Zum Hauptinhalt springen

«Für Gewalt im Stadion habe ich kein Verständnis»

Wegen der «Schande von Basel» stehen 26 Angeklagte vor Gericht. Die Fussball-Rowdys wollen nicht gewusst haben, was sie taten, als sie Fackeln, Steine und Metallgitter warfen.

Die Basler Fans stürmen mit dem Schlusspfiff auf den Rasen; im Vordergrund flüchtet Basels Medienchef Josef Zindel.
Die Basler Fans stürmen mit dem Schlusspfiff auf den Rasen; im Vordergrund flüchtet Basels Medienchef Josef Zindel.
Keystone
Die Polizei griff spät ein und konnte nicht alle Basler Fans daran hindern, die feiernden FCZ-Spieler anzugreifen.
Die Polizei griff spät ein und konnte nicht alle Basler Fans daran hindern, die feiernden FCZ-Spieler anzugreifen.
Keystone
Nach einer gewissen Zeit hatte die Polizei die Situation im St.-Jakob-Park unter Kontrolle; vor den Toren ging die «Schlacht» der rivalisierenden Fan-Gruppen noch lange weiter.
Nach einer gewissen Zeit hatte die Polizei die Situation im St.-Jakob-Park unter Kontrolle; vor den Toren ging die «Schlacht» der rivalisierenden Fan-Gruppen noch lange weiter.
Keystone
1 / 11

Für ein Trio junger Baselbieter hätte es ein feuchtfröhlicher Tag werden sollen – inklusive Titelfeier ihres FC Basel. Erwartungsfroh standen die drei Freunde an jenem 13. Mai 2006, der als schwarzer Tag in die Schweizer Sport-Annalen eingehen sollte, vor dem Basler St.-Jakob-Park und genehmigten sich ein weiteres von unzähligen Bierchen. Drinnen im Stadion lief die Nachspielzeit, der FCB war unterwegs zur Titelverteidigung, die drei jungen Erwachsenen zündeten ihren «Meisterstumpen» an und, wie sie am Montag vor Gericht preisgaben, ein paar verbotene Fackeln. Dann kam die 93. Spielminute – und alles anders: Mit dem Schlusspfiff erzielte der FC Zürich den Treffer zum 2:1-Auswärtssieg und luchste dem Heimteam den Titel ab.

Es folgten die wohl schwersten Krawalle im Schweizer Sport. «Zahlreiche, teilweise vermummte Zuschauer», so schreibt der Basler Staatsanwalt, seien aufs Spielfeld gestürmt. «Dort gingen sie mit vereinten Kräften auf Spieler und Funktionäre des FCZ los.»

«Kriegsähnliche Zustände»

Im und vor dem Stadion kam es zu wüsten Szenen. «Das waren kriegsähnliche Zustände», befand am Montag der Basler Einzelrichter. Er hat das Verhalten von 26 Personen aus der Region an jenem Abend zu beurteilen. Unbeteiligte Zuschauer, darunter Kinder, liefen Gefahr bei Ausschreitungen zwischen die Fronten zu geraten. Fackeln, Flaschen, Steine flogen gegen die Polizei. Die Bilanz: 115 Verletzte und hoher Sachschaden. Wie Dutzende, wenn nicht Hunderte andere war auch unser feuchtfröhliches Grüppchen zu Rowdys mutiert. Das Baselbieter Trio gab am Montag an, es habe als Ganzes 13,5 Liter Bier intus gehabt, als es anfing, Steine, Flaschen, Fackeln und Absperrgitter aus Metall durch die Gegend zu schleudern.

Am gestrigen ersten von neun Prozesstagen trabten keineswegs nur Krawallbrüder aus dem Bilderbuch an: Den Klischees am ehesten entsprach ein weiterer junger Erwachsener, den ein Szenekenner der «Jungen Garde» der berüchtigten Fangruppen «Bande Basel» und «Inferno» zuordnet. Der Angeklagte, der nichts mit diesen Gemeinschaften zu tun haben will, ist wegen Raufhandels und Rassendiskriminierung vorbestraft. Auch einer aus dem feuchtfröhlichen Trio ist vorbestraft – wegen Körperverletzung, Vergehen gegen das Waffengesetz und anderer Delikte. Er hat eine ausgedehnte Jugendheim-Karriere und mit knapp 20 Jahren bereits eine Scheidung hinter sich. Im Gegensatz zu ihm haben seine beiden Kollegen eine Lehre abgeschlossen und eine feste Stelle.

Aus dem Rahmen fällt ein 50-jähriger Familienvater. Bilder aus dem Stadion zeigen, wie er sich mit Zürcher Anhängern prügelt. Der Mann beteuerte, er habe nur einen angegriffenen Jugendlichen in Schutz genommen. Ebenfalls wenig Schuld auf sich geladen haben will ein «normales Mitglied» des «Dachverbands Muttenzerkurve». Der Mittzwanziger gab an, er sei nach dem Schlusspfiff aufs Spielfeld gerannt, um seine Freundin im «Familiensektor» vor Zürchern zu schützen. Unterwegs dorthin habe er auf dem Rasen noch mit dem FCB-Torwart ein paar Worte gewechselt. Völlig unerwartet habe er sich inmitten eines angriffigen Mobs wiedergefunden, erklärte er: «Für Gewalt im Stadion habe ich kein Verständnis.»

Angeklagt ist er – wie die 25 Übrigen – wegen Landfriedensbruch sowie qualifizierter Drohung und Gewalt gegen Behörden. Für ihn fordert die Staatsanwaltschaft die minimalste Geldstrafe: bedingte 90 Tagessätze. Die maximale Strafe soll von den sechs bisherigen Angeklagten einer aus dem Trio erhalten, dem auch versuchte Köperverletzung vorgeworfen wird: 220 Tagessätzen bedingt plus eine Busse.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch