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Ein Hand- und ein Gedankenspiel

Die Young Boys schlagen Feyenoord Rotterdam dank zwei frühen Penaltytoren 2:0 und sind nach drei Runden in der Europa League Gruppenerster. Unbehagen bereitet YB eine weitere Verletzung: Captain Fabian Lustenberger schied mit Bänderproblemen aus.

Christian Fassnacht mit guter Ballbehandlung.
Christian Fassnacht mit guter Ballbehandlung.
Raphael Moser
Roger Assalé trifft früh vom Penaltypunkt zum 1:0.
Roger Assalé trifft früh vom Penaltypunkt zum 1:0.
Raphael Moser
Die Young Boys können sich über den 2:0-Endstand und eine solide Leistung freuen.
Die Young Boys können sich über den 2:0-Endstand und eine solide Leistung freuen.
Raphael Moser
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Es muss nicht immer ganz so spektakulär sein. Noch vor drei Wochen, in dieser verrückten Partie gegen die Glasgow Rangers mit dem 2:1-Siegtreffer in einem filmreifen Finale, da rissen die Young Boys das Publikum förmlich von den Sitzen.

Das Spiel gegen Feyenoord Rotterdam nun klang vergleichsweise fast gemütlich aus, nach zwei frühen Toren mussten die Berner und konnten die Holländer in dieser dritten Runde der Europa League nicht mehr viel tun.

YB-Trainer Gerardo Seoane hatte für die Schlussphase mit einer Dreier- respektive Fünferkette defensive Stabilität angeordnet, das 2:0 – bei etwas spielfreudigeren Gegnern womöglich ein heikler Spielstand – geriet nicht mehr in Gefahr.

Roger Assalé trifft zum 1:0. (Quelle: SRF)

Die Young Boys spürten an diesem Abend früh, dass da ein verwundbarer Gegner zu Besuch war. Die Holländer schienen sich schwerzutun, mit dem Kunstrasen und auch dem schnellen Spiel, das YB zunächst darauf aufzog.

Mit Feyenoord-Angreifer Nicolai Jorgensen, den das Kunstgrün nach einer längeren Verletzungspause derart abschreckte, dass er gar nicht erst mitgereist war, hatten die Holländer schon vor dem Spiel einen Ausfall zu beklagen.

Einen Ausfall der anderen Art zeigte dann Innenverteidiger Edgar Ié nach einer knappen Viertelstunde: Im Volleyballer-Stil schlug er nach einer Flanke von Christian Fassnachl mit der Hand nach dem Ball, Schiedsrichter Jakob Kehlet konnte gar nicht anders, als zum Punkt zu zeigen, von wo aus Roger Assalé sicher zum 1:0 für YB verwandelte.

Und wieder ein Verletzter

Die Aufstellung hat bei den Young Boys in diesen Wochen ja gemeinhin wenig Überraschungspotenzial. Zu lang ist noch immer die Liste der Versehrten, im Defensivbereich war etwa der 23-jährige Ulisses Garcia gestern Abend bei weitem der erfahrenste Ersatz- unter vielen Nachwuchsspielern.

Und mit Fabian Lustenberger gesellte sich gestern zu Spielhälfte ein weiterer Leistungsträger zu den vielen Abwesenden. Der Captain vertrat sich nach 22 Minuten den Fuss, zur Pause ging es für ihn nicht mehr weiter. Erste Diagnose: Bänderverletzung am rechten Knöchel. Ausfall: ungewiss. «Das ist bitter», sagte Seoane später.

Das 2:0 durch Jean-Pierre Nsame. (Quelle: SRF)

Aber YB, erstmals in dieser Europa-League-Kampagne nicht in Rücklage geraten, hatte sich schon eine gute Basis gelegt und zeigte sich gestern für einmal sehr effizient, wenn auch weiterhin vorab aus elf Metern. Nur dreizehn Minuten nach dem 1:0 pfiff Kehlet wieder einen Penalty, wieder gab es kaum Diskussionen, und der VAR, würde es ihn in der Gruppenphase schon geben, hätte nicht einmal einzugreifen brauchen.

Michel Aebischer spielte sich sehenswert durch die Holländer Abwehr, seinen Steilpass erlief Assalé, Feyenoord-Goalie Kenneth Vermeer kam zu spät. Jean-Pierre Nsame traf ebenso sicher wie vormals sein Sturmpartner, und so führte YB zur Pause komfortabel 2:0.

Durchgang zwei nahmen die Young Boys im 4-2-3-1-System in Angriff, bevor Seoane für die Schlussphase auf die erwähnte Dreierabwehr umstellen liess. Es ist auch diese taktische Flexibilität – eine Folge der guten Vorbereitung einer-, der vielen Verletzten andererseits –, die YB auf europäischer Ebene trotz Verletzungsproblemen souverän auftreten lässt.

Spielerisch zerrissen die Berner gestern keine Stricke, verwalteten ihren Vorsprung aber clever und unaufgeregt. «Unsere Entwicklung im Defensivbereich gefällt mir sehr», sagte Seoane, «und es ist nie selbstverständlich, dass solche Umstellungen im Spiel funktionieren.»

Vor stimmgewaltigen 27'641 Zuschauern – mit über 2000 lauten Feyenoord-Fans – entwickelte sich die chancentechnisch überschaubare Schlussphase. Nebst ein paar Schussversuchen Feyenoords verpassten es auf der anderen Seite die Young Boys, mit einem Konter den berühmten Topf zu deckeln – am nächsten kamen dem 3:0 Fassnacht und der eingewechselte Garcia.

Die YB-Gruppe bleibt spannend: Porto ist nicht der erwartete Dominator, liess gestern zu Hause beim 1:1 gegen die Rangers wieder Punkte liegen.

Gegen Porto als Leader?

Viel mehr verblüffen die Young Boys und reisen in zwei Wochen als Gruppenerster zum «Rückspiel» in Rotterdam. Wieder ein gutes Resultat gegen Feyenoord, und – so viel Gedankenspiel sei erlaubt – YB könnte das noch im Auswärtsspiel überlegene Porto als souveräner Leader empfangen.

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