Zum Hauptinhalt springen

«Für viele ist der 1.FC Köln Teil ihres Lebens»

Vor dem Testspiel gegen YB spricht Köln-Trainer Christoph Daum über seine Arbeit in der Fussballstadt Köln, seinen Status als «Messias», die Schweiz und Bayern München.

«Riesenbelastung, der ein Trainer nur teilweise gerecht werden kann»: Christoph Daum über die Erwartungshaltung in Köln.
«Riesenbelastung, der ein Trainer nur teilweise gerecht werden kann»: Christoph Daum über die Erwartungshaltung in Köln.
Keystone

Wie sind Sie mit dem Saisonstart des 1.FC Köln in der Bundesliga zufrieden? Es wären vier Punkte mehr für uns drin gewesen, wenn wir in der Anfangsphase der Saison disziplinierter und konsequenter gespielt hätten. Aber wir befinden uns jetzt, nach dem 2:1-Sieg am Wochenende bei Gladbach, auf einem guten Weg. Bereits eine Woche zuvor hatten wir beim 1:0 gegen Schalke eine gute Leistung gezeigt.

Wie sehen Sie das Potenzial von Aufsteiger Köln im Vergleich mit der Konkurrenz, die wie Wolfsburg oder Hoffenheim massiv aufgerüstet hat vor der Saison?Unser Potenzial ist gross genug, um den Traditionsverein 1.FC Köln wieder dauerhaft in der Bundesliga zu etablieren.

Wie lebt es sich als «Messias», als der Sie in Köln und Umgebung gefeiert werden?Es ist eine Riesenbelastung, der ein Trainer nur teilweise gerecht werden kann.

Köln ist ja eine fussballverrückte Stadt. Wie ist es für Sie als Trainer, wenn Medien und Fans einen Verein täglich derart intensiv verfolgen wie in Köln?Es ist eigentlich ein tolles Gefühl, wenn du diese totale Identifikation – nicht nur im, sondern auch ausserhalb des Stadions – immer wieder erlebst. Das ist etwas, das einen stolz macht, für diesen Verein tätig zu sein.

Sie waren auch jahrelang in der Türkei tätig. Ist die Begeisterung für den Fussball dort vergleichbar mit jener in Köln?Auf jeden Fall. Auch der 1.FC Köln ist für viele Menschen Teil ihres Lebens, und das spürt man eigentlich überall, egal ob beim Einkaufen, Essengehen oder Spazieren. Du wirst immer wieder auf den FC angesprochen, und jeder drückt seine Verbundenheit und Unterstützung aus.

Welchen Bezug haben Sie zum Schweizer Fussball?Ich hatte zum ehemaligen Nationaltrainer Köbi Kuhn ein sehr gutes Verhältnis und habe mich über seine Erfolge sehr gefreut. Den einen oder anderen Schweizer Nationalspieler habe ich auch selber in meinen Mannschaften erleben können.

Erinnern Sie sich an den Philips-Cup, ein internationales Fussballturnier in Bern, das Sie 1989 mit Köln und 1991 mit Stuttgart gewonnen haben?Ja, ich erinnere mich gerne an den Philips-Cup in Bern. Es war ein tolles Turnier mit starken Mannschaften, bei dem wir das Glück hatten, dabei zu sein und sogar zu gewinnen. Damals gab es ja noch nicht so viele Testspiele gegen internationale Gegner. Das Turnier war immer sehr gut organisiert und ein Highlight in der Saisonvorbereitung.

Wie stufen Sie den Schweizer Fussball ein? Das Nationalteam war zuletzt ja immer an grossen Turnieren dabei, verlor aber kürzlich gegen Luxemburg......ja, aber aus seinen begrenzten Möglichkeiten hat der Schweizer Fussball mit einer vorbildlichen Nachwuchsförderung viele gute Spieler herausgebracht. Das hat sich auch in überzeugenden Auftritten der Nationalmannschaft in den letzten Jahren niedergeschlagen. Das Spiel gegen Luxemburg sollte man als eine Ausnahme sehen, schnellstens abhaken und sicher nicht überbewerten. Die Chance zur Reaktion kommt ja schon am nächsten Wochenende.

Was wissen Sie über die Berner Young Boys?Bern ist eine der Fussballhochburgen in der Schweiz. Die Young Boys haben sich sehr gut positioniert und sind eine Topadresse im Schweizer Fussball.

Wie wichtig ist denn so ein Testspiel in der Länderspielpause?Ein Testspiel ist auch für Spieler, die nicht so oft zum Einsatz kommen, eine willkommene Möglichkeit, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Lukas Podolski ist ein echter Kölner und in seiner Heimat immer noch sehr beliebt. Er ist bei Bayern nicht immer glücklich. Wie realistisch ist eine Rückkehr Podolskis nach Köln, da München vermutlich rund 20 Millionen Euro Ablöse fordern dürfte?Lukas Podolski hat einen laufenden Vertrag. Bayern München hat eindeutig signalisiert, dass sie den Spieler nicht abgeben wollen. Und wir respektieren bestehende Verträge. Aber selbstverständlich ist er ein grossartiger Spieler, der sich in Köln sehr wohl fühlt.

Sie sind eine der schillerndsten Figuren in der Bundesliga, nicht nur wegen Ihrer Kokainaffäre vor einigen Jahren. Was würden Sie im Rückblick anders machen?Die Beantwortung dieser Frage würde eine Sonderausgabe ihrer Zeitung nach sich ziehen...

...und was sagen Sie zu Jungtrainer Jürgen Klinsmanns Fehlstart bei Bayern München? Mit diesem Verein und dessen Manager Uli Hoeness haben Sie sich ja vor allem früher oft gestritten.Es ist viel zu früh, eine weit reichende Bilanz zu ziehen. Jürgen Klinsmann hat sich beim Deutschen Fussballbund mit seinen Ideen erfolgreich durchgesetzt. Ich gehe davon aus, dass ihm das auch bei Bayern München gelingen wird. Die Deutsche Meisterschaft führt – wie immer – nach wie vor über Bayern.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch