Ein Emmentaler in der Poleposition

David von Ballmoos ist Goalie geworden, weil es ihn als Verteidiger nervte, wie die Gegentreffer fielen. Nun bereitet er sich beim FC Winterthur darauf vor, dereinst bei YB Tore zu verhindern.

David von Ballmoos wird wohl einst das YB-Tor hüten.

David von Ballmoos wird wohl einst das YB-Tor hüten. Bild: Keystone

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Die unbestrittene Nummer eins im Tor der Berner Young Boys ist Yvon Mvogo. Beim 7:0-Sieg gegen den FC Lugano am vergangenen Wochenende verbrachte er einen geruhsamen Abend. Morgen im Spiel gegen den FC Vaduz wird er im 28. Liga-Spiel der Saison zum 27. Mal zwischen den Pfosten stehen. Wie lange das noch so bleiben wird, ist ungewiss. Mit seinen Leistungen hat der Torhüter auf sich aufmerksam gemacht. Früher oder später wird der 21-Jährige dem Ruf eines ausländischen Vereins folgen. Auf den Moment seines Abgangs ist YB vorbereitet: Mit David von Ballmoos steht ein weiteres grosses Goalietalent in der Poleposition, um bei Bedarf die Nachfolge von Mvogo anzutreten.

Sein aktueller Arbeitsplatz ist das ­Stadion Schützenwiese. «Das einzige echte Fussballstadion im Kanton», wie der FC Winterthur auf seiner Website prahlt – ein Seitenhieb an die oberklassigen Zürcher Fussballvereine und ihr ­Letzigrund-Stadion. Im letzten Sommer wurde der Ersatztorhüter von YB an den FCW ausgeliehen, damit er in der Challenge League Spielpraxis erhält.

Nun lebt von Ballmoos in Winterthur. Reist er in die Region Bern, tut er das aus Zeitgründen mit dem Auto – aber nicht mehr mit dem YB-Logo an den Seiten­türen. Seit seine Freundin bei ihm wohnt, sind diese ­privaten Abstecher seltener geworden. Ab und zu besucht er Familie und Freunde in der Heimat im Emmental.

Goalie mit Interesse an Technik

Im Emmental, beim SV Koppigen, hat die Fussballerkarriere von David von Ballmoos begonnen. Dort lief er zunächst als Verteidiger auf. Dass er diese Position zugunsten des Jobs im Tor aufgab, hatte mit dem kleingewachsenen Goalie in ­seiner Mannschaft zu tun. «Ich habe mich aufgeregt, weil wir immer die genau ­gleichen Tore – hoch oben rein – erhalten ­haben», erinnert sich von Ballmoos. Kurzerhand übernahm er, der Grossgewachsene, diesen Posten. Sein Glück war, dass die D-Junioren von Koppigen auf die Junioren von YB trafen. «Von da an ging alles ziemlich schnell.» Er wechselte zur U-14 von YB. Das war 2007. 2013 wurde er der dritte Torhüter der ersten Mannschaft und erhielt seinen ersten Profivertrag.

Trotzdem blieb der junge Fussballprofi, der auf einem Bauernhof in den hügeligen Gefilden des Emmentals aufgewachsen ist, auf dem Boden. Die Lehre zum Landmaschinenmechaniker hat er 2014 abgeschlossen. «Es war meinen Eltern und mir sehr wichtig, dass ich etwas habe, worauf ich zurück­greifen kann.» Technik interessierte ihn schon immer. Noch heute kann sich der Fussballprofi für Maschinen und Autos begeistern. Momentan sieht es jedoch nicht danach aus, als würde er dieses zweite berufliche Standbein benötigen.

Beim FC Winterthur ist die ­Nummer 26 innert kurzer Zeit zum Stammgoalie aufgestiegen. Das leihweise erfolgte Engagement beim Challenge-League-Club sei ein ­guter Zwischenschritt, ist von Ballmoos überzeugt. Beim familiären Verein erhält er die Chance, sich weiter zu entwickeln. «Vom Debüt bis heute habe ich einen Riesenschritt gemacht. Ich merke, dass ich den Aufgaben besser gewachsen bin und an Sicherheit gewinne.» An den SFL Awards im Februar wurde er von der Fachjury ins Chal­lenge-League-Team des Jahres 2015 gewählt. Bei den Winterthurern, deren Saison von Inkonstanz geprägt ist, zählt er zu den besten Kräften. Derzeit befindet sich der FCW in einer Negativspirale: Die letzten drei Partien gingen alle verloren. Von den Vorderleuten allein gelassen, fehlte auch dem Leihgoalie das Wettkampfglück. «Wenn es nicht läuft, kassiert man dumme Tore. Logisch, dass der Goalie dann in der Kritik steht», sagt von Ballmoos. Er betrachtet diese Situation als Herausforderung, aus der er viele Er­fahrungen mitnehmen kann.

Einmal pro Woche bei YB

David von Ballmoos wird noch eine Spielzeit in der Ostschweiz bleiben, ­sofern YB nicht die Option zieht, ihn schon im Sommer zurückzuholen. Dies wäre der Fall, wenn Mvogo den Verein verlässt. Unabhängig davon, wann er nach Bern zurückkehrt, hat YB die Betreuung des jungen Goalies intensiviert. Seit Anfang dieses Jahres fährt er deshalb einmal in der Woche Richtung Wankdorf, um bei den Young Boys mitzutrainieren. «Wenn dich Fredy Bickel bittet, nach Bern zu Stefan Knutti ins Training zu kommen, ist das schon ein besonderes Zeichen», freut er sich über diese Abmachung. «Ziel ist, dass ich mich dadurch weiterentwickle und verbessere.» Er, der bisher keinen Ernstkampf mit der ersten Mannschaft von YB bestritten hat, soll bereit sein, wenn er gebraucht wird. Mit dem Berner Goalietrainer arbeitet er an seinen Schwächen. Sein grösstes Manko ist das Spiel mit dem Fuss. «Ich muss kein Cristiano ­Ronaldo sein, aber in diesem Bereich habe ich Verbesserungspotenzial», sagt das junge Talent. «Das Gesamtpaket aber stimmt, sonst wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.»

Dass YB den Vertrag mit dem Talent vor einem Jahr bis 2019 verlängert hat, spricht ebenfalls für ihn. Darüber, dass er bald die Nachfolge von Mvogo antreten könnte, macht sich von Ballmoos keine Gedanken. Auch nicht darüber, was passiert, falls der U-21-Nationalmannschaftskollege die Young Boys bis zu seiner geplanten Rückkehr nicht verlässt. «Mein Vertrag in Bern läuft noch dreieinhalb Jahre, darauf ­konzentriere ich mich. Wenn ich gute Leistungen bringe, werde ich meinen Weg machen. Ich weiss, dass YB hinter mir steht und mir helfen wird, egal wie die Situation dann aussieht.» (Der Bund)

Erstellt: 16.04.2016, 09:22 Uhr

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