Ein Herz für den Pöbler

Ohrfeige? Beleidigungen? Franck Ribéry ist bei den Bayern unantastbar. Jetzt soll er sogar nach dem Ende seiner Karriere weiterbeschäftigt werden.

Ribéry und sein goldenes Kalb: Das kommt nicht überall gut an. Video: Twitter
David Wiederkehr@DavidWiederkehr

Uli Hoeness hat ein Herz für verdiente Spieler. Wer einmal beim FC Bayern unter Vertrag gestanden hat, den vergisst der Präsident nicht so schnell. Dem legendären Torjäger Gerd Müller half er durch eine Alkoholsucht und gab ihm einen Job als Nachwuchstrainer. Georg «Katsche» Schwarzenbeck durfte als Besitzer eines Schreibwarenladens den Club jahrelang beliefern. Oder Raimond Aumann, Hans Pflügler, Wolfgang Dremmler – auch sie erhielten mehr oder weniger bedeutende Ämter beim deutschen Rekordmeister.

Hoeness hat auch ein Herz für Franck Ribéry. Nicht viele Spieler hat er während seiner Amtszeit so lieb gewonnen wie den Franzosen, zu dessen besten Zeiten ein Weltstar, an den schlechtesten Tagen ein unerträglicher Querulant. Derzeit im Vordergrund: Negativschlagzeilen. Unter dem neuen Trainer Nico Kovac ist Ribéry nicht die unersetzliche Stütze, als die er sich selbst sieht. Im Herbst hat er einen französischen Journalisten geohrfeigt, und zuletzt fiel der 35-Jährige damit auf, wie er in Dubai ein goldenes Steak verzehrte und danach auf Twitter all jene übel beleidigte, die ihn für diese Dekadenz kritisierten.

Der Filou und sein Ziehvater: Nicht viele Spieler hat Uli Hoeness so lieb gewonnen wie Franck Ribéry. Bild: Getty Images

Die Reaktion des Clubs auf die Entgleisung fiel einigermassen zahm aus. Man werde Ribéry «eine hohe oder sehr hohe Geldstrafe» aufbrummen, kündigte Sportdirektor Hasan Salihamidzic in einer ersten Stellungnahme an – doch seither zirpen in der Causa die Grillen. Als sich Mario Basler einst eine Kneipenschlägerei lieferte, war seine Karriere bei den Bayern mit einem Schlag vorbei. Als Philipp Lahm ein kritisches, vom Verein nicht autorisiertes Interview gab, büsste ihn der Club mit 50’000 Euro. Bei Ribéry? Man weiss es nicht. Nicht ausgeschlossen gar, dass Ribéry, der Hoeness-Ziehsohn, ohne Busse entkommen ist.

Die Funktion als Botschafter steht im Raum

Salihamidzic jedenfalls, auch er ein ehemaliger Bayern-Spieler, auch er von Hoeness ins Amt gesetzt und auch er jetzt konsequent gestützt, sagte kürzlich wieder etwas zu Ribéry. Dies nämlich: «Ich würde mir wünschen, dass uns Franck erhalten bleibt, nachdem er seine Karriere beendet hat – in welcher Rolle auch immer.» Im Raum steht wohl eine Funktion als Botschafter und Imageträger – ausgerechnet.

Hasan Salihamidzic, der Sportdirektor: Auch er ein früherer Bayern-Spieler, auch er ein Protégé von Uli Hoeness. Bild: Keystone

Dass Ribéry über diese Saison hinaus das Bayern-Trikot trägt, scheint dagegen ausgeschlossen. «Es ist wahrscheinlich das letzte Jahr von Ribéry», sagt Salihamidzic auch. Der Dribbler wird genauso wenig jünger wie sein Kollege Arjen Robben, dessen Abgang bei den Bayern per Ende Saison schon länger bekannt ist. Die Rückrunde der Bundesliga wird somit zur Abschiedstournee der Flügelzange Robbery. Wenn heute Freitag die Bayern gegen Hoffenheim wiederbeginnen (ab 20.30 Uhr live im ZDF), fehlen allerdings beide noch wegen einer Verletzung.

Geht er nach Istanbul?

Salihamidzics Ankündigung sorgte besonders in der Türkei für hellhörige Ohren. Ribéry hatte 2005 ein halbes Jahr bei Galatasaray Istanbul unter Vertrag gestanden, und der schlitzohrige Dribbler begeisterte in dieser kurzen Zeit auch die türkischen Fans. Wie es heisst, sollen Vertreter von Galatasaray schon mit Ribéry Kontakt aufgenommen haben, um ihm ein zweites Engagement schmackhaft zu machen. Langfristig, schreibt die «tz», wolle Ribéry in München wohnhaft bleiben.

Dieser Wechsel brächte für Ribéry auch Vorteile kulinarischer Art: Ein Gold-Steak der Dimension Tomahawk ist auch dort zu haben. Der türkische Starkoch Nusret Gökçe, auch bekannt als Salt Bae, ist zwar vor allem für die Nobelrestaurants in Dubai, Abu Dhabi und New York berühmt, gestartet hat er sein Imperium aber in Istanbul. In der Metropole gibt es gleich fünf Filialen.

DerBund.ch/Newsnet

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