermittelte zwar jahrelang gegen die Fifa und ihre Exponenten, stellte das Verfahren im Mai 2010 aber ein – nachdem die Fifa 5,5 Millionen Franken Wiedergutmachung bezahlt hatte.

Bei den nun veröffentlichten Dokumenten handelte es sich um die Verfügung, mit der die Zuger Staatsanwaltschaft das Verfahren 2010 einstellte. Das Dokument, das der Beobachter nun veröffentlicht hat, zeichnet die Geldflüsse von der ISL zu den Fifa-Funktionäre Havelange und Texeira nach. Das Geld wurde über eine liechtensteinische Stiftung transferiert.

Bundesgericht verfügte Veröffentlichung

Die brisanten Schriftsätze waren öffentlich geworden, nachdem das Bundesgericht die Beschwerde gegen eine Veröffentlichung abgelehnt hatte. Die Einsicht von Journalisten in die Einstellungsverfügung der Zuger Staatsanwaltschaft sei die Voraussetzung zur Berichterstattung über die in der Öffentlichkeit erhobenen Korruptionsvorwürfe, heisst es in der Begründung des Bundesgerichts.

Der heutige Fifa-Präsident Joseph Blatter wusste möglicherweise von den Zahlungen. Es könne nicht infrage gestellt werden, «dass die Fifa Kenntnis von Schmiergeldzahlungen an Personen ihrer Organe hatte», steht in der sogenannten Einstellungsverfügung. Chef der ISL war Jean-Marie Weber, ein langjähriger Freund und Geschäftspartner Blatters.

Fifa gibt sich gelassen

Die Fifa nahm das Verdikt gelassen hin: «Das Bundesgerichtsurteil liegt auf der Linie, die die Fifa und der Fifa-Präsident seit 2011 verfolgen, als der Weltfussballverband seinen Willen zur Veröffentlichung der ISL-Einstellungsverfügung bekannt gab», heisst es in einer Mitteilung.

Dies ist allerdings nicht erstaunlich, bestätigte doch das Bundesgericht, dass Blatter nicht in den Fall verwickelt sei, wie das bereits die Staatsanwaltschaft Zug festgehalten habe. Weiter steht im Urteil: «Die Namen sämtlicher nicht beschuldigter Dritter, natürlicher und juristischer Personen, werden nicht offengelegt und in der Einstellungsverfügung anonymisiert. Davon ausgenommen sind die Namen der ISL.»

Im Mai 2010 hatte die Staatsanwaltschaft Zug ein Verfahren gegen die beiden Fifa-Funktionäre eingestellt. Mehrere Journalisten hatten daraufhin Akteneinsicht verlangt.

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