Gelb-schwarze und rot-blaue Geschichten

Ein bisschen Nostalgie mit Dario Zuffi: 1986 wurde er mit YB Meister, doch am Sonntag fiebert er mit seinem Sohn Luca für den FC Basel.

Aus schwarz-weissen Zeiten: Dario Zuffi und Lars Lunde (rechts) brechen auf der Maladière in Jubelstürme aus.

Aus schwarz-weissen Zeiten: Dario Zuffi und Lars Lunde (rechts) brechen auf der Maladière in Jubelstürme aus.

(Bild: Keystone)

Am vergangenen Sonntag sass Dario Zuffi auf der Tribüne der Schützenwiese in Winterthur und erlebte das 1:1 seines FCW gegen Aarau. Diesen Sonntag wechselt er seinen Beobachtungsposten in den St.-Jakob-Park und schaut seinem Sohn Luca und dem FC Basel zu. Der Meister empfängt die Young Boys.

Dario Zuffi lebt Fussball, seit er in der Lage war, den Ball zu kicken. Das sind mittlerweile rund 48 Jahre her, wie er sich vage zu erinnern vermag. Am 7. Dezember wird Zuffi 51 Jahre alt. Und noch immer dreht sich bei ihm alles um den Fussball.

Beim FCW mit seiner gut geführten Nachwuchsabteilung ist er Trainer der U-21-Auswahl. Seine drei Söhne kicken alle auch. Luca (25) beim FC Basel, Sandro (28) und Nicola (23) in der 1. Liga Promotion bei YF Juventus. Und so interessiert sich Vater Zuffi am Wochenende nicht nur für FCB - YB, sondern schaut bereits am Samstag nach Basel, wenn YF Juventus bei den Old Boys antritt. Er sagt: «Ich telefoniere fast täglich mit meinen Söhnen. Mit Sandro und Nicola ist das Thema Fussball genauso spannend wie mit Luca.»

Eine Rarität im Schweizer Fussball

Winterthur, YB, Lugano, Basel und zuletzt wieder Winterthur sind die Stationen von Dario Zuffi als Aktiver. 19-mal trug er zudem das Dress der Nationalmannschaft. Zwischen 1985 und 1991 bestritt er 186 Ligaspiele für die Young Boys und erzielte dabei 81 Tore.

Die Familie Zuffi zählt mittlerweile zu den Raritäten im Schweizer Fussball. Am 9. Oktober debütierte Sohn Luca beim 7:0 gegen San Marino für die Nationalmannschaft, und die Zuffis stiessen so in einen erlauchten Kreis vor; zuvor hatte es nur drei Familien gegeben mit Vater und Sohn als Nationalspielern. Alessandro und Roberto Frigerio, später Charly und Philippe Hertig sowie, was wohl noch den meisten Fussballfans in Erinnerung ist, Pierre-Albert Chapuisat und Stéphane Chapuisat.

Bei YB ist Dario Zuffi vor allem Nostalgikern ein Begriff. Er gehörte zu der Mannschaft, die 1986 den letzten Meistertitel für YB gewonnen hatte und ein Jahr später zum bisher letzten Mal den Cupsieg feiern konnte. Die Meister-Geschichte nach dem entscheidenden 4:1-Sieg über Xamax auswärts in Neuenburg am 24. Mai 1986 musste Zuffi schon oft erzählen. Deshalb ist sie ihm nach 29 Jahren wohl noch so präsent: «Auf der Maladière haben wir mit den mitgereisten YB-Fans ein bisschen gefeiert. Aber danach war nichts organisiert. Auf der Heimreise nach Bern beschlossen die älteren Spieler, noch ins Boccia-Häuschen im Wankdorf zu gehen. Die Jüngeren dagegen, zu denen ich damals zählte, entschieden sich für den Disco-Besuch. Wir zogen durch die Stadt, aber es herrschte tote Hose. So war ich um zwei Uhr nachts bereits im Bett.» Von der spontan angesetzten Fete im Boccia-Häuschen hatte Zuffi erst tags darauf erfahren.

Dass sich die Mannschaft in der Meisternacht trennte, sieht Zuffi in der Rückblende mit Altersmilde. «Man kann nicht sagen, dass die gestandenen und die jüngeren Spieler nicht gut mitein­ander auskamen. Aber ganz so super war der Zusammenhalt der Mannschaft wohl doch nicht.»

Mit dem Flugzeug zurück

Auch danach habe es keine grosse, offizielle Feier in Bern gegeben, so Zuffi. Kein Bankett der Stadt Bern, kein Empfang auf dem Balkon. Nichts. Zu dumm für YB und Zuffi, war damals Alexander Tschäppät noch nicht Stadtpräsident. Andernfalls wären die Weissweinreserven im Rathaus unausweichlich angezapft worden.

Ganz anderes erlebte Zuffi acht Jahre später bei Rot-Blau. Am 2. Mai 1994 hatte er im Stade de la Fontenette in Carouge für den FC Basel in der 74. Minute das Tor zum 1:1 erzielt, was für den FCB die Rückkehr in die damalige Nationalliga A bedeutete. «Wir durften als Belohnung mit dem Flugzeug nach Basel zurückkehren. Auf der Heimreise raunte mir Massimo Ceccaroni zu: ‹In der Stadt geht die Post ab, du wirst sehen.›» Was er danach erlebt habe, sei für ihn auch heute noch ein unvergessenes, einmaliges Erlebnis. Rund 20'000 Zuschauer empfingen die Mannschaft nach Mitternacht auf dem Barfüsserplatz. Das Freibier floss bis zum Morgengrauen. «Das war der Anfang der legendären FCB-Feiern auf dem Barfi», sagt Zuffi. «Ich habe mich sehr gefreut, dass dies Luca diesen Frühling erstmals erfahren durfte.»

Es ist naheliegend, dass Dario Zuffi am Sonntag für seinen Sohn und den FCB fiebert. «Bevor Luca beim FCB spielte, waren meine Sympathien zu den beiden Vereinen gleich gross. Denn ich habe auch viele schöne gelb-schwarze Erinnerungen.» Er ist gespannt, wie der FCB die Europa-League-Niederlage von gestern gegen Belenenses weg­stecken wird. «Die Doppelbelastung des FCB ist ein Vorteil für YB. Andererseits vermochte YB bisher erst auf Kunstrasen richtig zu überzeugen. Eine Niederlage am Sonntag würde bedeuten, dass der FCB wieder 12 Punkte Vorsprung hat und alles entschieden ist», glaubt er.

Der Bund

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