Sie haben gespielt – und das ist gut so

Die schnelle Rückkehr der Dortmunder Fussballer ins Stadion war richtig. Was hätte denn ein längerer Unterbruch gebracht?

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Ueli Kägi@ukaegi

Keine 24 Stunden nach der Attacke auf das Leben der Spieler trat Borussia Dortmund im Viertelfinal der Champions League an.

Ein Wahnsinn, weil keine Zeit ist, das Geschehene zu verarbeiten? Ein Irrsinn, weil keine Zeit bleibt, in Gedanken beim verletzten Teamkollegen Marc Bartra zu sein? Einfach der nächste Unsinn im Fussball und ein weiteres Zeichen dafür, dass es nur noch darum geht, die Kassen zu füllen von Clubs, Verbänden, Spielern?

Nein. Dass so schnell gespielt wurde, ist gut. Rein pragmatisch betrachtet, weil der internationale Spielkalender praktisch keine Lücken kennt. Weil für einen Fussballmatch von Borussia Dortmund Tausende Leute quer durch Mitteleuropa reisen. Und weil die ­Sicherheit für alle nicht grösser ist, wenn erst in einigen Tagen wieder gespielt wird.

Das Zeichen von München

Doch auch emotional war die Rückkehr aufs Spielfeld nicht falsch. Der Sport hat einst ein Zeichen gesetzt, in München 1972, als das Internationale Olympische Komitee die Sommerspiele nach der terroristischen Attacke auf die israelische Delegation für einen Tag Trauer unterbrach und dann fortsetzen liess. Berühmt geworden ist der Satz des damaligen IOK-Präsidenten Avery Brundage: «The Games must go on», die Spiele müssen weitergehen.

15 Tote, ein Tag Pause. Das war hart an der Grenze des Vertretbaren, ja. Andererseits: Was hätte ein längerer Unterbruch gebracht? Oder ein Abbruch? Damals in München, jetzt in Dortmund, wo zum Glück viel, viel weniger passierte? Ausser dem Zeichen für die Kriminellen und Terroristen, dass wir uns ihrem Diktat unterwerfen?

Es geht weiter, das ist ein Gesetz des Lebens. Es tut auch gut, Normalität herzustellen. Im Profisport bildet die Rückkehr zur Normalität gar die Basis der Existenz. Der gestürzte Motorradfahrer sitzt so schnell wie möglich wieder auf seine Maschine. Und der auf Leib und Leben attackierte Fussballer kehrt knapp 24 Stunden später zurück ins Stadion – wenn er sich bereit fühlt. Ist das nicht der Fall, setzt er sich auf die Tribüne. Die Wahl muss er haben. Und kein Mensch wird sie hinterfragen nach Ereignissen wie in Dortmund.

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