Die zweite Chance

Yanick Brecher wurde eine grosse Zukunft vorausgesagt – jetzt soll er beim FCZ der Mann der Gegenwart sein.

FCZ-Goalie Yanick Brecher im Scheinwerferlicht – auch wenn am Samstag in Basel die Lichter ausgingen. Foto: Daniela Frutiger (freshfocus)

FCZ-Goalie Yanick Brecher im Scheinwerferlicht – auch wenn am Samstag in Basel die Lichter ausgingen. Foto: Daniela Frutiger (freshfocus)

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Irgendetwas ist offenbar immer. Da soll Yanick Brecher am Samstag als neue Nummer 1 des FC Zürich ins Rampenlicht treten. Einen Tag zuvor hat Trainer Ludovic Magnin seine beiden Goalies zu sich gerufen und ihnen erklärt, dass er den bisherigen Captain Andris Vanins künftig auf die Bank setzen und den 24-jährigen Brecher ins Tor stellen wird. Und dann fehlt der Rampe das Licht. Zappenduster ist es im Stadion des FC Basel, die Zürcher und ihr neuer Stammgoalie reisen unverrichteter Dinge wieder ab.

An ein Fussballspiel war in Basel nicht zu denken.

Aber Brecher ist es sich gewohnt, dass der Weg für ihn immer wieder eine merkwürdige Abzweigung bereithält. Das ist schon so, als er im April 2015 aus Wil zurückbeordert wird, um Knall auf Fall David Da Costa im Tor zu ersetzen. Der Liebling der Fans in der Südkurve hat es sich mit der Vereinsleitung verscherzt. Aber weil der FCZ dazu öffentlich nicht stehen will, schiebt er sportliche Gründe für den Goaliewechsel vor.

Die Bleiweste auf den Schultern

Opfer der debakulösen Kommunikation wird vor allem der damals 21-jährige Brecher. Im Bestreben, das eigene Vorgehen zu verteidigen, sagt FCZ-Präsident ­Ancillo Canepa: «Yanick Brecher ist nach dem Weggang von ­Roman Bürki und Yann Sommer das grösste Goalie-Talent in der Schweiz.» Ein Satz, den Brecher wie eine Bleiweste auf seinen Schultern trägt.

Sowieso könnte er gut ein Handbüchlein darüber schreiben, wie ein Club es am besten nicht anstellt, wenn er einen jungen Goalie fördern will. Es ist November 2015, als beim FCZ ein irrlichternder Sami Hyypiä den Trainer gibt. Irgendwann hat der Finne alle Mannschaftsteile umgestellt, ohne dass die Resultate besser geworden wären. Also wirft er Brecher aus dem Tor. Zwingend wirkt das nicht. Brecher hat dem Team zwar keine Spiele ­gewonnen. Er hat sie aber auch nicht verloren. ­Hyypiäs Sicht lautet: «Wir verlieren, also kann der Goalie nicht gut sein.»

«Das hat mich kaputt gemacht»

Zehn Spiele später setzt Hyypiä wieder auf Brecher, acht Partien darauf degradiert er ihn erneut. Beide Keeper halten kaum mehr einen Ball, der FCZ steigt ab, ­Hyypiä ist seither Trainer ohne Job. Rückblickend sagt Brecher über jene Zeit: «Das hat mich im Kopf kaputt gemacht.» Und weil es immer noch schlimmer geht, reisst ihm im Mai 2016 ein Kreuzband.

Manch eine Karriere endet mit so einem Unfall. Doch wenn ihn Canepas Vorschusslorbeeren belastet haben, so hilft ihm nun, dass der Präsident an ihn glaubt. ­Brecher darf nicht nur seine Verletzung auskurieren, er erhält im letzten Oktober auch einen neuen Kontrakt bis 2021, obwohl er vorerst bloss Ersatz ist.

«Wir haben schon mit der Vertragsverlängerung gezeigt, dass wir ihm vertrauen», sagt Sportchef ­Thomas ­Bickel am Samstag. Jetzt hat Brecher mit ­Magnin auch einen Trainer, der auf ihn setzt. Und das, obwohl er selbst zu seinen Auftritten gegen GC sagt: «Die ­waren sicher nicht ideal.» Aber nun, da der Entscheid für Brecher gefallen ist, will ihm der Club Zeit und Rückhalt geben. «Wir wechseln sicher nicht gleich wieder, bloss weil er mal einen Fehler macht», hält ­Bickel fest. «Ich erhalte eine zweite Chance», sagt Brecher.

Dem Mann, dem eine grosse Zukunft vorausgesagt worden ist, soll endlich die Gegenwart gehören. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.03.2018, 22:25 Uhr

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Wahrscheinlich wollte Thomas Bickel einfach mal einen Pflock einschlagen. Also sagte der Sportchef des FC Zürich in einem schummrig-dunklen St.-Jakob-Park: «Ich gehe nicht davon aus, dass dieses Spiel wiederholt wird. Ich ­erwarte drei Punkte.» Schliesslich liege es in der Verantwortung des Heimteams, «dass gespielt werden kann». Und gespielt werden konnte definitiv nicht an diesem Samstag zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich, weil weite Teile des Stadions ohne Strom und damit auch ohne Licht waren.

Entscheidend ist das Reglement des Schweizerischen Fussballverbandes. Dort steht, dass auf 0:3 gegen das Heimteam entschieden wird, wenn das Licht «aus Nachlässigkeit» fehlt. Nun lag das Problem gemäss Recherchen dieser Zeitung tatsächlich im Stadion und nicht im Netz der Industriellen Werke Basel. Was genau kaputt ging – und ob dem FCB eine «Nachlässigkeit» vorgeworfen werden kann, ist aber noch nicht bekannt.

Nun muss die Swiss Football League entscheiden, ob sie die Begegnung neu ansetzt – oder ob sie die Partie mit 3:0 für den FCZ wertet. Letzteres erscheint mit Blick auf ihre bisherige Sanktionspolitik allerdings als sehr unwahrscheinlich. Als letzte Saison das Licht im ­Aarauer Brüggli­feld ausging, musste der FCZ ebenso zu einem frisch angesetzten Spiel anreisen wie der FCB 2002, als im St. Galler Espenmoos der Strom ausfiel. Es ist kaum anzunehmen, dass die Liga ausgerechnet jetzt auf Forfait entscheidet und so in das Meisterrennen zwischen YB und Basel eingreift.

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