GC vergibt die Bonuspunkte

Die Grasshoppers unterliegen beim FC Basel 0:1 und stecken ganz tief drin im Abstiegsschlamassel.

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Die Geste war so kurz wie eindeutig. Mit der Rechten schlug sich Mathias Walther in die linke Hand, der Körper drehte sich mit Wucht weg vom Spielfeld. Der Sportchef und Interimstrainer der Grass­hoppers wusste: Sein Team hatte beim FC Basel soeben eine Chance liegen gelassen, einen oder gar drei Bonuspunkte im Abstiegskampf zu sammeln.

Stattdessen steckt GC weiter ganz tief drin im Schlamassel. Gleichzeitig gelang Lugano gestern mit einem Sieg in Sitten so etwas wie ein Befreiungsschlag. Und die fleissigen Thuner Eichhörnchen sammelten gegen die Young Boys immerhin einen weiteren Punkt. Einzelne Zähler können in dieser Saison mit den unglaublich engen Abständen in der hinteren Tabellenhälfte darüber entscheiden, wer die Super League schliesslich verlassen muss.

Umso mehr mussten sich die Grass­hoppers über die vergebene Chance in Basel ärgern. Schliesslich hatten sie den Serienmeister und vor allem dessen Publikum lange in Schach gehalten. Manchmal mit Glück, wie kurz vor der Pause. Meist aber mit ordentlicher Raumaufteilung und fleissiger Laufarbeit.

Die Pfiffe des Basler Publikums

Nach rund einer Stunde waren die ersten Pfiffe zu hören im St.-Jakob-Park, etwas später wurden sie lauter, weil der FCB zwischenzeitlich mit dem Nachdruck des Rentnerchörlis Alpenrose antrat. Und dann, in der 64. Minute, hätte Lucas Andersen GC mit 1:0 in Führung bringen können.

Es war kein ziselierter Angriff über mehrere Stationen. Aber das muss es im Abstiegskampf ja auch nicht immer sein. Ein Abschlag von Goalie Heinz Lindner, ein gewonnenes Kopfballduell – und schon konnte Andersen alleine auf Tomas Vaclik ziehen. Es wäre die Möglichkeit gewesen, ein sogenannt billiges Tor zu erzielen. Doch der Däne wuchtete den Ball nicht ins Tor, sondern versuchte sich mit dem Aussenrist. Es war die falsche Entscheidung. Und draussen dachte Walther: «Es ist wohl typisch für unsere Situation, dass so ein Spiel nicht auf unsere Seite kippt. In guten Momenten geht so einer auch mal rein.» Es sind keine guten ­Momente, die GC derzeit erlebt, zehn Minuten darauf erzielte Mohamed Elyounoussi das 1:0 für den FCB.

Das Bonusspiel ist vorbei

Irgendwie erinnert der Fall der Grass­hoppers ja frappant an den Stadtrivalen FC Zürich, der vor zwei Saisons für hausgemachte Probleme mit dem Gang in die Challenge League bezahlte. Aber einen gewichtigen Unterschied scheint es zu geben: Während der FCZ damals bis zuletzt den Traum lebte, er sei aus einem unerfindlichen Grund unabsteigbar, scheint sich GC der Gefahr spätestens seit der Absetzung von Trainer Murat Yakin bewusst. Zumindest war das gestern kein Team, das widerstands- und orientierungslos in Richtung Abstieg taumelt.

Doch kaufen können sich die Grass­hoppers dafür nichts. Das Bonusspiel in Basel, in dem von ihnen nichts erwartet wurde, ist vorbei. Die nächsten Gegner heissen Lugano, Lausanne, Thun und Sion. Es sind vier Finalspiele gegen den Abstieg. Und GC muss sie wohl ohne Numa Lavanchy bestreiten. Der Flügelspieler wurde in der 30. Minute am Boden liegend von Geoffroy Serey Die mit dem Fuss im Gesicht getroffen. «Es sieht so aus, als ob er einen Jochbeinbruch erlitten hat», berichtete Walther nach dem Spiel, «ich denke nicht, dass er in dieser Saison noch einmal spielen wird.»

YB-Punktverlust lässt FCB kalt

Weitere schlechte Nachrichten ereilten GC aus dem Berner Oberland, wo Thun gegen die Young Boys 2:1 geführt hatte und dem designierten Meister letztlich ein 2:2 abtrotzte. Ein Resultat, das eigentlich auch den FCB hätte interessieren können. Aber Trainer Raphael ­Wicky befand: «Es hat sich nichts verändert. Elf Punkte Vorsprung bei noch sechs Spielen sind ein riesiger Abstand.» Hoffnungen auf eine fantastische Aufholjagd gibt es keine mehr in Basel.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.04.2018, 23:29 Uhr

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