Neue Millionen für GC

Wie ein Gartenbauer und ein Autohändler zusammen mit dem Vereinspräsidenten Stephan Anliker den Zürcher Fussballclub wieder an die Spitze bringen wollen.

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«In diesem Sinne», schreibt Stephan ­Anliker am Ende des letzten Aktionärsbriefs, «in diesem Sinne: Bis bald und Hopp GC!»

Jetzt sitzt der GC-Präsident im Büro seines Kommunikationsberaters Hans Klaus, einen Steinwurf vom Paradeplatz entfernt, und redet über das, was er in diesem Brief angekündigt hat und was ihm ein derart grosses Anliegen ist: über den kommenden Freitag, an dem an einer ausserordentlichen General­versammlung die Basis zur Zukunft der Grasshoppers gelegt werden soll.

Das mag nicht weiter attraktiv tönen, sicher nicht so attraktiv, wie wenn GC einen Xherdan Shaqiri verpflichten würde. Aber für Anliker ist dieser Tag deshalb von immenser Bedeutung, weil es dann darum geht, die komplizierte Struktur des Clubs zu vereinfachen und ihn für allfällige Investoren interessant zu machen. Weil zwei Aktiengesellschaften zu einer verschmelzen sollen und so die finanzielle Basis für die nächsten drei Jahre gelegt werden soll. Weil Anliker zusammen mit Heinz Spross und ­Peter Stüber vorübergehend 90 Prozent der neuen AG übernehmen will.

Der Gartenbauer Spross und der Autohändler Stüber sind seit Jahren die kräftigen Zahler im Schattenkabinett. Dass sie jetzt nach vorne treten und Verantwortung übernehmen, hilft GC nur. «Wir die neuen Machthaber?», fragt ­Anliker allerdings zurück, überlegt, redet lieber von Ankeraktionären und sagt schliesslich: «Ziel ist nicht die Macht, sondern das Erreichen des gemein­samen Ziels.» Und das heisst: GC wieder führbar machen und zurück an die Spitze der Super League bringen.

Ohne Owners kein GC mehr

GC ist ein schwerfälliges Konstrukt. Es gibt die Grasshopper Fussball Holding AG und die Neue Grasshopper Fussball AG. Die Holding gehört noch immer all den Owners, die 2011 einstiegen, um dem notleidenden Club so lange das Über­leben zu sichern, bis das einst für 2016 geplante neue Stadion auch gebaut war. Sie zahlen nun nicht mehr die rund 5 Millionen pro Saison, für die sie drei Jahre lang aufkamen. Aber Anliker betont: «Ohne Holding gäbe es GC in der heutigen Form nicht mehr. Dafür bin ich den bisherigen Aktionären sehr, sehr dankbar.» Er selbst ist einer von ihnen.

Der Holding gehört zu rund zwei Dritteln die Neue Grasshopper Fussball AG. Den Rest teilen sich der Zentralvorstand des polysportiven Gesamtvereins GC und einzelne Aktionäre, wie auch Anliker einer ist.

Wer allenfalls interessiert war, in die Fussballer von GC zu investieren, der wurde mit einer unübersichtlichen Eigentümerstruktur konfrontiert – und bald einmal auch abgeschreckt. Allein die Owners bestehen aus insgesamt 15 Personen und Gruppierungen, wobei die Gruppierungen wieder aus diversen einzelnen Personen bestehen und jede von ihnen mitreden kann.

Wieder eine «weisse Bilanz»

Die Fusion der beiden AG zur Grass­hopper Fussball AG soll nun Klarheit schaffen und die Eigentümerschaft bereinigen. Und eben den Finanzbedarf für die nächsten Jahre decken. Die notwendigen Schritte zur finanziellen Sanierung sollen an einer zweiten ausserordentlichen GV am 15. Januar erfolgen.

Doch wie die aussehen, verrät Anliker schon jetzt: Das bisherige Aktien­kapital von 2 Millionen wird durch einen Schuldenschnitt auf 200'000 Franken reduziert und dazu alle alten Schulden beglichen. Das kostet «einen eher hohen einstelligen Millionenbetrag», sagt Anliker. Er wird mit Spross und Stüber dafür zum grossen Teil aufkommen, damit es wieder eine «weisse Bilanz» gibt.

Spross, Stüber und Anliker, kurz: SSA, garantieren darüber hinaus auch die Deckung eines Fehlbetrags von jährlich 3 Millionen Franken – «mindestens drei Jahre lang und damit bis zum gesicherten Entscheid, ob das neue Stadion gebaut wird», sagt Anliker. Und auch: «Wir gehen mit dem Beispiel voran und übernehmen das Gesamtrisiko.»

Gemäss drei externen Rechtsgutachten braucht es am Freitag ein Zwei­drittelmehr, damit die Fusion zustande kommt. Anliker hat keine Bedenken, dass sie scheitern könnte. Die guten ­Resultate mit Murat Yakin als Trainer und die Ruhe im Verein haben geholfen, die mögliche Opposition zu besänftigen.


Video: Der Heilsbringer bei GC?

Murat Yakin und seine ersten Eindrücke bei den Grasshoppers (September 2017).


Ein enger Vertrauter von Spross und Stüber ist Erich Vogel. Das ist der nach wie vor streitbare Geist im Hintergrund des Vereins, bei dem er vom Juniorenspieler bis zum Vizepräsidenten schon alles war. Auch Anliker rieb sich schon an ihm und erteilte ihm Besuchsverbot für den Campus. Knapp drei Jahre ist das her, unruhig war es bei GC, viele waren untereinander zerstritten. Inzwischen reagiert Anliker entspannt auf den ­Namen Vogel. «Je mehr Know-how es gibt, desto besser», sagt er. «Aber entscheiden tue ich mit dem Verwaltungsrat und der operativen Führung.»

Spross ist GC seit 50 Jahren eng verbunden, sein Onkel Werner H. war viele Jahre die Bank des Clubs. Er hat sich ­öffentlich immer zurückgehalten, hat gesagt, es gehe um den Club, nicht um ihn. Im Mai 2014 zog er sich aus dem Verwaltungsrat bei GC zurück, «Verschwörungstheorien, ich sei quasi fremd­gesteuert, haben mich geärgert und verletzt», erklärte er damals. Reinhard Fromm, auch er Unternehmer, auch er mit einem GC-Herz, auch er damals aus dem VR zurückgetreten, sagte zu der Zeit: «Ich kann es nicht beweisen, aber ich behaupte es: Viele Ideen kommen von E. V. und werden im Verwaltungsrat von Heinz Spross weitergegeben.» Spross ertrug es nicht, dass die Angriffe gegen Vogel auf seinem Rücken aus­getragen wurden.

Aber hängen lassen hat Spross GC trotzdem nie. (So wenig übrigens wie Fromm, der Hauptsponsor ist und den Nachwuchs unterstützt.) Spross hat die wertvolle Gönnerorganisation Blue ­Label weiter präsidiert. Vor allem hat er immer weiter bezahlt, wenn das nötig war. Das ist bei GC auch immer nötig ­gewesen, seit sich die Wirtschafts­grössen Rainer E. Gut und Fritz Gerber 2004 als Besitzer zurückzogen.

Stüber ist ein Jugendfreund Vogels. Ihn hatte Vogel einst dafür gewonnen, in einen Spielerpool einzuzahlen, um GC auf diese Art Finanzmittel zu bevorschussen. Ihn überredete er Ende 2009 auch, dieses Geld abzuschreiben, als dem Verein der Konkurs drohte. Stüber ist ein Kunstfreund. Sein Vermögen hat er in der Autobranche gemacht. Im ­«Tages-Anzeiger» sagte er einmal: «Mir wurde die Liebe zum Mercedes-Stern schon mit der Muttermilch eingeflösst.» Und er erzählte, dass er sich an eine ­Devise des grossen Autobauers Gottlieb Daimler hält: «Das Beste oder nichts. Das habe ich verinnerlicht. Ob es immer gelingt, ist eine andere Sache.»

Es braucht mehr als ein Trio

Das Beste oder nichts. Das könnte auch für GC gelten, den Rekordmeister, der seit 2003 nicht mehr Meister gewesen ist, den Rekordcupsieger, der in den letzten 23 Jahren gerade noch einen Cup gewonnen hat. Die Besten wollen sie nun wieder werden. Das geht nicht ohne Leute wie Spross und Stüber. Und um sie für das Projekt GC zu gewinnen, hat ­Anliker Beharrlichkeit, Loyalität und Vertrauen gebraucht. Nun sagt er: «Wenn wir drei nicht hinstehen, würde es GC über kurz oder lang nicht mehr geben», sicher nicht als Mitglied der Super League. Zumindest er sieht das so.

Anliker weiss aber auch: Es braucht mehr als Spross, Stüber und ihn, um die Träume von alter Grösse zu verwirklichen. Darum ist ihm die Vereinfachung der Struktur so wichtig, um Investoren für ein Engagement gewinnen zu können. Es gebe Interessenten, sagt er. Und berichtet von Gesprächen mit Leuten, die sich den Traum erfüllen wollen, an einem Fussballclub beteiligt zu sein, mit Fussballclubs, die an einer Kooperation interessiert sind, oder mit Personen, die über GC ein geschäftliches Netzwerk entwickeln wollen.

«Bisher konnten wir ihnen gar nichts verkaufen», sagt Anliker. Zu verschachtelt war GC organisiert. Die GV vom Freitag soll das also entscheidend ändern. Anliker, Spross und Stüber würden ihren Aktienanteil von 90 Prozent bald gerne reduzieren, sie möchten teilen mit Leuten, denen sie vertrauen. Eines aber stehe für sie immer im Vordergrund, sagt Anliker: «Wir wollen ein Zürcher Club bleiben.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.11.2017, 22:38 Uhr

Heinz Spross (70) ist Gartenbauunternehmer in Zürich mit einem geschätzten Vermögen von 275 Millionen Franken.

Stephan Anliker (61) ist Mehrheitsaktionär des Langenthaler Architekturunternehmens Ducksch-Anliker.

Peter Stüber (78) ist grösster Mercedes-Händler der Schweiz mit einem geschätzten Vermögen von 650 Millionen. Anliker bleibt Präsident, Spross und Stüber werden im künftitgen Verwaltungsrat vom neuen Vizepräsidenten Roland Klein vertreten. Dem VR gehören auch Georges Perego, Stav Jacobi und Andras Gurovits an. (ths.)

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