Eklat um Englands Nationaltrainer

Der Trainer der englischen Fussballerinnen soll eine Spielerin rassistisch beleidigt haben. Der Verband zahlte Schweigegeld.

In den Fokus geraten: Mark Sampson, der Trainer des englischen Fussballteams.

In den Fokus geraten: Mark Sampson, der Trainer des englischen Fussballteams.

(Bild: Reuters)

An einem Meeting der englischen Mittelfeldspielerinnen zog der Trainer des englischen Frauenfussball-Nationalteams Mark Sampson Parallelen zwischen dem Fussballspielen und Ärger mit der Polizei. Daraufhin fragte er eine seiner Spielerinnen, wie oft sie eigentlich bereits verhaftet wurde. «Viermal, ja?» sollen seine Worte gewesen sein. Die angesprochene Spielerin war schwarz – und wurde übrigens noch nie verhaftet.

Hätte Sampson diese Frage auch einer weissen Spielerin gestellt? Wohl nicht, dachte Mitspielerin Eniola Aluko und reichte eine Beschwerde gegen Sampson ein. «Sampsons Bemerkung über die Spielerin wird von abfälligen, rassistischen und schädlichen Konnotationen begleitet», wird Aluko im «Guardian» zitiert. Die angegriffene, nicht namentlich genannte Mitspielerin fühlte sich danach beleidigt und verletzt wegen der rassistisch motivierten Aussage, berichtet sie in der Beschwerde.

Vorwürfe nicht bestätigt

Aluko, die die Vorwürfe an Sampson verfasst hat, ist ein grosser Name im englischen Fussball: Sie ist 102-fache Nationalspielerin und war vergangene Saison Liga-Topskorerin. Trotzdem wurde sie seit dem Zeitpunkt im April 2016, als sie die Beschwerde einreichte, nicht mehr fürs Nationalteam aufgeboten. Acht Seiten lang ist die Beschwerde, die erwähnte Szene nur ein Teil davon. Laut den Vorwürfen, die Aluko an Sampson und die FA richtet, herrscht im Nationalteam eine «Kultur des Mobbings und der Belästigung». Diese gipfelte in Sampsons Aussage von 2015 gegenüber Alukos Mitspielerin. Um die Geschichte hinter verschlossenen Türen zu halten, zahlte die FA Aluko umgerechnet rund 100’000 Franken.

Der Darstellung der Spielerin widerspricht die FA vehement. Sie leitete eine interne wie auch externe Untersuchung des Falles ein. In keiner der beiden Untersuchungen wurde ein Vorwurf von Aluko bestätigt. Die Untersuchungsleiterin sah Aufnahmen des Meetings, während dem angeblich die rassistische Bemerkung fiel. Allerdings ist nicht klar, ob die gesamte Szene oder nur Ausschnitte davon zu sehen sind.

Unklarheiten auf beiden Seiten

Die Geschichte ist auf beiden Seiten teilweise undurchsichtig. Einerseits hat Aluko, die auch Anwältin ist, Sampsons Worte gar nicht selber miterlebt. Sie erhielt die Informationen nur von den anderen Spielerinnen bestätigt. Die angesprochene Spielerin selbst reichte bis jetzt keine Beschwerde ein. Anderseits muss sich die FA die Frage gefallen lassen, weshalb sie so viel Schweigegeld bezahlte, wenn sie angeblich nichts falsch gemacht hat. Die offizielle Begründung dafür ist, dass sie «vor der EM in Holland Spannungen im Team vermeiden wollten». Auch die unabhängige externe Untersuchung weist Makel auf: Weder Aluko noch die betroffene Spielerin wurden dafür interviewt.

Gestern Abend reagierte die FA auf die Enthüllungen und veröffentlichte die Resultate der Untersuchung. Denen zufolge gab es nicht genügend Beweise, die Sampson belastet hätten. Weder wurde die Bemerkung auf Video aufgenommen, noch war Aluko Zeugin des Vorfalls. Sampson verpflichtete sich aber dazu, seine «allgemeinen Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern».

DerBund.ch/Newsnet

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