Ein hoffnungsloser Fall

Basel unterliegt Arsenal 1:4 – der passende Schlusspunkt einer enttäuschenden Champions-League-Kampagne.

Während sich Arsenals dreifacher Torschütze Perez (Mitte) und Özil freuen, bleibt den Baslern Suchy (links) und Balanta nur der Frust. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Während sich Arsenals dreifacher Torschütze Perez (Mitte) und Özil freuen, bleibt den Baslern Suchy (links) und Balanta nur der Frust. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

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Irgendwann so nach 20 Minuten breitete sich eine Phase der Stille im St.-Jakob-Park aus, wie es sie nur sehr selten gibt. Wo die 36'000 Leute mit ihren Gedanken waren? Denkbar, dass die Gästefans im Kopf durchgingen, auf wen ihr Arsenal in den Achtelfinals der Champions League treffen könnte. Und ein Teil des Basler Anhangs hing sicher kurz all den grossen europäischen Abenden nach, den er in diesem Stadion schon erlebt hatte.

Die Leute konnten sich die Zeit nehmen, denn bereits nach etwas mehr als einer Viertelstunde war der Abend aus Basler Sicht realistisch betrachtet gelaufen. 0:2 lagen die Basler da nach zwei Toren von Lucas Pérez bereits zurück. Und weil Ludogorez Rasgrad nach einer Viertelstunde bei Paris Saint-Germain 1:0 in Führung gegangen war, mussten da schon in den beiden Spielen zusammen mindestens vier Tore auf den jeweils richtigen Seiten fallen. Die Basler hätten ja mindestens einen Punkt mehr gewinnen müssen als die Bulgaren, um auf Rang drei der Gruppe zu ­klettern.

Es war ein hoffnungsloser Fall. Der FCB schaffte es noch, sich mit ein paar im Ansatz gefährlichen Szenen etwas Mut mit in die Pause zu retten. Aber kaum war das Spiel wieder angepfiffen, war es definitiv klinisch tot. Lucas Pérez mit seinem dritten Treffer des Spiels in der 47. und Alex Iwobi mit dem 0:4 in der 53. Minute hoben das Resultat bereits in Richtung einer Bestrafung an. Das 1:4 durch den eingewechselten ­Seydou Doumbia war dann wenigstens schön herausgespielt. Viel Trost konnte der Ehrentreffer dem FCB aber nicht mehr spenden.

Arsenal wirkte recht entspannt

Es brauchte nicht viel Fachwissen, um zu erkennen, warum der Abend eben diesen Verlauf genommen hatte: Arsenal war dem FCB schlicht qualitativ in jeder Hinsicht überlegen. Vor dem 1:0 spielten sich die Londoner den Ball über elf Stationen von hinten rechts nach vorne links zu. Und es wirkte bei all dem nicht einmal, als ob sich die Gäste sonderlich anstrengen mussten, um die ­Partie zu dominieren. Bis zum 4:0 hatten sie bloss fünf Schüsse aufs Basler Tor gebracht.

Klar, wenn Spieler wie Mesut Özil oder Alexis Sánchez den Ball streicheln, wird es für viele Gegner schwierig. Aber wenn man – wie der FCB – diesen beiden in der Zone zehn, fünfzehn Meter vor dem Strafraum auch noch den Raum und die Zeit lässt, um ihre Traumpässe zu schlagen, kann man schnell alle Hoffnung fahren lassen.

Mit dem chancenlosen 0:2 der Basler aus dem Hinspiel in Nordlondon im Hinterkopf konnte dieses 1:4 allerdings nicht mehr als eine leise Enttäuschung sein. Auch wenn Verteidiger Michael Lang nach dem Schlusspfiff erklärte, die Mannschaft habe vor dem Anpfiff unbedingt «an eine Überraschung» geglaubt.

Es waren aber sowieso nicht die Spiele gegen die beiden Grossen der Gruppe, in denen die Enttäuschung ­dieser Basler Champions-League-Kampagne gründet. Das sind die beiden ­Unentschieden gegen Rasgrad, einen Gegner, den die Basler auch nach ihrem eigenen Selbstverständnis hinter sich lassen müssten. Und was den Club vor allem beschäftigen wird, ist der ­Leistungsabschwung, der sich nach dem enttäuschenden 1:1 im Heimspiel gegen die Bulgaren quer durch das Team ­gezogen hat und bislang nicht behoben werden konnte.

Das erste Saisonziel verpasst

So sind die Basler erstmals seit 2009 vor der Winterpause aus den europäischen Wettbewerben ausgeschieden und ­haben ihr erstes offizielles Saisonziel verpasst. Das, nachdem sie zuletzt fünfmal in Serie mindestens im Achtelfinal von Champions oder Europa League gestanden sind. «Diese Kampagne haben wir uns anders vorgestellt. Wir brauchen etwas Zeit, um das zu verarbeiten», sagte Sportdirektor Georg Heitz nach Spielschluss. Vor allem wird die Clubführung analysieren müssen, ob die aktuellen Spieler den hohen Ansprüchen in Basel nicht genügen. Oder ob doch Trainer Urs Fischer zum Thema wird.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.12.2016, 23:41 Uhr

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