Gegen alles immun

Die Young Boys lassen sich sowohl von gegnerischen Psychotricks als auch von eigenen Abwesenden nicht vom Kurs abbringen. Sie gewinnen am Geburtstag von Trainer Adi Hütter in Lausanne souverän 4:1.

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Stunden vor dem Spiel schickt Lausannes Verteidiger Alain Rochat per Whatsapp ein Bild an seine früheren YB-Teamkollegen. Das Foto zeigt den Rasen des ­Stade Olympique de la Pontaise, der zu diesem Zeitpunkt schneebedeckt ist. Rochats Botschaft: Zieht euch warm an, es wird ein schweres Auswärtsspiel.

Bei Anpfiff um 16 Uhr liegt der Schnee auf der Leichtathletikbahn neben dem Platz, die Helfer haben ihr Bestes getan. Dafür ist der Rasen durch die Feuchtigkeit tief, zudem ist es eiskalt.

Hinzu kommt, dass Trainer Adi Hütter auf zwei seiner besten Offensivakteure verzichten muss. Stürmer Roger Assalé ist gesperrt, Flügel Christian Fassnacht fällt kurzfristig mit einer Grippe aus.

Erstmals in dieser Super-League-Saison treten die Young Boys deshalb nicht im 4-4-2-System an, sondern im 4-3-3. Es sind Be­dingungen, geschaffen für einen Ausrutscher. Wie Mitte Oktober, als die Berner an gleicher Stätte eine ihrer drei Niederlagen in der Super League erlitten.

Erlachners Fehler

Doch die Zweifel sind rasch weggeräumt wie der Schnee, aus Frage- werden Ausrufezeichen. Nach einem fulminanten Schuss des einmal mehr überragenden Miralem Sulejmani erzielt Guillaume Hoarau früh das ver­meintliche 1:0, Schiedsrichter Pascal Erlachner entscheidet fälschlicherweise auf Abseits.

Doch die Berner zeigen sich unbeeindruckt, getragen von einer starken Defensive, welche jeden der Lausanner Angriffe im Keim erstickt. Sulejmani trifft nach einer halben Stunde und schöner Kombination zum 1:0. Und zehn Minuten später erhält YB einen Elfmeter zugesprochen.

Auch dieser Entscheid ist falsch. ­Nicolas Ngamaleu wurde zwar ge­troffen, Elton Monteiro spielte aber den Ball. Ausgleichende Gerechtigkeit, können die Berner festhalten. Hoarau verwandelt den Penalty cool zum 2:0. Danach läuft YB nie mehr Gefahr, den Vorsprung aus der Hand zu geben. Rochats Psychotricks sind wirkungslos geblieben, die Ab­wesenden fallen nicht ins Gewicht, der Leader scheint derzeit gegen alles immun zu sein.

Dementsprechend zufrieden zeigen sich die Young Boys nach dem Spiel. «Das war eine sehr gute Leistung bei schweren Verhältnissen», sagt der linke Verteidiger Loris Benito. «Das war ein souveräner Auswärtssieg», sagt Trainer Hütter.

Der Österreicher feierte am Sonntag seinen 48. Geburtstag, nach dem Schlusspfiff erhält er von den YB-Fans ein Ständchen gesungen. Danach spricht er von einem schönen Geschenk, das ihm sein Team mit der Darbietung gemacht habe, und erzählt, wie er sich freue, zu Hause mit der Familie, die ihn in Bern besucht, anzustossen.

Hütter kann ein rundum positives Fazit ziehen. Da ist etwa die Leistung von Guillaume Hoarau. Der französische Stürmer war in der Vorrunde verletzungsbedingt nie auf Touren gekommen; weil seine Ansprüche aber unverändert gross sind, befürchteten einige, er werde in der zweiten Saisonhälfte eher Hypothek denn Gewinn sein.

Nun hat Hoarau in zwei Partien dreimal getroffen, das 3:0 erzielt er vor 4200 Zuschauern wie in besten Zeiten: mit einer wunderbaren Direktabnahme aus 20 Metern.

Da ist auch Nicolas Ngamaleu, der die Breite im Berner Kader belegt. Der 23-jährige kamerunische Flügel bekommt den Vorzug vor Stürmer Jean-Pierre Nsame und nutzt die Spielgelegenheit mit seiner vielleicht besten Darbietung im YB-Trikot. Das 1:0 Sulejmanis leitet er ein, das 4:1 erzielte er in der Nachspielzeit mit einem satten Abschluss. Dazwischen ist er mit seinen Dribblings ein steter Unruheherd.

Sulejmanis Verletzung

Einziger Wermutstropfen ist der Ausfall Sulejmanis. Der 29-Jäh­rige verletzt sich in der ersten Halbzeit an der Schulter, er muss zur Pause ausgewechselt werden. Eine Schulterluxation kann zwar ausgeschlossen werden, nach dem Spiel klagt Sulejmani aber über Schmerzen. Heute sollen Untersuchungen Aufschluss über die Schwere der Blessur ­geben.

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Erstellt: 12.02.2018, 06:29 Uhr

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