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Hauptsache, der Ball ist weg

Borussia Dortmund spielt in Salzburg nur 0:0 und scheidet verdient aus der Europa League aus. Hinterher ringen die Spieler nach Worten.

Konsternierte Dortmunder nach dem Ausscheiden gegen Salzburg.
Konsternierte Dortmunder nach dem Ausscheiden gegen Salzburg.
Krugfoto, Keystone

Auf der Suche nach Erklärungen starrte Marcel Schmelzer eine Wand an. Er war auf dem Weg zum Bus kurz stehengeblieben, um in seiner Funktion als Kapitän des BVB diesen Abend zu deuten. Er sprach über Erwartungen, über Mentalität, über den Spielaufbau, und immer wieder schaute er vorbei an den Reportern, sein Blick ging leicht schräg nach oben. Aber da war nichts, keine Erklärung, keine Lösung der rätselhaften Dortmunder Probleme. Nur Rohre, manche schwarz, andere silbern, ein paar Ventile, ein paar Kabel. Und Marcel Schmelzer sagte Sätze wie diesen: «Deswegen muss ich leider einfach sagen, dass wir verdient ausgeschieden sind.»

0:0 hat Borussia Dortmund am Donnerstagabend in Salzburg gespielt, aber die genaueren Umstände konnte dieses Ergebnis nicht erfassen. Dass die Dortmunder im Achtelfinale der Europa League ausgeschieden sind, nach einem 1:2 im Hinspiel; dass sie in dieser Saison keinen Titel mehr werden gewinnen können - das alles war schon genug, um den BVB-Profis die Laune zu trüben. Aber hinzu kam die Art und Weise dieses Ausscheidens. Sie rief eine Frage hervor, die schon in den vergangenen Wochen über dem Team hing, die aber in Salzburg kulminierte: Was ist los mit dieser so hochbegabten Mannschaft?

Ballannahmen verhunzen, Fehlpässe spielen

«Wir haben vor allem in der ersten Halbzeit nahezu nichts von dem gezeigt, was wir uns vorgenommen haben», sagte Peter Stöger nach dem Spiel. «Wir haben kaum die Halbräume angespielt, kaum die Tiefe gesucht. Sondern wir haben einfache Bälle auf kurze Distanzen gespielt, womit du zum Pressingopfer wirst», klagte er, «das sind Dinge, die wir vor allem in der ersten Halbzeit richtig schlecht gemacht haben.» Und das war noch eine eher harmlose Form der Kritik an diesem Abend.

Es ist schon eigenartig: Der BVB galt vor nicht mal einem Jahr als einer der attraktivsten Klubs der Branche. Schnelles Spiel, aggressives Pressing, viele Talente - dafür standen die Dortmunder, als Jürgen Klopp sie trainierte, auch später noch, als Thomas Tuchel coachte. Doch nun trafen die Attribute allein auf den Gegner zu. Musste und wollte der BVB in Salzburg nicht offensiv spielen? Hatte Gonzalo Castro vor dem Spiel nicht überspitzt gesagt, dass sein Team «mit zehn Stürmern» antreten müsse?

Das war ja die Aufgabe gewesen nach dem 1:2 im Hinspiel: mindestens zwei Tore schiessen. Also: angreifen. Aber dann schien die Mannschaft schon fast überfordert damit, unversehrt die Mittellinie zu überqueren, sich irgendwie dem Salzburger Pressing zu entziehen. Die Spieler verbrachten einen beträchtlichen Teil ihres Abends damit, Ballannahmen zu verhunzen, Fehlpässe zu spielen oder den Ball Richtung Tribüne zu verabschieden. Hauptsache, er ist weg und möge so schnell auch nicht wiederkommen.

Hinterher schwirrten zwei Theorien für die Leistung durchs Stadion, die ideologischen Konfliktlinien betrafen den Einsatz der Spieler und den genauen Ort der Versäumnisse. Die eine Theorie vertrat Gonzalo Castro (allerdings allein). Er fand: «Der Wille war da, Einsatz war da. Wir haben uns in die Zweikämpfe reingeschmissen.» Die grössten Probleme, sagte er drei oder vier Mal, habe sein Team «im letzten Drittel» gehabt, also nahe Salzburgs Tor.

Das war eine Deutung, die weder Torwart Roman Bürki noch Kapitän Marcel Schmelzer wiederholten. «Wir konnten keinen Spielaufbau machen», sagte Bürki, «wir tun uns allgemein im Moment schwer, unsere Qualität auf den Platz zu bringen oder auszuspielen». Und er sagte: «Heute haben wir einiges vermissen lassen, was... Mentalität, Wille... und, ja, es war nicht gut heute.» Schmelzer fand gar, «dass der Einsatz in beiden Spielen einfach nicht bei 100 Prozent gewesen sein kann».

Peter Stöger hatte vor diesem Spiel nochmal auf seine Bilanz in der Bundesliga verwiesen: auf elf Spiele ohne Niederlage. Allerdings war wohl ein Grund dieser Ausführung, dass schon länger Zweifel kursieren am Dortmunder Spiel. Selten schoss das Team mehr als ein Tor, das 3:2 gegen Frankfurt am Montag war eine Ausnahme.

Nun äusserte er deutliche Kritik an seiner Mannschaft, vor allem, als er zwei seiner Auswechslungen erklärte: In der Halbzeit hatte er sowohl Mario Götze als auch Marco Reus vom Feld genommen. Reus, sagte Stöger, habe muskuläre Probleme gehabt, da habe er kein Risiko eingehen wollen. Dann sagte er: «Bei Mario war es so, dass wir überhaupt nicht einverstanden waren, mit dem, was wir gesehen haben.» Folglich habe er gewechselt.

Folgen jetzt «knallharte» Analysen?

An seine ganze Mannschaft gerichtet ergänzte der Österreicher im TV: «Wer denkt, auf der Wiese geht auch Hacke, Spitze, dann kannst du nicht gewinnen. Wer so behäbig spielt, braucht sich nicht wundern, wenn er keine Chancen hat.»

Stöger kündigte allerdings an, dass sich die Formschwankungen seiner Elf bis zum Sommer fortsetzen könnten. Es war eine Aussage, die ihm noch helfen könnte: Selbst wenn der BVB weiter rumpelt, kann Stöger es als den zu erwartenden Lauf der Dinge deuten. Nun dürften dennoch «knallharte» Analysen (Castro) anstehen. Zudem ist offenbar die Zeit der Ausreden vorbei (Schmelzer), auch der Ton untereinander könnte sich ändern (wieder Schmelzer). In der Bundesliga sieht es für den BVB zumindest besser aus, das Team ist Dritter, am Sonntag geht es gegen Hannover.

Und so sagte Marcel Schmelzer am Abend des verpassten Viertelfinales in der Europa League: «Ich persönlich - ich hoffe, dass es auch jedem einfach so geht - will nächstes Jahr Champions League spielen, und dafür wird es noch ein ganz schweres Restprogramm werden.»

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