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Er tänzelt wieder

Vor nicht allzu langer Zeit war Marvin Spielmann mit dem FC Wil am Boden, nun zaubert er bei Thun. Auch heute gegen die Grasshoppers?

Es dauerte lange, aber Marvin Spielmanns Selbstvertrauen ist zurück.
Es dauerte lange, aber Marvin Spielmanns Selbstvertrauen ist zurück.
Keystone

Es ist eine Szene mit Symbolcharakter. In der IGP-Arena in Wil läuft die 38. Minute. Es ist Cup-Tag, der FC Thun ist zu Gast. Stürmer Marvin Spielmann liefert sich an der Strafraumgrenze einen Dreikampf. Er gegen zwei Ostschweizer. Der 21-Jährige hat den Ball. Er schirmt ihn ab. Wartet einen Augenblick. Dann tanzt er sich frei, den Ball eng am Fuss. Kurze Orientierung. Ein satter Schuss. Tor. Thun führt 2:0. Marvin Spielmann hat getroffen. Schon wieder.

Viel wichtiger aber ist, wo ihm an diesem Samstag sein siebtes Tor im neunten Saisonspiel gelingt: in Wil. Dort, wo er vor nicht allzu langer Zeit noch angestellt war und für vieles stand, nur nicht für Tanz und Tore.

Kopfverdreher aus der Türkei

Es war im Januar 2016, ein Engagement in der Super League war für Spielmann noch ziemlich weit weg. Er spielte in ­Aarau, war als talentierter Zögling des Team Aargau eine Rarität und deshalb ziemlich gut beleumdet. 17 Matches hatte er bis dahin in der Challenge League mitgemacht. Noch in einer Nebenrolle. Drei Tore und ebenso viele Assists in dieser Zeit reichten dem FC Wil jedoch, um in Aarau eine generöse Offerte zu deponieren. Die türkischen Investoren verdrehten Club und Spieler den Kopf. Spielmann wechselte und bestätigte in den Augen vieler das Klischee des habgierigen Fussballers. Er bestritt das stets, verwies stattdessen auf die Vision des Clubs, baldmöglichst eine tragende Rolle im Schweizer Fussball einnehmen zu wollen.

Glücklich wurden weder Spielmann noch der FC Wil. Der Spieler war im Team nie mehr als ein beliebiger Teilzeitarbeiter, und der Club drohte im vergangenen Februar im Amateurfussball zu verschwinden, nachdem die türkischen Investoren über Nacht den Geldhahn zugedreht hatten.

Der FC Thun bot Spielmann die Chance zum Neuanfang – und ein deutlich tieferes Gehalt. Über seine Zeit in der Ostschweiz sprach er kaum noch. Nur eines schien klar: Sie hatte an seinem Selbstvertrauen genagt.

Für einen Fussballer wie Spielmann, der vom Selbstvertrauen lebt, war das denkbar ungünstig. «Er muss spüren, dass der Club auf ihn zählt. Das ist ihm viel wert», sagt Thun-Captain Nicolas Bürgy über seinen Teamkollegen. Elfmal lief Spielmann bis zum Sommer für die Berner Oberländer auf. Er blieb ohne Treffer. Seine beeindruckende Schnelligkeit, die Sportchef Andres Gerber am Tag der Verpflichtung herausgehoben hatte, deutete Spielmann höchstens an. Mehr nicht.

Schon die Entdeckung der Saison

Der Zuspruch im Verein riss jedoch nicht ab. Und so kam er doch: der Tag der Zündung. Nach drei Niederlagen zum Saisonauftakt gewann Thun überraschend das Derby gegen die Young Boys. Nicht knapp, sondern 4:0. Spielmann hatte zwei Tore beigesteuert. Es war der Abend, an dem der Oltner seine Leichtigkeit wiederfand. Plötzlich erkannte man in ihm wieder diesen eleganten ­Jungen mit den schnellen Beinen und den feinen Füssen.

Knapp anderthalb Monate ist das nun her. Spielmann hat seither nichts von seinem Zauber eingebüsst. Seine Dribblings sind ästhetisch, und die Tore fallen auf allerlei erdenkliche Art. Als Entdeckung der Saison wird er schon geadelt. In Thun befriedigt vor allem die Erkenntnis, eine Trouvaille gefunden zu haben. Innert weniger Monate vom gestrandeten Talent zum Spektakelspieler. Die Metamorphose ist bemerkenswert. Und gründe vor allem auf dem ruhigen Clubumfeld, glaubt Captain Bürgy.

Spielmanns bisher grösste Schwäche war die Konstanz. «Mal war er brillant, mal nahm man ihn auf dem Rasen kaum wahr», erinnert sich Sandro Burki, sein ehemaliger Mitspieler in Aarau. Gegenwärtig widerlegt Spielmann den Ruf des Inkonstanten eindrücklich.

Längst weiss auch die Konkurrenz um seine Begabung. GC, der Gegner von heute, wird seinen Entfaltungsspielraum zu minimieren versuchen. Einem guten Tänzer sollte wenig Platz aber keine Sorgen ­bereiten.

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