Zum Hauptinhalt springen

«Die Männer würden streiken»

US-Soccerstar Abby Wambach klagt an der WM in Kanada über den Kunstrasen und wird dafür gleich selber kritisiert.

«Ein Albtraum»: Amy Wambach und der grüne Plastik.
«Ein Albtraum»: Amy Wambach und der grüne Plastik.
Keystone

Nicht alle Fifa-Regeln sind einfach zu durchschauen. Besonders schräg etwa ist jener Passus, der an der Frauen-WM gegriffen hat. Er besagt: Spielt ein Team zweimal hintereinander im selben ­Stadion, darf es vor dem zweiten Spiel nicht mehr in diesem Stadion trainieren. Stattdessen muss auf den Übungsplatz ausgewichen werden. Alle Teams waren davon betroffen, weil die sechs Gruppen an den ersten zwei Spieltagen fix auf die sechs Spielorte verteilt waren.

Es ist ja gerade der grosse Vorteil von Kunstrasen, dass er nicht geschont werden muss, sondern im Gegenteil sehr ­belastbar ist. Tag für Tag. Dass es ein Ganzjahresplatz ist, den Dorfclubs sich beschaffen, damit ihre Mannschaften auch trainieren können, wenn es im ­November regnet und im Februar schneit.

Nur fiel nun in den ersten zwei WM-Wochen nicht ganz so viel Schnee. Vielmehr brannte oft die Sonne vom Himmel, und dass Kunstrasen bei Hitze sehr heiss werden kann, ist einer seiner Nachteile. Er stinkt mehr und ist auch gefährlicher. Stark bewässert muss er werden, um rutschende Fussballerinnen vor Schürf- und Brandverletzungen zu schützen. Das scheint aber wenig zu nützen. Die deutsche Nationaltrainerin Silvia Neid sagt: «Es ist schade um das Wasser. Wenn man ihn gesprengt hat, ist er nach fünf Minuten wieder trocken.»

«Das ist absurd»

«Ein Albtraum», klagte Abby Wambach, «du überlegst dir zweimal, ob du wirklich in ein Tackling gehen oder grätschen sollst.» Die Amerikanerin ist eine der schärfsten Kritikerinnen des Plastikfussballs, von ihr war die Klage aus­gegangen, die dies an der WM hätte verhindern ­sollen. «Männer würden streiken», hatte sie gesagt. Mitgetragen wurde die (später fallengelassene) Klage von mehr als 60 Spielerinnen aus aller Welt.

Es gibt aber auch Stimmen wie die von Lia Wälti. «Durch den Kunstrasen kann der Frauenfussball noch interessanter werden», findet sie. Die Deutsche Dzsenifer Marozsan sagt: «Der ­Rasen ist schneller, man muss präziser und konzentrierter spielen.» Der Kolumnist des US-Senders ESPN grätschte nach Wambachs Aussage gar empört dazwischen. «Das ist absurd», schrieb er. «Ja, das Turnier hätte auf Naturrasen ­gespielt werden sollen, wird es aber nicht. ­Deshalb sollte man das nicht ständig als Ausrede für schwache Leistungen missbrauchen.»

Nicht ganz glücklich ist auch die Schweizer Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg. «Sollen sich die anderen Teams über den Kunstrasen beklagen, wir tun das nicht», hatte sie noch vor dem Turnier gesagt. Nun leiden zwei ­ihrer Spielerinnen an Adduktorenbeschwerden, Captain Caroline Abbé und Lara ­Dickenmann. Die Trainerin will einen ­Zusammenhang mit der härteren Unterlage zumindest nicht ausschliessen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch