Ein Torhüter ignoriert den Schmerz

Ausgerechnet vor Mobulus Premiere im Europacup hat sich Goalie Mischa Felber zwei Bänder gerissen. Dennoch wird er im Uefa-Futsal-Pokal seinen Platz einnehmen.

Der beste Futsal-Goalie der Schweiz hat Charisma und zeigt Emotionen: Mischa Felber nach dem Gewinn des Meistertitels in Mobulu.

Der beste Futsal-Goalie der Schweiz hat Charisma und zeigt Emotionen: Mischa Felber nach dem Gewinn des Meistertitels in Mobulu.

(Bild: Photopress)

Ruedi Kunz

Das Unglück passierte vorletzten Dienstagabend während des Goalietrainings. Mischa Felber trat mit dem rechten Fuss auf einen Tennisball und knickte ab. Der stechende Schmerz und die Schwellung, die sich um den Knöchel bildete, waren untrügliche Zeichen dafür, dass bei dem Misstritt etwas kaputt gegangen war. Zwei ­gerissene Aussenbänder und ein Kapselriss, lautete der ärztliche Befund keine 48 Stunden später. Manch einer wäre nach einer solchen Kunde kurz vor dem Jahreshöhepunkt frustriert von dannen gezogen und hätte im Stillen Trübsal ­geblasen. Nicht so Felber.

Der 30-jährige Goalie stellte mit dem Physiotherapeuten ein Reha-Programm zusammen, um rechtzeitig für die Mission Europa-Pokal wieder einigermassen fit zu sein. Der Plan scheint aufzugehen. Nach zehn ­Tagen Individualvorbereitung hat Feller vorgestern erstmals wieder ein reguläres Teamtraining mitgemacht. Der professionell eingetapte Fuss habe der ­Belastung erstaunlich gut standgehalten, vermeldete Felber tags darauf. «Ich denke, ich werde gegen Göteborg spielen können.» Das gute Gefühl bestätigte sich beim letzten Belastungstest am Dienstag: Felber wird am Donnerstag (19.30 Uhr) im Startspiel gegen Göteborg als Nummer 1 im Tor von Mobulu stehen.

Eher ein Eishockeygoalie

Für Mobulu Futsal Uni Bern ist das eine gute Nachricht, denn der gebürtige Basler ist eine ganz zentrale Figur – auf und neben dem Platz. Der charismatische Goalie gilt in der Schweiz als der beste seines Fachs und steht im Ruf, in wichtigen Partien über sich hinauszuwachsen. «Mischa ist ein absoluter Winnertyp», sagt Teamkollege David Mühlemann. Ein Blick auf die Erfolgsstatistik belegt diese Aussage: Felber hat mit Minerva Bern und Mobulu drei Meistertitel gewonnen; zudem ist er über 30-facher Nationalspieler. Auf die Arbeit zwischen den Pfosten der Handballtore angesprochen, sagt der Betriebswirt und Journalist: «Ich sehe mich eher als Eishockey- denn als Fussballgoalie. Das Antizipieren ist wichtiger als das Reagieren, da die Schüsse oft aus nächster Nähe kommen.» Und Flanken aus der Luft herunterholen müsse er glücklicherweise so gut wie nie. In dieser Disziplin sei er in jüngeren Jahren, als er beim FC Laupen und beim FC Bern das Tor hütete, ­«beileibe kein Hirsch gewesen».

Lateinische Ballzauberer

Mobulu ist ein gutes Beispiel für die Entwicklung des Futsals in der Schweiz. Vorbei sind die Zeiten, als eine Gruppe von guten Fussballern die Winterpause mit der Hallensportart überbrückte. Das Gerüst der Equipe bilden nun reine Futsaler, die zum Teil in ausländischen ­Profiligen tätig waren. Auf die Saison 2015/16 stiessen mit Gil Brito, Jonatan Medina und Javier Fernandez drei erfahrene Spiele aus der portugiesischen ­respektive spanischen Liga zu den Stadtbernern. Als noch stärker eingestuft als die drei Vorgenannten wird Javier Fernandez. Der 29-jährige Argentinier stand letzte Saison in seiner Heimat beim Erstligisten Arsenal FC unter ­Vertrag. Nun folgte der Ex-Nationalspieler seiner Frau, die in der Schweiz eine Stelle angenommen hat. «Seine Verpflichtung ist ein Glücksfall für uns», ist Mischa Felber überzeugt. «Er ist eine halbe Klasse ­besser als alle anderen des Teams und hat eine sehr professionelle Einstellung.»

Student Fernandez staunte nicht schlecht, als er erfuhr, dass für einige Mobulu-Spieler der Fussball immer noch Priorität hat. Gemeint sind Andri Rüegsegger, Marco Hurter und Xhemajl Likaj, die beim 1.-Ligisten Breitenrain unter Vertrag stehen. Felber kann die ­Irritation des Südamerikaners nachvollziehen. «Javier kommt aus einer Liga, die keine halben Sachen zulässt. Gleichzeitig weiss er aber auch um die Wichtigkeit des fussballerisch überdurchschnittlichen Trios für Mobulu. «Wir ­lebten letzte Saison stark von den Breitsch-Jungs.»

In der kommenden Spielzeit dürften die Karten etwas anders verteilt werden. Ein halbes Dutzend Neue aus der Futsalszene haben Qualität und Quantität des Kaders erhöht. «Unser Ziel ist die Titelverteidigung», verkündet Felber. Bevor die Berner zu dieser Mission aufbrechen, wollen sie auf der ihnen unbekannten Bühne des Uefa-Futsal-Pokals Zeichen setzen. Bei der Premiere treffen sie heute auf Göteborg. Zwei Tage später heisst der Gegner Sarajevo. Die Vorfreude auf den viertägigen Anlass in der heimischen Unisporthalle ist gross. «Das uns die Uefa ausgewählt hat, ist grandios», sagt Felber, der bei der Turnier­organisation eine Schlüsselposition einnimmt. Jetzt fehlt nur noch die Krönung: die Qualifikation für die zweite Runde des Uefa-Futsal-Pokals, die Mobulu nach Slowenien führen würde.

Der Bund

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