Gut, dass es Blatter jetzt ruhen lässt

Der frühere Fifa-Präsident akzeptiert das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs. Das ist weise.

Zieht den Fall nicht weiter: Sepp Blatter, hier an der WM-Auslosung in St. Petersburg (Archiv).

Zieht den Fall nicht weiter: Sepp Blatter, hier an der WM-Auslosung in St. Petersburg (Archiv).

(Bild: AP Photo/Ivan Sekretarev)

Ueli Kägi@ukaegi

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat die 6-Jahres-Sperre gegen Sepp Blatter weder angepasst noch umgestossen, sondern einfach bestätigt. Ein Freispruch hätte überrascht, eine Reduktion der Strafe um zwei oder drei Jahre allerdings nicht. Vor mehr als einem halben Jahr hat der CAS die Sperre des früheren Uefa-Präsidenten Michel Platini von sechs auf vier Jahre reduziert.

Blatter hatte einen auf Verfahrensmängel spezialisierten Anwalt für seinen Fall gewonnen. Viel mehr blieb ihm nicht mehr, um die von der Fifa-Ethikkommission gesetzte und von der Fifa-Rekurskammer von acht auf sechs Jahre reduzierte Strafe umzustossen. Dass die Sperre nun bestehen bleibt, ist persönlich hart für Blatter, der die Fifa als Lebensaufgabe verstanden und in vielen Bereichen zum Erfolg geführt hat. Aber es ist gut für den Fussball und den eingeschlagenen Weg des Weltverbandes, der mit untersuchender und Recht sprechender Kammer Regelverstösse des eigenen Personals endlich konsequent untersucht und ahndet.

Dem 80-jährigen Blatter ist eine Zahlung von zwei Millionen Franken an Platini von 2011 für angebliche Dienste zwischen 1998 und 2002 zum Verhängnis geworden. Die Fifa-Kammern erkannten Verstösse gegen die geltenden Prinzipien von Loyalität, Interessenkonflikten, Bestechung/Korruption sowie gegen allgemeine Verhaltensregeln.

Parallel zur Platini-Zahlung hat es während Blatters Zeit an der Fifa-Spitze rechtswidrige oder ethisch stossende Geschäfte à discrétion gegeben. In den vergangenen Jahren sind frühere Spitzenfunktionäre und ranghöchste Mitarbeiter wegen Ticketgeschäften, viel zu günstig verkaufter TV-Rechte, Bestechung, versuchten Stimmenkaufs, Familienreisen im Fifa-Privatjet oder ungeklärter Millionenzahlungen rund um Weltmeisterschaften aufgeflogen. Dass der oberste Chef vom Tun seiner nächsten Vertrauten nichts gewusst haben soll, ist erstaunlich. Oder, anders ausgedrückt: unwahrscheinlich.

Blatter hat schon im Vorfeld angekündigt, den CAS-Entscheid ans Bundesgericht weiterzuziehen, sofern er nicht freigesprochen werde. Er tut das nun doch nicht. Dies ist ein kluger, vielleicht altersweiser Entscheid eines Mannes, der auch müde geworden ist vom Kampf. Sein Image in grössten Teilen der Öffentlichkeit hängt nicht mehr von einem letztinstanzlichen Urteil ab. Selbst mit einem Freispruch würde Blatter an Glaubwürdigkeit und Ansehen nichts gewinnen. Dafür sind die Zweifel an den Ereignissen unter seiner Führung einfach zu gross.

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