Fanskandal verhindert «Jahrhundertspiel»

Tränengas-Attacke, verletzte Spieler und Drohungen des Fussballverbandes: Der südamerikanische Champions-League-Final zwischen River Plate und Boca Juniors versinkt im Chaos.

Der Bus der Boca Juniors wurde in Buenos Aires von Fans des Erzrivalen River Plate angegriffen. Die Teams sollten am Samstagabend das Final-Rückspiel der Copa Libertadores austragen. (Video: Tamedia)

Es ist das wichtigste Spiel in der Geschichte des südamerikanischen Fussballs. Im Final der Copa Libertadores, dem Pendant zur Champions League, sollten am Samstagabend River Plate und Boca Juniors aufeinandertreffen. Nicht nur für Argentinier gilt dieses Duell als das vielleicht wichtigste Spiel des Jahrhunderts. Die beiden Traditionsteams aus Buenos Aires sind verfeindet, die Vergangenheit ist geprägt von gegenseitiger Fangewalt. Nun ist die Geschichte um ein trauriges Kapitel reicher. Es ist eines der grössten Skandale in der Fussballhistorie.

Fans von River Plate hatten am den Teambus von Boca Juniors auf der Anfahrt zum Monumental-Stadion von River mit Steinen und Gegenständen aus Holz beworfen. Dabei sollen mehrere Spieler derart verletzt worden sein, dass sie nicht mehr einsatzfähig waren. Zu den betroffenen Akteuren gehörten auch die in Europa bekannten Routiniers Carlos Tevez und Mauro Zarate. Captain Pablo Perez und ein weiterer Spieler wurden ins Spital eingeliefert. Medienberichten zufolge wurde sogar die Ambulanz auf dem Weg ins Krankenhaus von rivalisierten Fans attackiert. Tevez schimpfte, dass der Verband sie zunächst zwingen wollte, zu spielen. Wohl deshalb, weil ein Verbandsarzt der Meinung gewesen sei, dass «die Verletzungen der Spieler nur äusserlicher Natur sind und es keinen Grund gibt, nicht anzutreten».

Wie Videos in den sozialen Medien zeigen, mussten sich Spieler der Boca Juniors nach den Angriffen in der Kabine übergeben, anderen tränten die Augen.

Der Anpfiff des Final-Rückspiels der Copa Libertadores verzögerte sich. Zuerst gab der südamerikanische Fussballverband Conmebol bekannt, dass die Partie eine Stunde später (um 22 Uhr MEZ) angepfiffen wird. Danach schob er die Partie auf 23:15 und nach weiteren Gesprächen mit den beiden Vereinspräsidenten wurde entschieden, die Partie um 24 Stunden auf Sonntag 21 Uhr Schweizer Zeit zu verlegen. Beide Vereine einigten sich auf die neue Anspielzeit. Mittlerweile ist jedoch unklar, ob Boca Juniors wirklich zum Spiel antreten will. Argentinischen Medienberichten zufolge über prüft der Verein die Möglichkeit eines Forfait-Sieges.

Der Verbandspräsident des südamerikanischen Fussballverbands Alejandro Dominguez sagte zu den Vorfällen in Buenos Aires: «Das sind Menschen mit Familien. Das ist kein Krieg.»

Videos auf Twitter zeigen den Bus nach dem Angriff.

River Plate und Boca Juniors stehen sich erstmals im Final der Copa Libertadores gegenüber. Das Hinspiel vor zwei Wochen im Stadion der Boca Juniors endete 2:2. Auch dieses Spiel hatte um einen Tag verschoben werden müssen. Damals allerdings wegen sintflutartiger Regenfälle in der Hauptstadt Argentiniens.

tzi/sda

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