GC in der Negativspirale – droht das FCZ-Schicksal?

Letzte Ausfahrt Trainerwechsel: Was jetzt noch für den Ligaerhalt der Grasshoppers spricht – und was dagegen.

Des einen Freud, des andern Leid: GC-Caio und die jubelnden Vaduzer.

Des einen Freud, des andern Leid: GC-Caio und die jubelnden Vaduzer. Bild: Keystone

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Schon wieder ein Niederlage, und diesmal riss der Geduldsfaden. Nach dem 1:2 gegen Vaduz hatte die Vereinsführung der Grasshoppers genug und stellte Trainer Pierluigi Tami frei. Als Nachfolger soll Carlos Bernegger das Team zum Ligaerhalt führen. Und der gebürtige Argentinier hat durchaus Erfahrung damit. Schon zweimal war er bei GC als Feuerwehrmann eingesprungen.

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Nur: Wie will ihm der Turnaround gelingen, nachdem GC unter Tami immer noch schlechter geworden ist? 12 Runden sind in den verbleibenden 3 Monaten bis Saisonende noch zu spielen, und wer GC zuletzt spielen und verlieren sah, stellt sich unweigerlich die Frage: Ereilt den Club dasselbe Schicksal wie vor einem Jahr den FCZ? Muss der Rekordmeister in die Challenge League?

3 Gründe für und gegen das Scheitern.

Darum rettet sich GC

Zeichen rechtzeitig erkannt
Die Heimniederlage gegen den Club aus Liechtenstein war ein Offenbarungseid der Grasshoppers, und das Schlimme daran: Es war nicht der einzige in letzter Zeit. Fünf der sechs Spiele seit der Winterpause hat GC verloren, 4:11 Tore ist die klägliche Bilanz. Und trotzdem hat jede Krise auch ihr Gutes: Präsident Anliker hat eingesehen, dass er Trainer Tami nicht länger eine Lizenz zum Verlieren ausstellen durfte. Und zog die Notbremse schon zwölf Spiele vor Saisonende.

Vom Fehler des Rivalen gelernt
Stav Jacobi, Präsident des Volleyballclubs Volero Zürich und bei GC im Verwaltungsrat, sagt: «Der weniger kluge Mensch lernt aus eigenen Fehlern, der kluge Mensch lernt aus den Fehlern der anderen.» Die anderen – das sind in diesem Fall die Rivalen des FC Zürich. Vor genau einem Jahr trennte der FCZ auch nur ein Punkt vom Tabellenende, und trotzdem hielt Präsident Ancillo Canepa so lange an Trainer Sami Hyypiä fest, bis auch er nicht mehr anders konnte. Drei Runden vor Schluss ersetzte er den erfolglosen Finnen durch Uli Forte – da war der Abstieg schon nicht mehr zu verhindern.

Ein Heisssporn an der Seitenlinie
Der neue Trainer Bernegger ist ein Heisssporn, die gängigsten Fluchwörter sind ihm trotz Defiziten in der deutschen Sprache nicht fremd. Zumindest kurzfristig kann er mit seinem Temperament wichtige Impulse auslösen und eine Mannschaft durchaus vom Tabellenende wegbringen – in der Saison 2012/13 hat er das beim FC Luzern bewiesen. Und so könnte gerade das Duo Bernegger/Munas Dabbur ein explosives sein und bei GC positive Kräfte auslösen. Der israelische Stürmer lebt von den Emotionen.

Darum steigt GC trotzdem ab

Seelenlose Mannschaft
Gleiches Argument wie eben, aber ganz andere Deutung: Was, wenn sich Bernegger und Dabbur nicht verstehen und sich aneinander reiben? Ein Kampf zweier stolzer Gockel ist das Letzte, das GC in der aktuellen Situation brauchen kann. Und es kann auch nicht gebrauchen, dass sich Dabbur so aufführt wie gegen Vaduz: Der Stürmer schimpfte, reklamierte und schob einen Penalty nonchalant zum gegnerischen Goalie. Nach dem stillosen Abgang von Captain Källström in der Winterpause müsste Dabbur seiner ansonsten sehr seelenlosen Mannschaft als vorbildlicher Leader helfen.

Verunsicherte Torhüter
Pierluigi Tami mochte sich nicht auf eine klare Nummer 1 im Tor festlegen, setzte mal auf Vaso Vasic und dann auf Joël Mall, und keiner der beiden Keeper überzeugte – die Verunsicherung war greifbar. Diese Wechselspielchen kann sich Bernegger nun kaum noch leisten, er muss sich auf einen Stammgoalie festlegen. Das Problem: Er sollte am besten den richtigen erwischen.

Fehlende Unterstützung
4000 Zuschauer – die Kulisse beim Schicksalsspiel gegen Vaduz war eines Rekordmeisters unwürdig. Und doch nur die Fortsetzung eines Trends: GC laufen die Fans davon. Seit dem Einzug in den unwirtlichen Letzigrund ist der Schnitt von über 7000 auf unter 5000 gesunken. Stimmung kommt so im riesigen EM-Rund kaum je auf, wie soll sich da der Funken auf die Mannschaft übertragen? Selbst beim FCZ, der auch in der Abstiegssaison mehr Leute anzog, zündete er nicht. Als es im zweitletzten Heimspiel der Saison um wirklich alles ging, unterlag er Konkurrent Lugano im Letzigrund 0:4. Vor einem solchen Reinfall scheint auch das aktuelle GC nicht gefeit. Selbst wenn auch die Gegner im Abstiegskampf nicht überzeugen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.03.2017, 12:33 Uhr

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10.FC Vaduz36792045:7830
Stand: 02.06.2017 22:39

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