Ganz weit entrückt

Nach der 0:2-Niederlage liegen die Young Boys bereits 17 Punkte hinter dem FC Basel, der schon bald den 7. Meistertitel in Serie feiern wird.

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Ruedi Kunz

25. Oktober 2015, St.-Jakob-Park: Die Young Boys begegnen dem FC Basel auf Augenhöhe, haben Chancen, in Führung zu gehen, treffen aber nicht. Die Differenz besorgt Breel Embolo, das knapp volljährige Jahrzehnttalent aus der FCB-Nachwuchsabteilung. Nach Doppelpass mit Zuffi und energischem Vorpreschen schiesst er das einzige Tor der Partie. YB liegt nach der 0:1-Niederlage 12 Punkte hinter Leader Basel zurück, der Traum vom ersten Meistertitel nach 30 Jahren rückt bereits früh in weite Ferne.

3. April 2016, St.-Jakob-Park: Beim dritten Aufeinandertreffen in der laufenden Saison schlagen sich die Young Boys achtbar. 45 Minuten lang sind sie die eher bessere Mannschaft. Die zweite Halbzeit ist noch keine Minute alt, da demonstrieren die Basler zum x-ten Mal ihre Effizienz: Embolo, der zuvor monatelang nicht mehr getroffen hat, profitiert von Hadergjonajs Fehleinschätzung bei einer Bjarnason-Flanke. Die Platzherren übernehmen in einem Match, den sie zuvor im Verwaltermodus abgespult haben, das Kommando. Angriff für Angriff rollt Richtung Muttenzer-Kurve. YB wankt, fällt aber nicht. Sulejmani hat nach einem der raren Entlastungsangriffe der Gäste die grosse Chance, den Ausgleich zu erzielen. Der Serbe trifft statt ins Netz an den Pfosten (56.). Es bleibt die einzige reelle Berner Chance, bis Nuzzolo kurz vor Schluss nach einem Vaclik-Patzer zum Schuss kommt.

Den Schlusspunkt setzt sinnigerweise Renato Steffen, welcher über 70 Minuten auf der Ersatzbank sass. Tief in der Nachspielzeit veredelt der frühere YB-Spieler die feine Vorarbeit von Embolo mit dem 2:0. Nach dem 20. Sieg im 25. Meisterschaftsspiel liest sich die Tabelle folgendermassen: 1. Basel 62 Punkte 2. YB 45 Punkte. Nach Verlustpunkten sind es sogar 20 Punkte, da der Leader einen Match weniger ausgetragen hat. Womit auch gleich die Frage geklärt ist, wer im Mai den Meisterpokal in die Höhe stemmen wird: Es wird zum siebten Mal in Folge der YB-Bezwinger sein.

Fischer und das M-Wort

«Ich denke, man kann dem FC Basel gratulieren. Er lässt sich diesen Titel nicht mehr nehmen», sagte YB-Coach Adi Hütter nach der ersten Niederlage seines Teams in der Rückrunde. Es wäre einem Tabubruch gleichgekommen, hätte Urs Fischer die verbale Vorlage aufgenommen und geantwortet, jetzt könne seinem Team nichts mehr passieren. Also umkurvte er das M-Wort mit der Formulierung: «Heute sind wir unserem grossen Ziel einen grossen Schritt nähergekommen.» Der FCB-Trainer hatte «einen sehr guten Match gesehen», bei dem sich zwei Mannschaft fast auf Augenhöhe bewegten. Das stimmte, was das Geschehen bis zur Basler Führung betraf. Sie wollten ein Zeichen setzen, hatte Hütter letzte Woche verkündet. Eine Halbzeit lang schaffte es das Team, die Vorgaben des Österreichers sehr ordentlich umzusetzen. Es hatte mehr Ballbesitz, es störte die Gastgeber früh und schaltete nach Balleroberungen blitzschnell um. Zwischenzeitlich wirkte es ganz gefällig, was die Young Boys zu bieten hatten. Doch kaufen konnten sie sich damit nichts, weil sie im Strafraum des Gegners kaum je richtige Gefahr heraufbeschwören konnten. Ein Abschluss von Hoarau aus der Drehung knapp am Tor vorbei (16.), ein Versuch von Sulejmani weit übers Tor (19.) und von Ravet aus grosser Distanz ohne Erfolg (39.) – das wars schon.

«Wir müssen noch entschlossener zur Sache gehen», befand Assistenztrainer Christian Peintinger, welcher die ersten 45 Minuten oben auf der Pressetribüne verfolgt hatte. Es blieb bei den guten Vorsätzen und endete mit der aus YB-Sicht ernüchternden Feststellung, dass der FC Basel weiter entrückt ist denn je.

Der Bund

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