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Europarat fordert WM-Entzug für Katar

Die Vergabe der Fussball-WM an Katar sei «zutiefst illegal» gewesen, sagt der zuständige Ausschuss des Europarats. Die Fifa solle den Austragungsort neu bestimmen.

Die Vergabe der WM an Katar sei Ergebnis eines Prozesses mit «extrem dubiosen Praktiken»: Fifa-Präsident Sepp Blatter und Sheikh Hamad bin Khalifa Al Thani nach der Ankündigung, Katar werde die Fussball-WM 2022 austragen. (02.12.2010)
Die Vergabe der WM an Katar sei Ergebnis eines Prozesses mit «extrem dubiosen Praktiken»: Fifa-Präsident Sepp Blatter und Sheikh Hamad bin Khalifa Al Thani nach der Ankündigung, Katar werde die Fussball-WM 2022 austragen. (02.12.2010)
Walter Bieri, Keystone

Ein Ausschuss des Europarats hat den Weltfussballverband Fifa aufgefordert, dem Emirat Katar wegen der Korruptionsaffäre die Austragung der Weltmeisterschaft im Jahr 2022 zu entziehen. Der Vergabeprozess an das Emirat sei «zutiefst illegal» gewesen.

Das stellte die zuständige Kommission der Parlamentarierversammlung des Europarats am Dienstag in einer Entschliessung fest. Nach den Enthüllungen über diese «völlig vergiftete Entscheidung» komme die Fifa nicht darum herum, erneut über den Austragungsort abzustimmen.

Die Abgeordneten bedauerten zugleich, dass der Untersuchungsbericht des Ethikkomitees der Fifa über die WM-Vergabe an Katar, der «extrem dubiose Praktiken» zutage gebracht habe, nicht vollständig veröffentlicht worden sei. Zugleich bemängelten sie, der Verband habe die Vergabe an Katar trotz dieser Untersuchung «ohne weiteres» bestätigt.

Vorwurf der Vertuschung

Dieses Vorgehen sei eine «Farce» und ein Versuch, die «Affäre zu ersticken», kritisierte der Verfasser der Entschliessung, der britische Labour-Abgeordnete Michael Connarty. Connarty hat nach eigenen Angaben Einsicht in Dokumente erhalten, die von der britischen Zeitung «Sunday Times» auszugsweise veröffentlicht worden waren.

Diese Dokumente belegen nach Angaben des Briten, dass der schwerreiche Katarer und frühere Fussballfunktionär Mohamed bin Hammam grosse Summen an Schmiergeldern gezahlt hatte, um die Unterstützung afrikanischer Fussballverbände für sein Land zu erkaufen. Die «Sunday Times», die nach eigenen Angaben mehrere Millionen E-Mails aus dem Umfeld bin Hammams besitzt, sprach von Bestechungsgeldern in Höhe von 3,7 Millionen Euro.

Die Behauptung, das Emirat könne nicht direkt für die Praktiken bin Hammams verantwortlich gemacht werden, reiche nicht aus, um eine so sehr «von Illegalität behaftete Prozedur» zu bestätigen, heisst es in der Europarats-Entschliessung.

Arbeitsbedingungen wiederholt kritisiert

Darin wird Katar zugleich aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die Grundrechte ausländischer Arbeitsmigranten eingehalten werden. Die Arbeitsbedingungen, unter denen die für Bauarbeiten für die WM angeheuerten Migranten beschäftigt werden, wurden wiederholt international kritisiert.

Die Entschliessung wird nun dem Plenum der Versammlung vorgelegt, die darüber voraussichtlich während ihrer Frühjahrssitzung im April abstimmen wird. Sie ist rechtlich nicht bindend, soll jedoch den Druck auf die Fifa verstärken.

Einem Sprecher des Europarats zufolge wurde Fifa-Präsident Joseph Blatter eingeladen, an der Debatte im Plenum teilzunehmen. In der Versammlung wird damit gerechnet, dass der Schweizer, der sich bei der nächsten Wahl des Fifa-Präsidenten Ende Mai um eine fünfte Amtszeit bewerben will, der Einladung folgt.

Strafanzeige erstattet

Die umstrittene WM-Vergabe an Katar hatte die Fifa zuletzt immer mehr in Bedrängnis gebracht. Blatter zeigt sich bisher jedoch unnachgiebig. Erst im Dezember erklärte er, damit Katar die Austragung entzogen werde, müsse «wirklich ein Erdbeben stattfinden».

Zuvor hatte er in der Schweiz allerdings Strafanzeige erstattet. Es gehe um «mögliches Fehlverhalten von Einzelpersonen» und den Verdacht der «Verschiebungen von Vermögenswerten», teilte die Fifa im November mit. Sie reagierte damit auf den Bericht ihres Chefermittlers Michael Garcia zur Vergabe der Weltmeisterschaften an Russland 2018 und Katar 2022.

SDA/rsz

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