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Fasse dich Kurz

Fussballgott-Grädel kennt das Problem mit der sinkenden Aufmerksamkeitsspanne - und hat Tipps für die NZZ.

Wenn sich ein Kolumnist der NZZ Sorgen um die Konzentrationsfähigkeit von Christoph Spycher macht, dann lässt das auch bei Grädel die Alarmglocke läuten. Die alte Tante ist schliesslich eine Instanz in der Medienlandschaft, und selbst der Sportteil ist dort irgendwie seriöser, ja, fast staatstragend. Der Sportchef von YB hat in einem Interview mit dem Fussballmagazin «Zwölf» erklärt, dass er sich nur noch ganz spezielle Champions-League-Spiele in voller Länge anschaue, normalerweise müsse es die Zusammenfassung tun. Daraus wird in der NZZ geschlussfolgert, dass YB keine ganze Saison konzentriert durchspielen könne, so wie auch «Wuschu» sich keine ganzen 90 Minuten auf einen Match konzentrieren könne: «Aber YB verweigert sich den leisen, zarten Gegebenheiten eines Spiels oder einer Saison. Den Zwischentönen oder Feinheiten, die so bedeutsam sind – und die schönen Momente mit den schlimmen verbinden.»

Nun würde Grädel sagen, dass der BSC YB in Sachen Musikgehör die Messlatte im Schweizer Fussball ist, auch wenn die grösste musikalische Instanz gerade verletzt ist und dies auch in Phasen war, als die Momente eher schlimm denn schön waren. Ein Fussballspiel lässt sich in etwa vier bis fünf Minuten zusammenfassen, dauert also nur wenig länger als ein Lied am Radio. Der in Grädels Ohren allerperfekteste Popsong aller Zeiten geht übrigens bloss knapp über zweieinhalb Minuten. Welcher? «Wouldn’t It Be Nice» von den Beach Boys, zu finden auf «Pet Sounds».

Die sinkende Aufmerksamkeitsspanne, sie ist wirklich ein Problem der Generation 2.0, es lässt sich nicht wegdiskutieren. Inzwischen könne sich ein durchschnittlicher Mensch noch acht Sekunden voll konzentrieren, ein Goldfisch aber neun, liest man in Studien. Vor dem letzten Nato-Gipfel sei den Rednern empfohlen worden, ihre Reden nicht länger als vier Minuten zu halten. Der konzentrationsmässig etwas herausgeforderte Führer der freien Welt höre sonst einfach nicht mehr zu. Aber neunzig Minuten nicht besondere Champions League, das tut sich auch Grädel schon lange nicht mehr an. Neunzig Minuten Basel gegen Ludogorets Razgrad, kein Leckerbissen.

In der Zeit kann man sich «Pet Sounds» fast drei Mal anhören und in den kurzen, aber meisterhaften Songs auf immer wieder neue Feinheiten und Zwischentöne stossen. Aber wenn die bei der NZZ lieber Schachtjor gegen Gent schauen, dann sollen sie halt.

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