Die Nummer 99 trifft und fliegt wieder

Guillaume Hoarau erzielt beim 5:2-Heimsieg gegen Luzern seinen ersten Hattrick für die Young Boys. Alain Rochat erfüllt mit der Torpremiere sein Jahres-Plansoll.

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Ruedi Kunz

Guillaume Hoarau mag seit vorgestern Samstag 33 Jahre alt sein. Zum alten Eisen gehört der Franzose deshalb noch lange nicht. Seit er von einer über dreimonatigen Verletzungspause auf den Fussballplatz zurückgekehrt ist, trifft er mit der gleichen Regelmässigkeit wie letzte Saison. In vier von fünf Meisterschaftsspielen hat er sich als Torschütze betätigt; es gelang ihm gegen den FC Luzern gar der erste Hattrick im Trikot des BSC Young Boys. Sein erster Treffer, ein Fallrückzieher nach einem Ravet-Corner, hat gar gute Chancen, zum Tor des Monats gekürt zu werden.

Nach dem Match mochte Hoarau kein Aufheben machen wegen der Tor-Triplette. Stattdessen machte er sich einen Spass daraus, die Journalisten mit ein paar Plattitüden («Jedes Tor ist wichtig», «Wichtig ist, dass wir gewonnen haben» usw.) abzuspeisen, ehe in der Kabine verschwand. So ist Hoarau. Und weil er einer der wenigen wirklichen Charakterköpfe in einem ansonsten weitgehend durchgekämmten Showbetrieb ist, ist ihm deswegen auch kaum jemand böse.

Die hypothetische Frage sei erlaubt, wo die Young Boys stehen würden, hätten sie in der Vorrunde auf einen gesunden Hoarau zählen können. Kaum nach Verlustpunkten nur auf Platz drei und kaum 14 Punkte hinter dem Ligadominator aus Basel, der erst noch eine Partie weniger ausgetragen hat. Keiner prägt das Berner Angriffsspiel annähernd so stark wie der «fliegende Franzose». In den oberen Stockwerken ist er ohnehin der Chefabwart, doch auch in den unteren Etagen kann er mit dem Werkzeug ganz gut umgehen. Er deckt den Ball geschickt ab, er legt Bälle zurück oder leitet sie direkt weiter, er hat einen guten Schuss und ein Näschen dafür, wo er stehen muss im gegnerischen Strafraum. Exemplarisches Beispiel dafür das 3:2 gegen Luzern, als er nach einer starken Parade von Zibung am schnellsten reagierte. Es war der Treffer, der den Innerschweizern den zwischenzeitlich aufgekommenen Mut raubte, sich im Stade de Suisse aus der Resultatkrise der Rückrunde (4 Meisterschaftsspiele ohne Punkte, 1:2 gegen Lugano im Cup-Halbfinal) zu befreien. Eine Viertelstunde vor Schluss schauten vier Gästespieler an der Fünfmeterlinie zu, wie sich der eher kleingewachsene Miralem Sulejmani in die Höhe schraubte und mit dem Kopf das vorentscheidende 4:2 erzielte.

Babbel fehlt die Galligkeit

Man kann Luzern-Coach Markus Babbel gut verstehen, wenn er bei seinen Spielern in Zukunft «mehr Galligkeit» sehen möchte bei den Luftduellen im eigenen Strafraum. Denn sie hatten bei vier der fünf Gegentreffer keine gute Figur gemacht bei Standardsituationen. Zu den Profiteuren gehörte Alain Rochat, welcher fast unbedrängt einen der vielen gefährlichen Ravet-Corner zum 1:0 einköpfeln konnte. Es war das erste Saisontor des Romands, der erst beim Abschlusstraining erfahren hatte, dass er für den verletzten Gregory Wüthrich in die Startformation aufrückt. Er erledigte seinen Job derart gut, dass er sich grosse Chancen ausrechnen kann, auch in den nächsten Partien gemeinsam mit Captain Steve von Bergen das Abwehrzentrum zu besetzen. Was wiederum die Aussichten erhöht, dass YB den Vertrag mit dem 33-Jährigen um ein weiteres Jahr verlängert. «Die Verhandlungen laufen», verriet Rochat auf Anfrage.

Nichts mehr zu verhandeln gibt es für Michael Frey, der in der Winterpause von Lille an Luzern ausgeliehen wurde. Die Frage, ob sein Herz immer noch für YB schlage, möge er bald nicht mehr hören, erklärte der Münsinger in der Mixed-Zone. Er stehe jetzt beim FCL unter Vertrag und gebe alles, damit dieser möglichst rasch wieder aus der Krise finde. Gegen YB sei längst nicht alles «so schlecht gewesen, wie man aufgrund des klaren Resultats meinen könnte». Aber eines sei schon klar: «Vier Tore nach stehenden Bällen – das geht nicht.»

Der Bund

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