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Ein Geschenk zum wertvollen Sieg gegen die Nordiren

Das 1:0 in Belfast ist ein höchst willkommenes Polster für das Rückspiel am Sonntag in Basel.

«Ich habe nicht genau verstanden, was er gepfiffen hat»: Die Stimmen der Schweizer Nationalspieler nach dem 1:0 in Belfast.

Sie wollten an diesem Donnerstagabend nicht in Belfast sein. Sie wollten lieber schon für die WM in Russland qualifiziert sein und sich irgendwo an der Wärme, in Miami oder Dubai, darauf einstimmen. Ihr Trainer Vladimir Petkovic sagte es diese Woche mehrmals. Aber er sagte auch: «Das muss eine Herausforderung sein.»

Und es war eine Herausforderung, dieses Hinspiel in der Barrage im Windsor Park von Belfast. Die gute Nachricht für die Schweizer ist: Sie haben sie bestanden. Nicht glanzvoll, aber effektiv. Das 1:0 ist ein höchst wertvolles Polster für das Rückspiel am Sonntag im ­Basler St.-Jakob-Park.

Die entscheidende Szene trug sich nach knapp einer Stunde zu. Steven ­Zuber flankte von der linken Seite, ­Xherdan Shaqiri suchte den schnellen Abschluss am Strafraumrand, sein Schuss prallte an der Schulter von Corry Evans ab. Für Ovidiu Hategan, den Schiedsrichter aus Rumänien, war das schon genug, um Elfmeter zu geben. Ihm war auch egal, dass sich Evans ­zudem vom Ball abgedreht hatte.

Der umstrittene Pfiff. Quelle: SRF

In einer solchen Situation einen Elfmeter zu geben, war nicht nur erstaunlich, es war ein Fehlentscheid. Die Nordiren erstarrten in Ungläubigkeit. Ricardo Rodriguez liess sich von nichts beeinflussen. Er lief an, liess McGovern in die rechte Ecke hechten und schoss den Ball in die andere. Es war ein weiteres Beispiel für die Ruhe, die ein Qualitätsmerkmal des Linksverteidigers ist.

Das 1:0 durch Rodriguez. Quelle: SRF

Die Nordiren versuchten danach ­alles, um den Ausgleich zu erzwingen. Viel kam ihnen nicht in den Sinn. Sie suchten den Strafraum, und besonders ihre Zuschauer hofften auf einen Kompensationsentscheid Hategans. Wann immer einer der ihren im Sechzehner war und berührt wurde, schrien sie auf.

Auch das half nichts. Die Schweiz verteidigte auch in dieser Phase des Spiels den Strafraum und das Tor so wie in all den Minuten zuvor: wirkungsvoll und ­sicher. Ein einziges Mal musste sie dem Gegner einen erwähnenswerten Abschluss zugestehen, durch Josh Magennis in der 71. Minute. Doch sein Kopfball flog daneben.

Die abgeklärten Schweizer

1:0 also stand es am Ende. Die nord­irischen Zuschauer pfiffen Hategan lautstark aus. Die Fans aus der Schweiz, in eine Ecke des Stadions gedrängt, gaben sich weit euphorischer. Und die Spieler? Sie gingen kurz in die Kurve und blieben sonst leise. Die grossen Gefühle sparten sie sich für den Sonntag auf, sollte denn dann alles gut gehen.

Der Match war alles andere als ein Spektakel gewesen. Er war vielmehr so, wie das zu erwarten war. Hier die Nordiren, die dem konstruktiven Spiel wenig bis nichts abgewinnen können, sondern ­lieber ihr Motto pflegen: «Wir sind nicht Brasilien. Wir sind Nordirland.» Dort die Schweizer, die zumindest versuchten, mit dem Ball gepflegt umzugehen. Die dem Motto ihres Trainers folgen wollten: «Wir treten positiv auf.»

Zwei Welten prallen aufeinander

Die einen droschen den Ball am liebsten durch die Belfaster Nacht, die anderen behandelten ihn weit pfleglicher. Das waren zwei Welten, die im protestantischen Teil der Stadt aufeinanderprallten. Und die bessere Mannschaft waren die Schweizer. Sie waren wieder da, wo sie vor dem 0:2 in Portugal Mitte Oktober gewesen waren: konzentriert, immer bemüht, nach vorne zu spielen, sich nicht in die Abwehr zurückzuziehen. Sie waren wieder die Mannschaft, die Gegner vom Kaliber Nordirlands gut unter Kontrolle halten kann.

Überragend waren sie nicht, das ist gegen einen Widersacher wie Nord­irland grundsätzlich auch nur schwer möglich. Und sie hatten auch nicht viele gute Momente im Abschluss. Aber das war nicht das, was zählte. Sondern wichtig war, dass sie vom ersten Moment an zeigten, dass sie mit der richtigen Einstellung auf dem Platz standen. Und dass sie diese bis zum Schlusspfiff auch bewahrten.

Defensiv sicher, offensiv diskret

Die offensiv beste Phase hatten sie zwischen der 10. und 20. Minute, als Granit Xhaka gleich zweimal gefährlich zum Abschluss kam; und als Haris Seferovic eine Flanke Shaqiris direkt aufs Tor lenkte, aber am glänzend reagierenden McGovern hängen blieb.

Seferovics Chance. Quelle: SRF

Dann dauerte es bis zum Beginn der zweiten Halbzeit, bis die Schweizer wieder gefährlich wurden. Shaqiri verzog seinen Schuss nur knapp. Und als er einmal hoch über das Tor geschossen hatte, kam diese eine Szene, die alles entschied: dieser Elfmeter, der die Nordiren mit Fassungslosigkeit erfüllte.

Shaqiri schnibbelt zu hoch. Quelle: SRF

Sommer war fehlerfrei im Tor und erledigte ruhig das wenige, das er zu tun bekam. Die Innenverteidiger, der bewährte Schär und der junge Akanji als Ersatz von Djourou, bildeten ein sehr ­solides Duo. Rodriguez war so ruhig wie immer. Xhaka tat alles, um die Verantwortung zu übernehmen, die einem wie ihm zusteht. Zakaria an seiner Seite als Stellvertreter Behramis war ganz ­ordentlich.

Die Offensive war alles in allem diskret, was nicht weiter erstaunen durfte gegen ein Team, das derart defensiv eingestellt war. Es war nicht weiter von Bedeutung. Dank Hategan sind die Schweizer nur noch 90 Minuten von Russland entfernt.

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