Geschichte schreiben mit Hütter

Die Young Boys schaffen mit dem 7:0 gegen Lugano einen Rekordsieg im Stade de Suisse. Zu den sieben Torschützen gegen Lugano gehört auch Joker Nuzzolo.

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Im Mai 2009 schickte YB den FC Vaduz mit einer 0:6-Niederlage nach Hause. Die Berner Torschützen damals hiessen Schneuwly, Ghezal, Doumbia, Hochstrasser und Yapi. Der Torreigen war durch ein Eigentor der Liechtensteiner eröffnet worden.

Das war bis am Samstag der höchste Sieg, den die Young Boys im Stade de Suisse erringen konnten. In der Halbzeitpause der Partie gegen den FC Lugano, der bereits 0:4 hinten lag, machte Trainer Adi Hütter seine Spieler darauf aufmerksam, dass sie diesen Rekord brechen können. Und Geschichte schreiben, das wollten die Young Boys.

Mit dem Kantersieg ist dies gelungen. «Ein 7:0 ist schon besonders. Ein derart hohes Resultat gibt es nur alle sechs bis sieben Jahre», sagte Raphael Nuzzolo nach Spielschluss. Er konnte sich nicht erinnern, in der Super League selbst je mit einem so deutlichen Resultat gewonnen zu haben.

Tordifferenzen dieses Ausmasses sind heute sonst vor allem in den frühen Cup-Runden gegen unterklassige Gegner möglich.

Wie ein Vertreter aus der obersten Liga trat Lugano aber nicht auf. Nichts hatten die Gäste dem Heimteam entgegenzusetzen. Mal um Mal liessen sie YB passieren, das viel Platz vorfand, um in Ruhe sein Spiel aufzuziehen.

Dem Resultat hatte Lugano-Trainer Zdenek Zeman wenig anzufügen: «Es ist nach einem 0:7 schwierig, etwas zu sagen.» Erst später äusserte er sich konkreter.

Nach dem 0:6, das die Tessiner eine Woche zuvor gegen Sion hinnehmen mussten, hatten die Berner eine Reaktion erwartet. Doch der erste YB-Treffer, erzielt von Sulejmani, leitete den erneuten Zerfall des Abstiegskandidaten aus. «Es ist nicht einfach, wenn man hier nach drei Minuten das erste Tor bekommt.

Da geht im Kopf schon viel kaputt. Und nach dem 2:0 war absehbar, dass es ein schlechter Abend für Lugano werden würde», zeigte Nuzzolo Mitgefühl. Er weiss aus seiner früheren Zeit bei Neuchâtel Xamax, wie es ist, als Gegner in Bern antreten zu müssen.

Durchgezogen bis zum Schluss

Beim YB-Startfurioso sass Nuzzolo noch auf der Ersatzbank. Nach seiner Einwechslung dauerte es nur gerade 40 Sekunden, bis er sich in die Liste der Torschützen eintragen lassen konnte. Erst einmal stand der 32-Jährige in der Rückrunde in der Startaufstellung.

Unter Adi Hütter kommt er über die Rolle des Ergänzungsspielers nicht hinaus. «Ich habe noch nicht viele Minuten erhalten, um mich zu zeigen. Aber ich muss akzeptieren, dass andere ihre Sache gut machen», sagt er und verweist auf die Mentalität und den guten Willen der ganzen Mannschaft.

Im 17. Einsatz erzielte der Bieler erst sein zweites Tor in dieser Spielzeit. «So schlecht war meine Bilanz noch nie. Ich hoffe, dass ich bis zum Schluss der Saison trotzdem noch auf eine ordentliche Torausbeute komme», schmunzelt der Flügelspieler.

Beim Torfestival gegen Lugano kam die Hälfte der eingesetzten Feldspieler zu Erfolgserlebnissen. «Es ist schön, in dieser Höhe zu gewinnen. Noch schöner ist es, dass es sieben verschiedene Torschützen waren», freut sich Steve von Bergen.

Auch Trainer Hütter war mit der Leistung der Mannschaft zufrieden, und zwar nicht nur mit dem klaren Sieg, «sondern auch mit der Art und Weise, wie wir gespielt haben. Wir sind von der ersten Minute an in der Defensive wie in der Offensive gut auf dem Platz gestanden».

Und auch als die Young Boys bereits deutlich in Führung lagen, liessen sie zu keinem Zeitpunkt nach. Nach dem 7:0 war nicht nachvollziehbar, wie Lugano in der Vorrunde im Stade de Suisse gewinnen konnte und damit die bisher einzige Mannschaft ist, die in Bern einen Auswärtssieg schaffte.

Ein gutes Zeichen

«In der Vergangenheit haben wir oft gegen kleine Mannschaften wichtige Punkte liegen lassen», erinnerte sich von Bergen. Auch Hütter hat ausgemacht, dass YB in dieser Hinsicht «Probleme hatte, sich weiterzuentwickeln.» Die Resultate der Rückrunde sind ein positives Zeichen mit Blick auf die nächste Saison.

Zudem sind die drei Punkte gegen den Aufsteiger ein weiterer Schritt Richtung Champions-League-Qualifikation: Weil GC gegen Luzern nur zu einem 1:1 kam, konnte sich YB bereits sechs Punkte von den drittplatzierten Zürchern absetzen und ist auf gutem Weg, die Saison wieder als Vizemeister zu beenden.

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