«Erscheint der Heilige Geist, schwenken sie den Weihrauch»

Die Bayern demontieren die Konkurrenz. Und diese bedankt sich im Kriechgang auch noch artig dafür. Eine deutsche TV-Moderatorenlegende ist fassungslos.

Bayerns Startrainer Pep Guardiola und sein Team dominieren die Bundesliga.

Bayerns Startrainer Pep Guardiola und sein Team dominieren die Bundesliga.

(Bild: Keystone)

Thomas Niggl@tagesanzeiger

Eigentlich hätte man meinen können, dass der deutsche Rekordmeister ohne die Weltstars Franck Ribéry, Arjen Robben, Xabi Alonso und Manuel Neuer weniger gefährlich ist. Weit gefehlt. Denn die Bayern liessen in Bremen beim 4:0-Sieg dem Gegner auch mit einer B-Elf nicht den Hauch einer Chance.

Und Bremens Trainer Viktor Skripnik sagte nach dem Spiel allen Ernstes: «Ich bin stolz auf dieses 0:4. Diese Niederlage nehmen wir gerne mit. Im Hinspiel war es schliesslich sogar 6:0.» Der ehemalige Bayernstar Thomas Helmer schüttelte als Sport 1-Experte im deutschen Doppelpass ob dieser Aussage nur den Kopf: «Bei 0:4 wäre ich nicht mehr zur Pressekonferenz gegangen, so hätte ich mich geschämt.»

Zuvor waren schon andere Unterlegene vor den Bayern in Ehrfurcht erstarrt und bedankten sich auch noch bei den Münchnern.

►Dietmar Beiersdorfer, Vorstandsvorsitzender des HSV, sagte nach der 0:8-Niederlage in München. «Robben allein war das Eintrittsgeld wert. Als er ausgewechselt wurde, habe ich überlegt, ob ich klatschen soll – und habs gemacht.»

► Auch Paderborns Trainer André Breitenreiter machte nach der 0:6-Demontage durch die Bayern im eigenen Stadion auf Demut. «Ich bedanke mich für das tolle Erlebnis. Wir haben gegen die weltbeste Mannschaft gespielt und gegen den weltbesten Trainer.»

► Auch Frankfurts Trainer Thomas Schaaf hatte im November nach dem 0:4 gegen die Bayern einen Hofknicks gemacht: «Es war ein Vergnügen, gegen die vielleicht beste Mannschaft der Welt zu spielen.»

Wenigstens gibt Werders Manager Thomas Eichin etwas Gegensteuer: «Gegen Bayern hast du zukünftig nur eine Chance, wenn du 90 Minuten lang die Ehrfurcht ablegst. Das gilt für Spieler, Schiedsrichter und Fans.» Sein Trainer und die Spieler befolgten diesen weisen Rat am Samstag im Heimspiel gegen die Bayern allerdings nicht.

Überhaupt kein Verständnis für den Kriechgang vor den Bayern hat die deutsche TV-Moderatorenlegende Waldemar Hartmann, heute auch Kolumnist der «Südostschweiz». Aus dem Kampfsport Fussball sei in Deutschland bei Spielen mit dem FC Bayern München mittlerweile eine heilige Messe geworden.

«Wenn der Heilige Geist in Form der Bayern erscheint, schwenken sie wie beim hohen Amt den Weihrauchkessel», drückt es der in Chur wohnende Hartmann plakativ aus. Bei den Gegnern der Bayern in der Bundesliga könne man längst nicht mehr von ernsthaften Konkurrenten sprechen. «Die ergeben sich ja kampflos ihrem Schicksal. Und nach Niederlagen bedanken sie sich auch noch dafür, dass das Ergebnis nicht noch peinlicher aus gefallen ist.»

DerBund.ch/Newsnet

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