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Für die Schweizerinnen geht es um alles oder nichts

Das Schweizer Frauen-Nationalteam steht an der EM mit dem Rücken zur Wand. Gegen die Isländerinnen muss eine riesige Steigerung her.

Nervös, plan- und mutlos: Trainerin Martina Voss-Tecklenburg verwendet nach der unerwarteten Niederlage deutliche Worte. (18. Juli 2017)
Nervös, plan- und mutlos: Trainerin Martina Voss-Tecklenburg verwendet nach der unerwarteten Niederlage deutliche Worte. (18. Juli 2017)
Salvatore Di Nolfi, Keystone
Enttäuscht: Die Schweizerinnen kommen beim EM-Auftakt in Deventer überhaupt nicht auf Touren und müssen sich den Nachbarn 0:1 geschlagen geben.
Enttäuscht: Die Schweizerinnen kommen beim EM-Auftakt in Deventer überhaupt nicht auf Touren und müssen sich den Nachbarn 0:1 geschlagen geben.
Salvatore di Nolfi, Keystone
Als nächstes steht am Samstag die Partie gegen Island an. Die Schweizerinnen müssen sich deutlich Steigerung.
Als nächstes steht am Samstag die Partie gegen Island an. Die Schweizerinnen müssen sich deutlich Steigerung.
Daniel Mihailescu, AFP
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Gegen Österreich war neben dem Resultat (0:1) vor allem die Leistung enttäuschend. In der nächsten Partie am Samstag gegen Island ist eine deutliche Steigerung zwingend.

Ihr Auftritt im Vorfeld der EM war selbstbewusst, ihre Anspruchshaltung forsch, ihre Zielsetzung klar: Das Erreichen der Viertelfinals war das von den Schweizerinnen herausgegebene Minimalziel. Sie wollten einen Schritt weitergehen als an der WM vor zwei Jahren, als sie in Kanada erstmals an einer Endrunde teilgenommen hatten. Jede Einzelne sammelte damals einmalige Erfahrungen fürs Leben, als Team holten sie sportlich aber nicht das Maximum heraus.

Grosses Interesse in der Öffentlichkeit

Hinzu kamen die Erfolge der letzten zwei Jahre. In der EM-Qualifikation blieb die SFV-Auswahl makellos, am mittelmässig besetzten Cyprus Cup folgte im März der erste Turniersieg auf internationaler Ebene. Optimisten sprachen sogar von der Schweiz als EM-Geheimfavoriten – eine Einschätzung, welche Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg allerdings nicht teilte.

Auch das Interesse der Öffentlichkeit war gross. Im Vergleich zum Turnier in Kanada ist das Medieninteresse noch einmal gestiegen. Verband, Trainer- und Spielerinnen wollen die Bühne der EM-Endrunde nützen, um aus der relativen Anonymität des Alltags auszubrechen und Werbung für ihre Sache zu machen. Dem Zufall wurde nichts überlassen, 14 Mitglieder zählt der Staff, der sich um die Mannschaft kümmert, die Spielerinnen residieren ausserhalb von Arnheim in einem mitten in der Natur gelegenen Ressort, das keine Wünsche offen lässt. Die Gegner wurden bis ins letzte Detail analysiert.

Dem Druck offenbar nicht gewachsen

96 Minuten in der niederländischen Kleinstadt Deventer gegen den Endrunden-Neuling Österreich reichten, um der Freude und der positiven Stimmung einen argen Dämpfer zu verleihen. Die Art und Weise, wie die Mannschaft auftrat, war enttäuschend. Mit nervös, katastrophal, plan- und mutlos beschrieben die Beteiligten den vor allem in der ersten Halbzeit peniblen Auftritt. Die WM-Erfahrung vor zwei Jahren wollte die SFV-Auswahl zu ihren Gunsten nutzen. Der vermeintliche Vorteil stellte sich als Nachteil heraus. Die Schweizerinnen waren dem Druck des Favoriten nicht gewachsen, was sich in einem nervösen Auftritt widerspiegelte.

Der schwache Auftakt ins Turnier alleine auf die Nervosität zurückzuführen, wäre allerdings zu einfach. Bereits der desolate Auftritt im letzten offiziellen Testspiel Anfang Juni gegen England (0:4) hätte trotz einiger Abwesender Warnung genug sein müssen. Auch damals fanden die Schweizerinnen keine Lösungen im Spielaufbau und brachten sich mit Ballverlusten in der Spielauslösung mehrmals in Not.

Die Leistungsträgerinnen sind gefordert

Voss-Tecklenburg sprach nach der Partie gegen Österreich Klartext: «Wir haben auf allen Positionen nicht das gezeigt, was es gebraucht hätte, um gegen einen solchen Gegner zu bestehen.» Ob die Rekordnationalspielerinnen Martina Moser und Captain Caroline Abbé, Lara Dickenmann, die erfolgreichste Schweizer Fussballerin, Lia Wälti, Ramona Bachmann oder Ana-Maria Crnogorcevic, sie alle agierten fehlerhaft und waren nicht im Stande, das Spiel zu ordnen und an sich zu reissen.

Gerade sie sind nun gegen Island gefordert. Sie müssen beweisen, dass die Mannschaft seit Kanada tatsächlich einen Schritt nach vorne getan hat. Gefordert ist aber auch die Trainerin. Die eine oder andere Änderung in der Aufstellung ist zu erwarten, allein schon durch den Ausfall der gesperrten Innenverteidigerin Rahel Kiwic. Die grössere Breite im Kader war einer der im Vorfeld genannten Pluspunkte im Vergleich zur WM 2015.

Noch bleibt den Schweizerinnen eine Chance, um den schwachen ersten Eindruck zu korrigieren und sich zu rehabilitieren. Gegen Island geht es am Samstag allerdings bereits um alles oder nichts. Schaffen es die SFV-Frauen nicht, sich massiv zu steigern, droht ihr Traum von den Viertelfinals bereits vor dem letzten Vorrundenspiel gegen Frankreich zu platzen.

SDA/fal

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