Drei Chancen, 
drei Punkte

Die Young Boys erreichen bei Aufsteiger Vaduz dank einem Penaltytor von Guillaume Hoarau den ersten Auswärtssieg der Rückrunde.

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Ruedi Kunz

13 Meisterschaftsrunden. So lange währt die Ungeschlagenheit von YB seit dem gestrigen 1:0-Erfolg in Vaduz. Es war ein Sieg, dem jegliche Brillanz fehlte. Die ersten fast 30 Minuten war der Aufsteiger die bessere Mannschaft gewesen und hatte mehrmals nur knapp am Tor vorbeigeschossen. Die Young Boys suchten auf dem holprigen Boden lange vergeblich nach einer Lösung, um den gut ­organisierten Abwehrverbund der ­Gastgeber zu knacken. Es brauchte schon ein reichlich ungeschicktes Foul von ­Ciccone an Sutter, um zu einer vorzüglichen Chance zu kommen. Hoarau liess dem Liechtensteiner Nationalgoalie Jehle vom Elfmeterpunkt nicht die geringste Abwehrchance.

Sein 13. Super-League-Treffer bescherte YB den ersten Auswärtssieg in der Rückrunde. Sollte der FC Basel heute Abend gegen Schlusslicht Aarau nicht reüssieren, lägen die Berner noch fünf (Remis des FCB) oder sogar nur noch vier Punkte (Niederlage FCB) hinter dem Tabellenführer. Beim Thema Meistertitel liessen sich die YB-Spieler auch gestern nicht aus der Reserve ­locken. «Meines Wissens sind wir immer noch Tabellenzweiter», sagte Captain Steve von Bergen.

Sutters Schmerzen im Knie

Einer der Baumeister des YB-Erfolgs war Scott Sutter, der eigentlich noch gar nicht hatte spielen wollen wegen einer Knieverletzung. Weil Florent Hadergjonaj wegen Krankheit gar nicht erst nach Vaduz mitgekommen war, musste der Verteidiger sein Comeback vorziehen. Er habe nur drei Trainings in den Beinen gehabt, erzählte Sutter nach der Partie. «Mit dem linken Fuss konnte ich gar nicht richtig an den Ball treten.» Er biss 80 Minuten lang auf die Zähne, bevor er Bürki Platz machte.

Zurück zum Match, indem Vaduz, welches sich 45 Minuten lang erstaunlich ballsicher und gut organisiert gezeigt hatte, immer mehr abbaute. Dem Aussenseiter fehlten die Ideen und die spielerische Klasse, um die nun noch tiefer verteidigenden Gäste aus Bern überlisten zu können. An ihrer Verteidigungsarbeit gab es nunmehr nichts mehr herumzumäkeln.

Weit weniger gute Noten verdiente der Tabellenzweite für das Offensivspiel. Es blieb holprig wie der tiefe Rasen im Rheinpark. Teilweise war es reichlich unbedarft, wie sich die Young Boys im gegnerischen Strafraum verhielten. Den Vogel schossen sie in der Nachspielzeit ab, als sie es zu fünft nicht ­fertig­brachten, Verteidiger Ajiji und Goalie Jehle zu überwinden. Es sei gut möglich, dass die Slapstick-mässige Einlage schon bald auf Youtube zu sehen sei, meinte von Bergen sarkastisch.

Schrecksekunde wegen Gerndt

Im vierten Auswärtsspiel des Jahres 2015 gab es für YB erstmals ein Happy End. Ob es an der früheren Anreise lag, welche die sportliche Leitung beschlossen hatte nach den zuletzt ungenügenden Auftritten in der Fremde? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Die Sieger waren in erster Linie glücklich, hatten sie sich doch auf dem Terrain eines unbequemen ­Gegners drei Punkte geholt.

Zufrieden reisten auch die über 1000 YB-Anhänger in die Hauptstadt zurück. Sie hatten im Rheinpark, bei dem offiziell etwas über 4000 Zuschauer zugegen waren, akkustisch den Ton angegeben.

Entwarnung gab es seitens der medizinischen Abteilung, was das frühzeitige Ausscheiden von Alexander Gerndt betraft. Der Schwede soll sich laut Coach Uli Forte nur das Schienbein geprellt ­haben beim Zweikampf mit Ciccone. Bei Milan Vilotic, der nach Spielende vom Feld humpelte, war noch nicht klar, ob er sich bei einem Zusammenprall ernsthafter verletzt hatte.

Vaduz - Young Boys 0:1 (0:1)
4827 Zuschauer. – SR Studer. – Tor: 29. Hoarau (Foulpenalty) 0:1.
 Vaduz: Jehle; von Niederhäusern, Stahel, Grippo, Aliji; Hasler (46. Kryeziu), Muntwiler, Ciccone; Schürpf (56. Lang), Neumayr, Burgmeier (75. Abegglen).
 Young Boys: Mvogo; Scott Sutter (81. Bürki), Vilotic, von Bergen, Lecjaks; Gajic, Bertone; Steffen, Gerndt (73. Kubo), Nuzzolo (67. Zarate); Hoarau.
 Bemerkungen: Vaduz ohne Cecchini, Pergl und Manuel Sutter, Young Boys ohne Hadergjonaj, Sanogo, Seferi (alle verletzt) und Vitkieviez (rekonvaleszent). 69. Gelb-rote Karte gegen Ciccone (Foul). 71. Gerndt verletzt out (Bein). Verwarnungen: 28. Ciccone. 43. Bertone (im nächsten Spiel gesperrt). 46. Hoarau. 87. Muntwiler (alle wegen Fouls).

Der Bund

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