Die grosse Sprachlosigkeit

Nach dem geplatzten Traum von der Champions League trauert der FC Basel einer verpassten Chance nach. Und er ist sich nicht ganz einig, welches Ziel nun ausgerufen werden soll.

Ein Bild, das mehr sagt als 1000 Worte: Ersatzgoalie Germano Vailati muss den weinenden Torjäger Breel Embolo trösten.

Ein Bild, das mehr sagt als 1000 Worte: Ersatzgoalie Germano Vailati muss den weinenden Torjäger Breel Embolo trösten.

(Bild: Keystone)

Florian Raz@razinger

Still sei es gewesen in der Garderobe des FC Basel, «sehr, sehr still» sogar sagt Georg Heitz, «jeder Spieler muss das für sich selber verarbeiten». Der Sportdirektor des FC Basel steht kurz nach Mitternacht vor dem Seiteneingang des Bloomfield Stadions und versucht, dieses Ausscheiden einzuordnen, dieses Scheitern in der Qualifikation zur Champions League gegen Maccabi Tel Aviv. «Wir haben eine grosse Chance verpasst», sagt Heitz mit Blick auf die überschaubaren Qualitäten des Widersachers, «aber wir sind auch etwas unglücklich ausgeschieden.»

Wobei es vor allem das Hinspiel ist, jenes 2:2, von dem die Basler behaupten dürfen, dass sie für ihren Aufwand zu wenig belohnt worden sind. Beim 1:1 im Rückspiel aber war das nach spätestens dem Ausgleich durch Eran Zahavi keine Leistung, die zwingend einen Sieg verdient gehabt hätte.

«Jetzt müssen wir dafür büssen»

Trotzdem hat Urs Fischer seine Mannschaft zweimal als die bessere gesehen und erklärt nach dem Rückspiel: «Wenn man sich die beiden Partien anschaut, dann kommen wir normalerweise in die Gruppenphase.» Der Basler Trainer wirkt ruhig und gefasst, als er das Ausscheiden kommentieren muss: «Fussball ist nicht immer logisch, jetzt büssen wir dafür.»

Er wünscht dem Gegner zum Abschluss noch «viel Glück in der Champions League» und erhält dafür zarten Applaus der israelischen Medienleute. Aber als der Zürcher danach nach draussen trottet, über den Vorplatz zwischen Medienraum und Stadion, hin zu seinen Spielern, da wirkt der Schritt schwer.

Callàs riesige Enttäuschung

Logisch, denn der FCB hat soeben sein erstes grosses Saisonziel verpasst. Er erhält rund neun Millionen Euro weniger Prämie, als wenn er die Champions League erreicht hätte. Und er muss damit leben, dass seine Spieler weniger im Rampenlicht stehen und somit weniger schnell an Wert gewinnen.

Doch solche Gedanken an Prämien und künftige Transfers sind weit weg, als Davide Callà nach draussen in die schwüle Tel Aviver Luft tritt. «Eine riesige Enttäuschung» trägt er mit sich. Er trauert den verpassten Chancen aus dem Hinspiel nach: «Die wären mehr als in unserer Reichweite gelegen.» Und er analysiert korrekt: «Wir haben einfach dieses eine Tor zu viel erhalten.»

Nur als Callà zum dreifachen Torschützen Eran Zahavi meint, der habe «Weihnacht, Ostern und Geburtstag gleichzeitig» gehabt, liegt er wohl etwas daneben. Man könnte nämlich auch einfach festhalten: Wer wie Zahavi in zwei Spielen aus drei Torschüssen drei Tore macht, der verfügt über eine gewisse Klasse.

Die Sache mit dem Final daheim

Über die müsste eigentlich auch der FCB verfügen. Hatte Sportdirektor Heitz vor der Partie doch noch festgehalten, die Mannschaft sei so zusammen gestellt, «dass sie in der Champions League mithalten könnte». Doch an diesem Dienstag war davon zu wenig zu sehen. Möglich, dass auch die Ausfälle von Matias Delgado, Marc Janko und Zdravko Kuzmanovic schwer wogen. Als Ausrede mag das kurz nach dem Scheitern aber kein Basler anführen.

Die letzten freudetrunkenen Maccabi-Fans haben das Bloomfield längst verlassen, als Georg Heitz versucht, mit dem Blick in die Zukunft auch wieder etwas Zuversicht zu verbreiten: «Jetzt wollen wir uns am Wochenende gegen den FC Zürich rehabilitieren, wenn das überhaupt geht.»

Davon, nun das Erreichen des Europa-League-Finals als Ziel auszurufen, weil der in Basel stattfindet, hält er dann allerdings wenig. Auch wenn Verteidiger Behrang Safari genau das unmittelbar nach dem Schlusspfiff vor der Kamera des Schweizer Fernsehens mit einem kleinen Augenzwinkern tut. Aber Heitz winkt ab: «Es bringt nichts, jetzt Ziele auszurufen, die doch eher unrealistisch sind.»

DerBund.ch/Newsnet

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