Ein Geschenk und zwei perfekte Kontertore

YB feiert gegen Sion beim 3:1 den ersten Auswärtssieg der Saison. Harald Gämperle ist auch am Donnerstag gegen Karabach Cheftrainer.

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Mit einem Geschenk von Sions Goalie Vanins und zwei wunderschön herausgespielten Kontertoren feierten die Berner in Sitten mit dem 3:1 ihren ersten Auswärtssieg der Saison. Angesichts der Turbulenzen um den BSC YB nach der Entlassung von Trainer Uli Forte als Folge der schwachen Leistungen in der Meisterschaft und auf europäischer Bühne, ist dieser Sieg eine Überraschung.

Er sorgt zumindest vorerst für ein bisschen Ruhe im Verein vor dem schweren Gang nach Baku, wo YB am Donnerstag in der Qualifikation für die Europa League gegen den FC Karabach mit der 0:1-­Hypothek aus dem Hinspiel antritt.

Gegenüber dem missglückten Auftritt im Playoff-Hinspiel hatte Interimstrainer Harald Gämperle die Mannschaft aus verletzungsbedingten Gründen ­(Vilotic) und wegen Formschwäche auf vier Positionen umgestellt. Die jungen Hadergjonai, Wüthrich, Zakaria und Gonzalez kamen in die Startformation, Gajic, Sutter und Nuzzolo sassen beim Anpfiff auf der Bank.

«Jeder hat richtig gekämpft»

Hinterher waren alle glücklich und erleichtert. Der Plan von Gämperle war perfekt aufgegangen. Captain Steve von Bergen lobte die Leidenschaft und die Energie der Mannschaft. «Nach dem Spiel sassen alle erschöpft und müde in der Kabine. So müsste es nach jedem Spiel sein.» Aufhorchen liessen die Worte des Youngstes Florent Hadergjonaj: «Zum ersten Mal in dieser Saison hat jeder von uns richtig gekämpft, jeder ist für den anderen gerannt. Die Erleichterung ist riesengross.» Und etwas kryptisch fügte er an, es habe Probleme mit der Team-Chemie gegeben. Diese Dissonanzen seien nun ausgeräumt.

Fredy Bickel, wie ist das zu verstehen? Beim YB-Sportchef perlten auch eine Viertelstunde nach Spielschluss Schweissperlen auf der Stirn. «Ja, es hat Probleme gegeben, weil ­jeder in seiner eigenen Welt lebte und in erster Linie für sich schaute. Wir haben in den letzten Tagen mit den Spielern viele Gespräche geführt und vieles angesprochen», sagte Bickel. Dieser Sieg sei ein Anfang. «Ich freue mich riesig für die Mannschaft.» Doch der Sieg bedeute nichts, wenn das Team nicht in der Lage sei, diese Leistung zu bestätigen.

Und dann wiederholte er, wie ein ­Protokollführer, die neuerlichen Fragen nach dem Trainer: «In Baku ist weiterhin Harald Gämperle Cheftrainer.» Und was geschieht danach? «Wir sind bei der Trainersuche im Fahrplan. Wir haben mit Kandidaten gesprochen.»

Dass die Young Boys das Tourbillon in aufgeräumter Stimmung verlassen konnten, lag an einer deutlichen Leistungssteigerung der Berner, aber auch am FC Sion. Die Walliser waren furios in die Partie gestartet und dominierten zu ­Beginn die Gäste in allen Belangen. Und Sion trug viel zum Unterhaltungswert dieses Spiels bei. Doch auch bei der Equipe von Didier Tholot ist noch vieles Stückwerk, die Mannschaft hinterliess keinen ausgewogenen und abgestimmten Eindruck. Und zudem vergaben die Walliser leichtfertig gute Möglichkeiten. So stürmten nach einem Ballverlust von Lecjaks in der 7. Minute die Sittener mit einer 3:1-Überzahl auf das YB-Tor; doch Konaté ging gegen von Bergen eigensinnig in ein Dribbling und verlor prompt den Ball, während vor dem YB-Tor zwei seiner völlig frei stehenden Teamkollegen entnervt die Hände verwarfen.

Und dann kam die grotesk-lächerliche Einlage von Vanins, dem in der 23. Minute bei einem Abwurf der Ball aus den Händen vor die Füsse von Kubo flutschte, der das leere Tor nicht verfehlte.

Suljemani erstmals ein Faktor

YB hatte so nicht nur das Startfurioso der Walliser überstanden, sondern führte durch ein Geschenk auch noch 1:0. Und mit diesem Vorsprung gewannen die Berner an Sicherheit. Wüthrich spielte im Abwehrzentrum neben dem souveränen von Bergen stark, Zakaria leistete mit und ohne Ball viel Lauf­arbeit, Hoarau bestach durch seine Präsenz und Sulejmani, ja dieser Sulejmani war erstmals im YB-Dress ein Faktor. Er gewann Zweikämpfe; er war in der Lage, auch ohne Ball für die Mannschaft zu laufen; er zeigte eine Prise Genialität, wenn er die Kugel am linken Fuss hatte. Und er schoss nach einem feinen Absatz­zuspiel von Kubo das entscheidende 3:1.

Jetzt geht es nach Baku. Dort scheint YB zu allem fähig, von der Auferstehung bis zum Untergang.

Der Bund

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