Ein bisschen Sternenstaub

Die Young Boys stehen mal wieder an den Toren zur Champions League, wo sie mal klar, mal knapp scheiterten. Heute (18.30 Uhr) folgt mit dem Hinspiel bei Dynamo Kiew ein nächster Anlauf.

YB-Captain Steve von Bergen ist heute als Organisator der Abwehr gefordert.

YB-Captain Steve von Bergen ist heute als Organisator der Abwehr gefordert. Bild: Keystone

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Mit einem Sommerloch haben die Young Boys selten zu kämpfen. Die Tradition und der Spielplan – lies: die Uefa – wollen es, dass YB meist schon Ende Juli, wenn die Saison noch keine zwei Runden alt ist, um die Champions League spielt. Die Königsklasse ist für die Berner nach wie vor so etwas wie ein Sehnsuchtsziel. Oft glitzerten die berühmten Sterne ziemlich fern, und war man ihnen mal ganz nah, so liess man sich kurz vor dem Ziel bislang immer blenden.

Längst ist es keine Besonderheit mehr, dass Schweizer Clubs in der lukrativen Champions League antreten. Der FC Basel fiebert diese Saison seiner achten Gruppenauslosung entgegen, GC war schon zweimal dabei, und sogar der FC Thun spielte 2005 sensationell gegen die Besten des Kontinents. Und zufälligerweise trifft YB heute auf den Tag genau zwölf Jahre, nachdem die Oberländer mit einem 2:2 bei Dynamo Kiew den Grundstein für das kleine Fussballmärchen legten, in der ukrainischen Hauptstadt gegen den gleichen Gegner an.

Schon kurz nach dem Startsieg gegen Basel hatte Sportchef Christoph Spycher vor dem kampfstarken ukrainischen Vizemeister gewarnt. Vor einem Jahr hatten die Young Boys in der gleichen Phase der Vorrunde ja bereits Schachtar Donezk überwunden – und noch im Auswärtsspiel beim 0:2 viel Glück beansprucht. YB hat Dynamo jetzt dreimal beobachten lassen. «Es ist bestimmt kein Vorteil für uns, sind sie in der Saison schon voll im Saft», sagt Spycher. Bereits zwei Ligaspiele hat Kiew hinter sich, dazu das Supercupfinale gegen Schachtar (0:2). «Klar würde man so wichtige Partien lieber mitten in der Saison spielen», so der YB-Sportchef.

Doch so ganz unerfahren ist YB mit dieser Situation und auf dieser Bühne auch nicht mehr. Die diesjährige Kampagne ist der fünfte Anlauf der Young Boys zur Champions League. Viel hat sich geändert, seit sie 2004 gegen Roter Stern Belgrad zum ersten Mal in der Qualifikation spielten. Vor 13 Jahren war das Stade de Suisse noch eine Baustelle, YB harrte das letzte Jahr im Exil Neufeldstadion aus, das den Ansprüchen einer europäischen Partie nicht genügte. Das Hinspiel gegen die Serben fand folglich im Hardturmstadion in Zürich statt.

Anfangsnervosität ist verflogen

Es war einer dieser Momente, wo YB ein bisschen etwas von diesem Sternenstaub abbekam. Erst traf Stéphane Chapuisat, das war an sich zwar keine Überraschung, bedeutete aber doch die Berner Führung. Dann, YB war mittlerweile sogar in Überzahl, erzielte Aussenverteidiger Adrian Eugster – Zeit seiner Fussballtage nicht als kaltschnäuziger Scorer bekannt – ein Tor der Marke «Einrahmen und aufbewahren»: Linksschuss, 20 Meter, unter die Latte. Doch Nikola Zigic, baumlanger Stürmer von Belgrad, traf noch zweimal für die Serben. Die Sterne waren doch zu grell. Mittlerweile ist YB regelmässiger Gast an den Toren zur Königsklasse, die Anfangsnervosität ist verflogen. Mal waren die Berner wirklich nahe dran an der Sensation: 2010 etwa führten sie im Hinspiel gegen Tottenham 3:0, kassierten noch zwei Tore und gingen im Rückspiel 0:4 unter. Mal wurden sie brutal vorgeführt: Monaco kannte 2015 keine Gnade und siegte 3:1 und 4:0, ähnlich wie Gladbach vor einem Jahr (3:1 und 6:1).

Es ist also selbst nach dem heutigen Hinspiel schwer abzuschätzen, wohin der Weg von YB in diesem europäischen Sommer noch führt. Im schlechtesten Fall scheitern die Berner an Kiew, dann auch im Playoff zur Europa League und konzentrieren sich auf nationale Aufgaben. Im besten Fall überwinden sie nach den Ukrainern auch die nächste Hürde, spielen Champions League. Und träumen anschliessend sogar davon, für den 26. Mai 2018 wieder nach Kiew zu fliegen. Dann findet im Olympiastadion der Final statt. Doch das wäre dann tatsächlich mehr als nur ein bisschen Sternenstaub. (Der Bund)

Erstellt: 26.07.2017, 08:23 Uhr

Zu Hause sind sie nicht daheim

Fussball nicht mit Politik zu vermischen, ist sowohl Fussballern als auch Politikern schon früh missglückt. Bei Dynamo Kiew liegt Politik gewissermassen vor der Haustür. Das Lobanowski-Stadion ist die angestammte Heimat der Ukrainer, hier steht ihre Geschäftsstelle und liegt die ruhmreiche Vergangenheit. Es ist kaum einen Steinwurf entfernt vom Maidan, dem Platz, wo Ende 2013 über 500 000 Demonstranten gegen die Regierung protestiert haben. Die Pflastersteine für den Widerstand stammten vom Vorplatz des Stadions, unter den Demonstranten waren auch Ultras von Dynamo. Und einen weiteren Kilometer von dem Platz weg, auf dem das Volk damals für Europa kämpfte, tut das Traditionsteam von Dynamo im Olympiastadion, seiner zweiten Heimat, heute gegen YB gewissermassen dasselbe.

Nur ein kurzer Fussmarsch ist es vom Maidan, der gewissermassen zwischen den beiden Stadien von Dynamo liegt, zum riesigen Olympiastadion. Das Team weicht zwar immer mal wieder ins kleinere, charmantere Lobanowski-Stadion aus, wo auch die Nachwuchsteams Dynamos kicken, doch der Club hat 2011 mit den Betreibern des Olympiastadions für die erste Mannschaft einen Vertrag abgeschlossen, der die Ukrainer wenigstens nicht für jedes Spiel die Stadionmiete zahlen lässt.

Spiel im EM-Finalstadion von 2012

In seinen Grundzügen noch von den Sowjets als Hommage an Leo Trotzki erbaut, wurde es über die Jahre hinweg immer wieder restauriert, verändert, vergrössert. Dynamo Kiew, nach Spartak Moskau die zweiterfolgreichste Mannschaften der Sowjetunion, war zwar grundsätzlich im Lobanowski-Stadion beheimatet, benutzte in der Neuzeit für seine grösseren internationalen Auftritte aber immer wieder das Olympiastadion. Dazu gehörte das Halbfinale in der Champions League 1999 gegen Bayern München. Das packende Hinspiel endete in Kiew vor 80 000 Zuschauern 3:3, auswärts verloren die Ukrainer 0:1. Für die EM 2012 in Polen und der Ukraine wurde das Stadion dann rundumerneuert – für unglaubliche 585 Millionen Euro. Das Finale zwischen Spanien und Italien (4:0) war dann das bislang grösste Länderspiel im Kiewer Olympiastadion.

Für die Young Boys ist es das zweitgrösste Stadion, in dem sie je angetreten sind. Im Meistercup 1986 spielte YB im Bernabeu bei Real Madrid – und verlor nach dem sensationellem 1:0 im Hinspiel mit 0:5. Heute werden im 70 000 Zuschauer fassenden Rund 25 000 Fans erwartet – 130 davon aus Bern.

Voraussichtliche Aufstellungen:

Dynamo Kiew: Kowal; Vida, Kadar, Chatscheridi, Morosjuk; Gonzalez, Schepelew, Sidortschuk, Jarmolenko; Garmasch; Mbokani.

YB: Von Ballmoos; Mbabu, Nuhu, von Bergen, Benito; Ravet, Sow, Sanogo, Sulejmani; Assalé, Hoarau.

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NameSpSUNG:EP
1.Arsenal London642018:614
2.Paris Saint Germain633013:712
3.Ludogorets Razgrad60336:153
4.FC Basel 189360243:122
Stand: 06.12.2016 22:38

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NameSpSUNG:EP
1.SSC Neapel632111:811
2.Benfica622210:108
3.Besiktas61419:147
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NameSpSUNG:EP
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NameSpSUNG:EP
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NameSpSUNG:EP
1.AS Monaco63219:711
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4.ZSKA Moskau60335:113
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Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.Borussia Dortmund642021:914
2.Real Madrid633016:1012
3.Legia Warschau61149:244
4.Sporting CP61055:83
Stand: 07.12.2016 22:39

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NameSpSUNG:EP
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Stand: 07.12.2016 22:35

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07.12.Juventus Turin - Dinamo Zagreb2 : 0
Stand: 07.12.2016 22:37

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NameSpSUNG:EP
1.Juventus Turin642011:214
2.Sevilla63217:311
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4.Dinamo Zagreb60060:150
Stand: 07.12.2016 22:37

Champions League Qualifikation

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17.08.FC Villarreal - AS Monaco1 : 2
23.08.Viktoria Pilsen - Ludogorets Razgrad2 : 2
23.08.Hapoel Beer Sheva - Celtic Glasgow2 : 0
23.08.Legia Warschau - Dundalk1 : 1
23.08.AS Rom - FC Porto0 : 3
23.08.AS Monaco - FC Villarreal1 : 0
24.08.APOEL Nikosia - FC Kopenhagen1 : 1
24.08.Salzburg - Dinamo Zagreb1 : 2
24.08.Manchester City - FC FCSB1 : 0
24.08.FK Rostow - Ajax Amsterdam4 : 1
24.08.M'gladbach - BSC Young Boys6 : 1
Stand: 24.08.2016 23:16

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