Ein Publikum darf unzufrieden sein

Die Empörung über die Pfiffe gegen Seferovic ist unnötig.

Haris Seferovic nach einer vergebenen Torchance im Barrage-Spiel gegen Nordirland am Sonntag.

Haris Seferovic nach einer vergebenen Torchance im Barrage-Spiel gegen Nordirland am Sonntag. Bild: Georgios Kefalas/Keystone

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Pfiffe sind nie schön. Sie sind Ausdruck von Enttäuschung, Wut und Hilflosigkeit. Die Pfiffe gegen den Schweizer Stürmer Haris Seferovic, der gute Torgelegenheiten ausgelassen hat, sind die Summe davon. Sie sagen viel aus über die Konsumhaltung einer verwöhnten Nation. Gleichzeitig wirft die Reaktion der Betroffenen aber auch ein Schlaglicht auf die wenig professionelle Haltung der empfindlichen Stars.

Am Ursprung steht nämlich ein Missverständnis, das die Fussballer um Trainer Petkovic selber zubereitet haben: die krasse Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität. Gerne und viel haben sie davon gesprochen, dass sie zur erweiterten Weltspitze gehören, dass die Teilnahme an einer WM für ein Team, wie sie eines sind, nur ein Etappenziel sein kann. Und dann qualifizieren sie sich dank eines geschenkten Elfmeters. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn es Pfiffe absetzt. Zumal in einem reichen Land, dessen Konsumenten nur beste Qualität akzeptieren. Wenn man sie ihnen zuvor versprochen hat.

Aufschlussreich ist auch die Reaktion der Mannschaft und ihres Umfelds. Unmutsbekundungen eines Publikums sind nichts Neues. Es gibt sie auch in der Kultur. Aber während ein Theater-Ensemble oder ein Orchester nach verpatzter Vorstellung demütig in sich geht, sind die Herren Fussballer empört. Sie meinen, auch Applaus verdient zu haben, wenn sie schlecht waren. Dabei kassieren sie, im Gegensatz zu Musikern und Schauspielern, Millionen. Darin sollte das Schmerzensgeld für ein paar Pfiffe enthalten sein. Vor allem für Sportler wie Seferovic, denen es sonst nicht an Selbstbewusstsein mangelt.

Was es in diesem Zusammenhang nicht braucht: eine neue Diskussion über Integration. Seferovic wurde nicht ausgepfiffen, weil sein Name auf -ic endet. Ehemalige Nationalspieler wie Frei und Streller können das bestätigen. Und die wissen auch, wie schnell der Wind drehen kann. Wenn Seferovic die Schweiz in Russland ins Viertelfinale schiesst, jubeln all jene, die am Sonntag gepfiffen haben. Es ist ihr gutes Recht. (Der Bund)

Erstellt: 14.11.2017, 07:36 Uhr

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