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Fit mit Fryand

Heute reist YB zum Europa-League-Spiel nach Belgrad. Es wird bereits die 27. Partie in dieser Vorrunde sein. Die hohe Belastung der Spieler ist eine Herausforderung für Martin Fryand.

Martin Fryand bei der Trainingsvorbereitung. «Wir sind physisch gut unterwegs», sagt der YB-Konditionstrainer.
Martin Fryand bei der Trainingsvorbereitung. «Wir sind physisch gut unterwegs», sagt der YB-Konditionstrainer.
Adrian Moser

33 Pflichtspiele werden in ihrer Statistik stehen, wenn YB am 17. Dezember nach der Partie in Luzern in die Winterpause geht. Erst einmal, in der Saison 2012/13, haben die Berner im Herbst das gleiche Pensum bewältigen müssen. Zum Vergleich: Kein anderer Schweizer Verein wird es heuer auch nur auf 30 Ernstkämpfe bringen (siehe Statistik unten). Und selbst ein europäischer Spitzenclub wie Bayern München kommt in dieser ersten Saisonhälfte bloss auf 26 Partien in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League.

33 Spiele seien für YB zwar am oberen Limit, urteilt Martin Fryand, «aber immer noch vertretbar». Die Länderspielpausen zwischen den vier Belastungsphasen würden den Spielern immer wieder Erholung ermöglichen. Und am Jahresende gebe es in der Schweiz ja dann eine längere Pause als in grossen Ligen wie beispielsweise in England.

Der 45-jährige frühere YB-Spieler muss es wissen. Seit 2008 für die Fitness der Berner Profimannschaft zuständig, hat er «schon einige Jahre» mit dieser Doppel- oder Dreifachbelastung in der ersten Saisonhälfte erlebt. «Und dabei viel gelernt», wie der gebürtige Walliser mit einem Schmunzeln ergänzt. Nicht immer haben die Young Boys diese Belastung so gut weggesteckt wie in der laufenden Vorrunde. Es gab mehrere Saisons, in denen sich die Mannschaft mit zahlreichen Verletzten förmlich durchs lange Herbstpensum schleppte, oft nicht frisch wirkte – weder körperlich noch mental – und als Folge davon jeweils früh alle sportlichen Ziele abschreiben musste.

Fryand streitet nicht ab, dass man früher einiges anders gemacht, mittlerweile aber sehr viele Erkenntnisse gewonnen habe. Ob ein Spieler in einer bestimmten Saisonphase forciert werde oder nicht, sei allerdings häufig eine «Gratwanderung». Da würden sportliche Ambitionen mitspielen, Engpässe im Kader, die Spielposition, aber auch die sehr unterschiedlichen physischen Konstitutionen der einzelnen Spieler.

Mehr in Prävention investiert

Aktuell geben die Young Boys ein besseres, ein frischeres Bild ab. «2017», hält Fryand erfreut fest, «sind wir gut unterwegs und haben vor allem im muskulären Bereich kaum Verletzte.» Die längerfristigen Ausfälle seien fast ausschliesslich die Folge von Unfällen oder Schlägen, wie sie im Fussball immer wieder vorkommen. «Wir legen inzwischen viel Wert auf die Prävention, das zahlt sich aus», sagt der YB-Konditionstrainer, der sich selber lieber als «Athletiktrainer» bezeichnet. Der Bereich Kondition sei sehr umfassend, erklärt er und zählt deshalb auch Reha-Trainer Stephan Flückiger sowie die Chiropraktiker und Physiotherapeuten des Clubs dazu. Bei YB, sagt Fryand, arbeite man heute «noch sensibilisierter, noch individueller und gezielter mit den Spielern». Und zwar vor, während und nach dem Training. Mit Übungen für die muskuläre Entspannung, für die Beweglichkeit, für den Rumpfbereich.

Die Basis für die konditionelle Arbeit liefern die GPS-Daten, die in jedem Training und bei jedem Spiel erhoben werden. Jeder Spieler trägt eine Weste mit eingebautem Sender, der vielfältigstes Datenmaterial liefert. «Damit erhalten wir alle Anhaltspunkte, die wir von den Spielern benötigen», erklärt Fryand.

Diese Daten sind Bausteine für die Trainingsgestaltung im Ausdauer-, Schnelligkeits- und reaktiven Bereich. Sie dienen der Kontrolle («das wollten wir trainieren, und das haben wir erreicht»), zeigen den Spielern dokumentiert auf, wo sie noch Defizite haben, und helfen auch mit, falsche Belastungen zu erkennen. Diese Datenflut hat jedoch auch Nachteile, weil sie viel Aufwand verursacht. Für Fryand hat deshalb die Effizienz oberste Priorität. «Wir konzentrieren uns auf jene Aspekte, die für uns wichtig sind», sagt er, «und ziehen nur die relevanten Informationen heraus.»

Die Young Boys verzichten – im Gegensatz zu anderen Clubs – auf einen spezifischen Leistungsdiagnostiker. Adi Hütter habe es in seiner Zeit bei Salzburg erlebt, als alle möglichen Daten erhoben und analysiert worden seien. Das könne zwar zusätzliche Erkenntnisse bringen. «Die Gefahr ist jedoch gross, dass ein Trainer mit vielen unwichtigen Informationen eingedeckt wird», ist Fryand überzeugt.

Bei YB scheint man das richtige Mass wie auch die relevanten Daten gefunden zu haben. Der Cheftrainer ist zufrieden mit dem physischen Zustand seiner Spieler. «Wir haben die Belastung der einzelnen Spieler gut im Griff», bestätigte Adi Hütter unlängst vor dem Spitzenspiel in Basel. Für Fryand ist gerade der permanente Austausch mit dem Haupttrainer ein zentraler Aspekt seiner Arbeit: «Es ist wichtig zu verstehen, welchen Fussball er die Mannschaft spielen lassen will, damit wir die Belastung gezielt steuern können.»

«Assalé ist unglaublich»

Das ist bei einem grossen Kader, wie es YB hat, eine besondere Herausforderung. Da gibt es Spieler wie Marco Bürki (5 Einsätze), Sven Joss (5) oder Gregory Wüthrich (6), die erst wenig Spielpraxis erhalten haben, während andere ein enormes Pensum absolvieren. Wie beispielsweise Neuling Christian Fassnacht, der bisher als einziger in jedem der 26 Pflichtspiele zum Einsatz gekommen ist. Oder wie Roger Assalé, der es bereits auf 25 Spiele bringt, während der internationalen Pausen Anfang September, Oktober und November aber jeweils noch nach Afrika reiste, um mit der Elfenbeinküste die WM-Qualifikation zu bestreiten.

«Er ist unglaublich», schwärmt Fryand vom wirbligen Stürmer. «Wie schnell er sich erholt, wie durchtrainiert und zäh er ist, das sieht man eher selten.» Das sei aber nur möglich, wenn man, wie es Assalé tue, auch neben dem Platz bezüglich Erholung und Ernährung alles auf den Fussball ausrichte.

Die unterschiedlichen Belastungen der Spieler sind nicht unproblematisch. Bei den einen gilt es, im Training zu dosieren, bei den anderen zu forcieren, um bei den Spielen «möglichst alle wieder bei 100 Prozent Leistungsvermögen zu haben», gibt Fryand zu bedenken. «Kommt hinzu, dass es gerade für jene, die erst wenig gespielt haben, auch mental schwierig ist, mit dieser Situation umzugehen».

Diese Spieler seien verständlicherweise nicht immer in einer «Judihui-Stimmung». Nur spezifisch die Kondition zu trainieren, sei nicht das richtige Rezept, um diese Akteure physisch auf dem Stand der anderen zu halten. Deshalb werde versucht, oft mit Spielformen fussballnah zu arbeiten. Fryand glaubt, dass dieser Spagat bisher gut gelungen ist: «Wenn diese Spieler bisher zum Einsatz gekommen sind, haben sie ihre Sache gut gemacht.»

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