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Grenzenlose Erleichterung

Dank Haris Seferovic und dem 1:0 gegen Zypern ist die Schweiz auf dem besten Weg an die WM 2014.

Lassen ihren Emotionen freien lauf: Die Schweiz Fussball Nationalmannschaft nach dem Tor.
Lassen ihren Emotionen freien lauf: Die Schweiz Fussball Nationalmannschaft nach dem Tor.
Keystone

Es waren nicht einfach nur Bilder der grenzenlosen Freude, sondern der tiefen, tiefen Erleichterung. Bilder von Spielern, die nicht mehr zu halten waren, auf dem Platz so wenig wie daneben, die sich in einem riesigen Knäuel trafen. Auf seinem Hochsitz konnte selbst der gesperrte Ottmar Hitzfeld nicht mehr an sich halten.

89 Minuten waren gespielt gewesen, und noch immer hatte es 0:0 gestanden, 0:0 nach einem quälend mühsamen Spiel mit vielen vergebenen Chancen, die für Verzweiflung sorgten und Bedenken nährten, dass es zum zweiten Mal gegen den Aussenseiter aus Zypern nichts wird mit einem Sieg.

Die Eruption kam nach 89:44 Minuten mit dem 1:0 durch Haris Seferovic, durch den 21-Jährigen, der in diesem einen Moment die Kaltschnäuzigkeit eines abgebrühten Torjägers bewies. Und es ist ein Tor mit Folgen gewesen, ein vielleicht ganz wichtiges auf dem Weg nach Brasilien: Mit vier Punkten Vorsprung gehen die Schweizer im Herbst die letzten vier Spiele an.

Unerschüttert trotz aller Fehler und vergebener Chancen

Der Treffer belohnte die Schweizer für ihren Durchhaltewillen, für ihren Glauben, dass es doch noch etwas wird mit dem Sieg, dafür, dass sie nicht erschüttert waren durch allerhand Fehlleistungen im Aufbau und Abschluss, durch all die vergebenen Chancen und die fehlende Präzision.

Weil das fehlte, was den Schweizern eben schon so oft in dieser Qualifikation gefehlt hat: der nüchterne Blick vor dem gegnerischen Goal. Ein Torverhältnis von 8:1 in den sechs Spielen sagt alles über ihre Stärken und Schwächen.

Zypern stellte einen höchst bescheidenen Gegner dar, ganz auf Defensive ausgerichtet, begleitet einzig von der Hoffnung, mit irgendeinem glücklichen Konter zum Erfolg zu kommen. Zweimal waren sie ihrem kühnen Ziel nahe, einmal nach einer Stunde, als Alexandrou an Lichtsteiner vorbeilief und Benaglio zur Parade zwang; das zweite Mal nur zehn Minuten später, als Kyriacou seinen Schuss frei stehend leicht verzog.

Die Schweizer standen sich immer wieder selbst im Weg. Als sich einmal der Raum zum schnellen Spiel bot, landete Lichtsteiners Querpass in den Strafraum schon beim erstbesten Zyprioten. Oder Inler dribbelte, als vier Kollegen im Strafraum auf seine Flanke warteten. Oder Shaqiri suchte den Abschluss selbst und übersah den freistehenden Gavranovic, der genervt die Arme verwarf.

So also war es immer wieder, und die Flanken und all die vielen Corner landeten Mal für Mal auf einem zypriotischen Kopf, und als der gegnerische Wall einmal durchbrochen war, rettete Antonis Giorgallidis mit Händen und Füssen. Gegen Gavranovic und Stocker, nochmals gegen Stocker und erneut gegen Gavranovic zeigte er in der zweiten Halbzeit seine besten Paraden. Und nicht zuletzt in der 87. Minute nach einem Konter, als Shaqiri allein vor ihm auftauchte. Und als die Hoffnung weiter schwand, das 0:0 noch abwenden zu können.

Das seltsame Coaching von Stellvertreter Michel Pont

Der Sieg überdeckte auch das seltsame Coaching von Hitzfelds Stellvertreter Michel Pont. Dass er Valon Behrami und nicht Gökhan Inler auswechselte, liess sich noch erklären. Inler war nach einem stupiden Foul fürs nächste Spiel bereits gesperrt, der gleichen Gefahr wollte Pont den weitaus stärkeren Behrami nicht aussetzen und nahm ihn vom Feld.

Warum Josip Drmic trotz seiner sehr bescheidenen Leistung erst in der 73. Minute durch Seferovic ersetzt wurde, war schon weit weniger verständlich. Absurd wurde es gleich danach, als Valentin Stocker seinen Platz räumen musste. Ausgerechnet Stocker, der in der Offensive so viel Drang und Entschlossenheit zeigte wie keiner sonst, der so selbstbewusst spielte wie im Verein. Für ihn kam ein Tranquillo Barnetta, dem jegliche Explosivität abging.

Die beiden Besten erlebten das Ende nur auf der Bank

Stocker war also der Beste, Behrami der Zweitbeste, und sie erlebten das Ende nur auf der Bank. Behrami nutzte wenigstens die Gelegenheit, um Pont noch bei einer taktischen Anweisung zu Hilfe zu eilen.

Benaglio hielt den einen Ball, den er halten musste, Djourou und von Bergen waren ungeprüft. Lichtsteiner machte im Spiel nach vorn kaum einmal etwas richtig, Rodriguez war da schon etwas besser. Inler war ein enttäuschender Captain, spielerisch mit gravierenden Patzern, die wenigstens keinen Schaden anrichteten. Dzemaili genügten die gut 20 Minuten auch nicht, um zu zeigen, dass er wegen seiner anfänglichen Nichtnomination zu Recht geschmollt hatte. Gavranovic bewies, dass er international einen deutlichen Schritt weiter ist als sein Clubkollege Drmic.

Shaqiri schliesslich hatte wenigstens diese eine Szene, die allen den Abend rettete. Nicht nur ihm und dem Ersatzcoach, sondern der ganzen Mannschaft.

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