Traumtor und ein volles Haus

Die Young Boys nehmen den Schwung vom Spiel gegen Schachtar mit und dominieren den Kantonsrivalen aus Thun über weite Strecken.

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Michael Frey nimmt den Ball mit der Brust an, legt ihn im selben Atemzug mit dem Kopf vor und trifft volley in die nähere Ecke von Thuns Goalie Guillaume Faivre zum 1:0. Es ist ein Traumtor und Auftakt zur zweiten gelb-schwarzen Jubelfeier innert dreier Tage.

Die grosse Frage am Samstagabend war, wie YB nach dem emotionalen Kraftakt vom Mittwoch gegen Schachtar Donezk in der Qualifikation zur Champions League die Umstellung auf den Alltag der Super League schaffen würde. Der 4:1-Sieg gegen Thun war eine klare Antwort. Aber jetzt wartet der FC Basel.

Vor einem Jahr lag YB nach vier Runden bereits um sechs Punkte hinter dem FC Basel zurück. Nach acht Runden – Mitte September – waren es gar 12 Punkte Differenz. Zur Erinnerung: Damals gewann der FCB zum Saisonauftakt die ersten acht Meisterschaftsspiele. Und verlor erst im neunten erstmals, 3:4 gegen YB. Aber den Bernern waren die Basler damals bereits meilenweit enteilt.

Das gilt es nun für die Young Boys am Mittwoch beim Auftritt im St.-Jakob-Park zu verhindern. Die Basler haben ihre ersten drei Spiele schon wieder gewonnen; würden sie am Mittwoch auch YB bodigen, hätten sie bereits wieder 6 Punkte Vorsprung auf den Rivalen.

Auch unter diesem Aspekt war es für die Young Boys wichtig, dass die Rechnung von Trainer Adi Hütter im Derby vor ausverkauftem Haus aufging. Es gab drei Wechsel gegenüber Donezk. So liess Hütter Hoarau vorerst auf der Bank und setzte auf Frey, zudem kam Hadergjonai für Sutter in die Startformation und Gajic für Bertone.

Für Frey, vor seinem abrupten Wechsel nach Frankreich zu Lille Liebling der YB-Fans, war das Tor im Derby beim ersten Auftritt in der Startformation nach seiner Rückkehr natürlich die beste Antwort an den Trainer und die Fans, die ihn am Samstag schon wieder lauthals feierten. «Frey hat lange auf seine Chance warten müssen, weil ich ihn auch etwas zappeln liess. Aber er hat gut trainiert und die Nomination verdient», freute sich Hütter.

Und Frey meinte: «Ich habe mir sicher nichts kaputt gemacht mit dieser Leistung.» Er hatte nicht nur den Führungstreffer erzielt, sondern auch das Kopfballduell nach einem Abschlag von Mvogo gewonnen, das dem eingewechselten Hoarau den Weg zu seinem Tor zum 3:1 freimachte (81.).

Trotzdem nicht ohne Probleme

Am vergangenen Mittwoch noch waren lediglich 9300 Zuschauer im Stadion, diesmal wurde vom Stadionsprecher mit 31'120 «ausverkauft» gemeldet, obwohl im Gästesektor viele Tickets nicht an die FCT-Fans gebracht werden konnten. Für 12 Franken pro Sitzplatz durften die Fans ins Stade de Suisse, und die gelb-schwarze Kulisse bot einen prächtigen Anblick.

Erst einmal hatte Frey im Stade de Suisse vor ausverkauftem Hause gespielt, das war am 20. September 2012 gewesen, als er beim 3:5 gegen Liverpool in der Europa League in der 81. Minute für Zarate ins Spiel gekommen war.

Auch in Basel wird YB wieder vor vollen Rängen spielen, es wird eine weitere Zerreissprobe für die Berner, die von Spiel zu Spiel hetzen. «Basel hat sich auch diese Saison extrem verstärkt», sagt Frey. «Wir werden wieder alles geben.» Wie viel das sein wird, wird sich zeigen.

Klar ist, dass Sékou Sanogo nicht dabei sein wird. Der Ivorer konnte nach 56. Minuten nicht mehr weiterspielen und wurde durch Bertone ersetzt. Hütter hofft, beim ersten Spiel gegen Borussia Mönchengladbach in der Qualifikation zur Champions League am 16. August wieder auf Sanogo setzen zu können. «Gegen Basel wird er nicht spielen können», bedauert der Trainer.

Gegen Thun zeigte YB erneut die robuste Zweikampfstärke, die es bereits gegen Schachtar demonstriert hatte. Aber ohne Probleme waren die Young Boys gegen die Oberländer nicht, auch wenn das im Resultat nicht zum Ausdruck kommt. In defensiver Hinsicht leisteten sich die Young Boys mehr individuelle Fehler als gegen Schachtar. So blieben ein frappanter Ballverlust in der Angriffsauslösung durch von Bergen und ein Fehlschlag von Rochat im eigenen Strafraum ohne Folgen.

In Basel wird YB vor allem zu beweisen haben, dass es in der Lage ist, das kollektive starke Defensivverhalten, das es gegen Schachtar gezeigt hat, wieder auf den Platz zu bringen.

Der Bund

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