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Hahnenkampf im Old Trafford

José Mourinho will Paul Pogba nicht mehr als Captain bei ManUnited. Sportlich läuft es auch nicht. Wer geht zuerst?

Im Mai 2017 waren sie noch ein Herz und eine Seele: José Mourinho und Paul Pogba nach dem Gewinn der Europa League.
Im Mai 2017 waren sie noch ein Herz und eine Seele: José Mourinho und Paul Pogba nach dem Gewinn der Europa League.
Georgi Licovski, Keystone
Doch nach dem 0:2-Sieg in Burnley im September 2018 kam es zum verhängnisvollen Streit. Das erzählte Mou an einem Trainerseminar in Portugal.
Doch nach dem 0:2-Sieg in Burnley im September 2018 kam es zum verhängnisvollen Streit. Das erzählte Mou an einem Trainerseminar in Portugal.
Peter Klaunzer, Keystone
Seitdem lagen sich «The Special One» und der Starspieler in den Haaren, was darin gipfelte, dass der Portugiese im Dezember entlassen wurde. Danach ging es mit ManUtd wieder nach oben.
Seitdem lagen sich «The Special One» und der Starspieler in den Haaren, was darin gipfelte, dass der Portugiese im Dezember entlassen wurde. Danach ging es mit ManUtd wieder nach oben.
EPA/PETER POWELL
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Gegen die Young Boys, da ist noch alles in Ordnung. Der Superstar der United ist Captain, Skorer, Mann des Spiels. Paul Pogba erzielt beim Champions-League-Debüt der Berner zwei Tore, eines mit einem sehenswerten Schuss unter die Latte, das zweite per Penalty. Er erobert elf Bälle, erreicht eine Passquote von beeindruckenden 92,6 Prozent. Als Trainer José Mourinho Pogba vom Feld nimmt, scheint er ihm klarzumachen: Das ist, was ich von dir sehen will. Eine Woche ist es her, und fast schon Makulatur.

Drei Tage nach dem Spiel gegen YB empfängt Manchester United die Wolverhampton Wanderers. Pogba ist nicht mehr Captain, weil Antonio Valencia, derzeit dienstältester Spieler bei den Red Devils, wieder fit ist. Der Weltmeister aus Frankreich gehört beim 1:1 zu den schwächeren Akteuren in Mourinhos Team. Nur drei seiner Mitspieler haben eine schlechtere Passquote, es sind dies Goalie David de Gea und die Stürmer Alexis Sanchez und Romelu Lukaku. Bei ihnen gehört das Passen nicht zu den Kernkompetenzen.

Die Absetzung des Vize-Captains

Pogba ist unzufrieden. Mit sich und mit seinem Trainer. Im Old Trafford, da müsse man «attackieren, attackieren, attackieren». Das lässt Mourinho, nicht gerade bekannt für bedingungslosen Angriffsfussball, seine Spieler eher nicht. Und noch weniger lässt er es zu, dass sein Starspieler ihm vorschreibt, wie er sein Team einzustellen hat. Vor dem Cupspiel gegen Derby County soll der Portugiese vor versammelter Mannschaft verkündet haben: Paul Pogba wird nie mehr Captain von Manchester United sein. Er verkörpere die Werte dieses Clubs nicht.

Mourinho bestätigt nach dem Spiel, dass sein Mittelfeldspieler in Zukunft nicht mehr zweiter Captain sein wird. Es seien Entscheidungen, die er nicht erklären müsse. Schliesslich sei es auch die seine gewesen, Pogba eben zum Vize-Captain zu ernennen. Pogba spielt im Ligacup gegen Derby County nicht, er wird – so die offizielle Version – geschont. Und sieht, wie sein Team sich blamiert, sich knapp ins Penaltyschiessen rettet und dort scheitert, als Phil Jones den entscheidenden Elfmeter verschiesst. «Ich wusste, dass es Probleme geben wird, als Jones und Eric Bailly antreten mussten», sagt Mourinho danach. Jones ist der achte Schütze, Bailly wäre wohl der nächste gewesen.

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Ein Video vom Mittwochstraining lässt auf ungute Stimmung im Hause United schliessen:

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Manchester United scheidet also früh aus dem Wettbewerb aus. Und auch in der Liga läuft es nicht optimal. 0:3 ging die United zu Hause gegen Tottenham unter, eine Woche zuvor verlor sie 2:3 gegen Brighton. Und nun also dieses 1:1 gegen die Wolves und die Niederlage gegen Derby County – jene Mannschaft, die von Frank Lampard trainiert wird, einem Mann, der viel zu Mourinhos Erfolg in England beigetragen hat, als er bei Chelsea spielte. Der Schüler schlägt seinen Lehrer. Der Tiefpunkt einer noch jungen Saison.

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Bildstrecke: Manchester United scheidet aus

Harry Wilson erzielt ein Freistosstor gegen Manchester United. Und feiert sein Tor, indem er die fünf Champions-League-Titel von Liverpool darstellt. Wilson gehört eigentlich den Reds, den Erzrivalen von United.
Harry Wilson erzielt ein Freistosstor gegen Manchester United. Und feiert sein Tor, indem er die fünf Champions-League-Titel von Liverpool darstellt. Wilson gehört eigentlich den Reds, den Erzrivalen von United.
Jan Kruger/Getty Images
Der entscheidende Penalty: Jones scheitert als 16. und einziger Schütze.
Der entscheidende Penalty: Jones scheitert als 16. und einziger Schütze.
Getty Images
Bereits in der regulären Spielzeit gab es Drama: Fellaini hatte erst in der 95. Minute zum 2:2 ausgeglichen.
Bereits in der regulären Spielzeit gab es Drama: Fellaini hatte erst in der 95. Minute zum 2:2 ausgeglichen.
Getty Images
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Er will ein Leader sein

Im Wolfsrudel Manchester United hat es mindestens einen Leitwolf zu viel. Mourinho ist einer, der diesen Posten für sich beansprucht. Das tut er im Schlechten wie im Guten. Im Schlechten, weil er bei Chelsea Mohamed Salah nicht mehr wollte. Weil er Kevin de Bruyne und Romelu Lukaku gehen liess. Weil er bei Real Iker Casillas degradierte und bei Manchester United Bastian Schweinsteiger einen schönen Karriereabschluss in Europa vermieste. Im Guten, weil er die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Weil er nicht nur Trainer, sondern auch Mittelpunkt ist und so seine Teams mehr oder weniger in Ruhe gelassen werden. Manche sagen, er sei ein Narzisst, andere sagen, es sei Kalkül.

Paul Pogba ist auch ein Alphawolf. Vor dem WM-Final gegen Kroatien ergriff er in der Kabine das Wort. Der auffällige und wilde Typ, dem das Seriöse zum Teil etwas abgeht, sprach mit tiefer und eindringender Stimme zu seinen Teamkollegen. Die Mannschaft hörte ihm zu, auch wenn Pogba nicht die Captain-Binde trägt, auch wenn er mit seinen 25 Jahren noch nicht zu den erfahrensten Profis gehört. Hugo Lloris, der Captain, liess ihn gewähren, Trainer Didier Deschamps ebenso. Pogba gefällt sich in der Rolle.

Wer geht zuerst?

Bei Manchester United mag Pogba der Star sein, der grösste Name im Team. Anführer des Wolfsrudels aber ist er nicht. Nicht wie Eric Cantona, Roy Keane, Gary Neville, Wayne Rooney. Sie waren einst Captains bei den Red Devils. Das war vor Mourinho. Das war vor allem, als der Trainer nur Trainer war, Sir Alex Ferguson hiess. Heute sprechen die Experten von einem Graben zwischen Coach und Mannschaft, der ehemalige Arsenal-Verteidiger Martin Keown gar von Krieg.

Es gab im Sommer viele Gerüchte um Pogba, er soll einem Wechsel nach Barcelona nicht abgeneigt gewesen sein. Nun darf spekuliert werden. Wechselt der Franzose im Januar? Wird Mourinho vorher gefeuert? Eines scheint klar: Manchester hat nur Platz für einen Alphawolf.

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