Ein guter Witz

Warum Platz 4 der Schweizer Fussballer in der Weltrangliste hinterfragt werden sollte.

Mannschaftsbild der Schweizer Fussball Nationalmannschaft, am Mittwoch, 1. Juni 2016 in Lugano. Bild: Keystone

Mannschaftsbild der Schweizer Fussball Nationalmannschaft, am Mittwoch, 1. Juni 2016 in Lugano. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zu sagen, die Fifa sei eine Witzkiste, ist gewagt. Übermässig lustig geht es beim Weltverband eher selten zu. Immerhin hat er aber jeden Monat einen Scherz auf Lager. Wie gestern wieder: In der neuen Weltrangliste ist die Schweizer Nationalmannschaft die Nummer 4. Richtig gelesen: in der Weltrangliste. Die Schweizer Nationalmannschaft. Die Nummer 4. Hinter Brasilien, Deutschland und Argentinien. Vor Europameister Portugal oder Süd­amerikameister Chile, gar weit vor Spanien und England. Ein guter Witz.

Natürlich: Das Nationalteam hat alle sieben Spiele seit der EM vor einem Jahr in Frankreich gewonnen, wobei der Sieg im September 2016 gegen Europameister Portugal herausragt. Es ist gut unterwegs, so gut, dass es zuletzt viermal kein Gegentor zuliess. Nur: von wem denn nicht? Der Reihe nach von den Färöern, Lettland, Weissrussland, den Färöern. Den Weltnummern 89, 131, 71, 89. Das reichte der Schweiz, um auf Rang 4 zu klettern – ohne eigenes Zutun. Während Portugal zwei Plätze verlor, weil es jüngst am Confed-Cup weniger Punkte sammelte als 2016 beim EM-Sieg, ist das Team von Vladimir Petkovic seit dem 9. Juni spielfrei.

48 Monate fliessen ein

Wer die Position in der Fifa-Weltrangliste als Qualitätsmerkmal lobpreist und ernst nimmt, versteht nicht, wie sie zustande kommt. In die Gesamtpunktzahl fliessen die Spiele der vergangenen 48 Monate ein, prozentual abgestuft – jene der ältesten 12 noch zu 20 Prozent. Multipliziert werden sie mit der Wichtigkeit des Anlasses, der Stärke des Gegners anhand der Weltrangliste sowie dem Kontinentalverband, dem dieser angehört. Und geteilt durch die Anzahl Spiele. So weit, so logisch.

Problematisch ist, dass die Fifa die Ergebnisse unzureichend gewichtet. So können starke Teams ihren Punkteschnitt mindern, wenn sie gegen schwächere Mannschaften testen – selbst wenn sie gewinnen. Ganz und gar benachteiligt sind Gastgeber von Turnieren, weil sie keine Qualifikation bestreiten. Eine alle vier Jahre statt­findende EM hat in der Berechnung denselben Stellenwert wie der in jedem zweiten Jahr ausgetragene Afrika-Cup – oder der sportlich unbedeutende Confed-Cup. Und ein WM-Gruppenspiel ist so viel wert wie der Final. Nicht belohnt werden dafür erfolg­reiche Qualifikationen. Und Höhe oder Umstände von Sieg und Niederlage spielen ebenfalls keine Rolle. Nicht einmal ein 0:1 nach Verlängerung im WM-Halbfinal.

Einst Platz 3 – und Rang 83

Die Rangliste gibt es seit 1993. Gleich zu Beginn wurde die Schweiz unter Roy Hodgson auf Platz 3 geführt. Und schied ein Jahr später an der WM in den USA trotzdem sang- und klanglos im Achtelfinal gegen Spanien aus. Tiefpunkt war der 83. Rang Ende 1998, den Gilbert Gress zu verantworten hatte.

Das aktuelle Hoch veranlasst die Ersten schon zu wilden Fantastereien. Und lässt sie schreiben, dass die Schweiz 2018 den WM-Halbfinal erreichen müsste. Dabei wäre nur schon gut, sie würde sich zuerst einmal für die Endrunde qualifizieren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.08.2017, 23:03 Uhr

Artikel zum Thema

Am Ende zitterten sie sogar noch

Die Schweizer Nationalmannschaft feierte gegen Fussballzwerg Andorra einen Arbeitssieg. Trotzdem ist ihre Bilanz makellos. Mehr...

Das sind die neuen Trikots der Schweizer Nationalmannschaft

Für die EM und die kommende WM-Qualifikation präsentiert sich die Nationalmannschaft in neuen Tenues: mit roten Streifen auf weissem Grund. Mehr...

Das Wir-Gefühl der Schweiz

Analyse Der Sieg gegen Portugal bestätigt die Entwicklung und das Zusammenrücken der Nationalmannschaft. Mehr...

Dossiers

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Volltreffer! Die Fussballkolumne.

Grädel schreibt über Fussball und die Welt. Wenn einer in Bern und Umgebung echten Fussballsachverstand hat, dann er.

Kommentare

Blogs

Geldblog Lohnt sich eine Hypothek von der Pensionskasse?
Tingler Verschwunden

Die Welt in Bildern

Und die Haare fliegen hoch: Besucher des Münchner Oktoberfests vergnügen sich auf einem der Fahrgeschäfte. (22. September 2018)
(Bild: Michael Dalder ) Mehr...