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Er liess schon Ronaldo verzweifeln

Jeffrén stürmte regelmässig beim FC Barcelona. Nun ist der Südamerikaner bei GC – und will sich beweisen.

Auch auf der kleinen Bühne des Schweizer Fussballs soll der ehemalige Barcelona-Spieler Jeffrén Verantwortung übernehmen.
Auch auf der kleinen Bühne des Schweizer Fussballs soll der ehemalige Barcelona-Spieler Jeffrén Verantwortung übernehmen.
Michele Limina

Cristiano Ronaldo steht wie versteinert im Mittelkreis. Sein Trainer José Mourinho überlegt am Spielfeldrand, wie er diese heftige Niederlage mit fünf Toren Unterschied erklären soll. Diese Ohrfeige. Im Clásico. Im Camp Nou. Und erst noch gegen Pep Guardiola.

Wenige Meter entfernt hat sich eine Menschentraube gebildet. Spieler und Staff des FC Barcelona tanzen, Piqué streckt höhnisch fünf Finger in die Luft, die Zuschauer erwidern die Geste zehntausendfach. An den Fernsehgeräten weltweit reiben sich an diesem 29. November 2010 geschätzte 400 Millionen Fans die Augen. Mittendrin im Trubel ist Jeffrén, der Stürmer, der kurz nach seiner Einwechslung diesen für Real so erniedrigenden Schlusspunkt setzte. Er vollendete die Hereingabe von Krkic, an der Iniesta vorbeigerutscht war.

Der neue Thierry Henry

«Dieser Abend war einer der Höhepunkte meiner Zeit bei Barcelona», sagt Jeffrén Isaac Suárez Bermúdez und lacht verschmitzt. Er fügt aber an: «Das ist Vergangenheit, jetzt bin ich hier bei den Grasshoppers.» Gut gelaunt und mit ­lateinamerikanischer Verspätung ist er zum Termin nach dem Training gekommen. Seit einigen Tagen weilt er in ­Zürich, «ich brauche sicher etwas Angewöhnungszeit, gerade, weil in den Trainings viel Deutsch gesprochen wird». Mit Carlos Bernegger kann er sich aber auf Spanisch unterhalten, einer der Hauptgründe, weshalb er sich für GC entschied: «Der andere ist, dass der Club mir viel Vertrauen entgegenbrachte und mich unbedingt wollte.»

«Confianza». Das Wort fällt immer wieder, und rasch wird klar, dass ihm dieser weiche Faktor zuletzt häufig fehlte. Sporting Lissabon hiess seine erste Station nach Barcelona, glücklich wurde er in Portugal ebenso wenig wie danach bei Valladolid in Spanien und Eupen in Belgien. 5 Millionen betrug sein Marktwert in seiner Blütezeit, Barcelona definierte einst bei seiner Vertragsverlängerung sogar eine Ausstiegsklausel von 10 Millionen Euro. 23 war er da, einzelne Medien sahen in ihm den neuen Thierry Henry. Celtic Glasgow wollte ihn, später munkelte man vom ­Interesse Liverpools als Nachfolger von Luis Suárez.

Die Zukunft schien rosig, den Durchbruch bei den Katalanen schaffte er aber nie ganz: «Es war schwierig, da waren die besten Spieler der Welt vereint. Ich musste mir jede Einsatzminute erkämpfen.» Einmal stand er in der Startformation neben Krkic und Messi, dann neben Henry und Ibrahimovic. Oft genug aber musste er diesen Koryphäen von der ­Ersatzbank aus zuschauen.

Mit 16 in die Barça-Akademie

Als Einjähriger war er mit seiner Familie aus Venezuela nach Teneriffa gekommen, mit 16 wurden die Späher des FC Barcelona auf den schnellen und beidfüssig starken Spieler aufmerksam, fortan spielte er sich clubintern hoch. Von der Akademie schaffte er den Sprung in die zweite Mannschaft, dort hiess sein Trainer Guardiola. Eine schöne Zeit, sagt er, wenn auch mit ­gnadenlosem Konkurrenzkampf. «Alle haben den Traum, nur eine Handvoll Spieler schafft es aber nach oben.»

Zwei Jahre war er auf dem Weg, diese vielleicht grösste Herausforderung im Fussball zu bestehen. Dann verpasste er doch noch den Anschluss an die Weltauswahl: «Ich machte auch Fehler, habe mich damals nicht gut ernährt. Mir fehlte die Konstanz. Ich muss aber auch sagen: Meine Konkurrenten waren einfach noch besser.»

Geblieben ist ihm einiges: Total 34 Einsätze, auch im Final der Club-WM und im Halbfinal der Champions League, mehr als ein halbes Dutzend Titel und vor allem unvergessliche Momente: «Es war die beste Zeit meiner Karriere. Ich konnte jeden Tag so viel lernen. Nicht nur von Messi, auch von Xavi, Puyol oder Henry, es war grossartig.»

Bedauern schwingt nicht mit, die Zeit ist abgehakt. Jetzt will der U-19- und U-21-Europameister mit Spanien, der seit 2015 für die A-Nationalmannschaft Venezuelas spielt, in Zürich zeigen, dass er besser ist, als es die letzten Jahre glauben machten. 29 ist er jetzt, von seinem vollen Rucksack soll nun GC profitieren: «Wenn ich die Zeit hier geniessen kann, werde ich dem Team helfen können.»

Statt vor 98 000 Zuschauern im Camp Nou dürfte er im Letzigrund mehrheitlich vor etwa fünf Prozent dieser Kulisse auflaufen. Der Druck wird aber auch nicht klein sein, nach den Abgängen von Dabbur und Caio ist die Forderung klar: Er soll Tore schiessen, möglichst viele. «Ich will dazu beitragen, dass GC in der Tabelle weit oben steht», sagt er. Eine Herausforderung, ja. Aber bei weitem nicht die grösste in der Karriere von Jeffrén.

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