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Es muss Liebe sein

Bastian Schweinsteiger verliess Manchester United als Gescheiterter. In Chicago feiert er seine Auferstehung.

Bastian Schweinsteiger (Mitte) erlöst Chicago aus der mehrjährigen Erfolglosigkeit.
Bastian Schweinsteiger (Mitte) erlöst Chicago aus der mehrjährigen Erfolglosigkeit.
Keystone

Sportclubs in Amerika definieren sich gerne über ihren Beinamen. Die einen fühlen sich als Krieger, weil sie sich Warriors nennen. Die anderen wähnen sich in der Rolle der Hünen, da sie Giants heissen.

Dumm nur, wenn diese definierte Identität zu stark mit der sportlichen kontrastiert. Noch schlimmer, wenn dieser Beiname gar zu Verunglimpfungen einlädt. Wie etwa seit Jahren in Chicago.

Der Fussballclub dort nennt sich Fire. Dieses Feuer war in den letzten Jahren immer da. Nicht im Spiel, sondern unter dem Clubdach.

In den vergangenen zwei Jahren belegte der Verein jeweils den letzten Platz, fünf Jahre ist die letzte Playoff-Qualifikation schon her. Tristesse pur. Die Beziehung zwischen der Stadt und dem sowieso nicht favorisierten Fussball litt. Dann kam der 21. März 2017. Der Tag der Wende.

Niemand lacht mehr über Chicago

Dem Club gelang es, Bastian Schweinsteiger von Manchester nach Chicago zu lotsen. Ein grosser Spieler, der 18 Monate lang bei der United nicht beweisen konnte, wie gross er wirklich ist. Er spielte kaum.

Der Deutsche kam, weil Fire-Trainer Veljko Paunovic ihm das gab, was er unter José Mourinho nie gespürt hatte: das Gefühl, gebraucht zu werden. Wie sehr ihn dieses Gefühl beflügelte, offenbarte sich in den darauffolgenden Wochen.

Schweinsteiger übernahm die Chefrolle, festigte die Defensive und orchestrierte die Vorstösse. Kurzum: Es passte. Ist Schweinsteiger gut drauf, ist Chicago gut drauf. Und weil die formidable Form des Deutschen bis heute anhält, der brasilianische Spielmacher Juninho als Captain ansprechend führt und Stürmer Nemanja Nikolics regelmässig trifft, ist Chicago in der Eastern Conference plötzlich Tabellenführer.

Toronto folgt zwar auf Schritt und Tritt, aber eben: Die Metamorphose ist erstaunlich. «Niemand lacht mehr über Fire», titelte die «Chicago Tribune» jüngst.

Das Lächeln ist zurück

Natürlich hängt die Auferstehung Chicagos eng mit jener von Schweinsteiger zusammen. Ihm aber ist es wichtig, nicht als Egomane verstanden zu werden. «Ich will mich ja nicht aufspielen wie ein deutscher Besserwisser», sagte er vor kurzem der «Zeit».

Schweinsteiger kommt an. Bei den Fans, unter denen das Trikot mit der 31 längst als Must-have gilt. Bei den Mitspielern, die ihn als grosse, mannschaftsdienliche Persönlichkeit beschreiben. Und beim Trainer, der, sobald er Schweinsteigers Namen hört, zur Laudatio ansetzt. Seine Einstellung, sein Einsatz, seine Erfahrung, sein Erfolgshunger, sein Einfluss aufs Spiel – alles wunderbar. Schweinsteiger und Chicago, es muss Liebe sein.

Nach Monaten der Selbstzweifel ist das spitzbübische Lächeln des Bayern zurück. Er will nach wie vor die Meisterschaft gewinnen. Vor wenigen Wochen wurde das noch als Unüberlegtheit gewertet. Heute nicht mehr.

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