Die geschlagenen Löwen

Der FC Thun verliert in Sion nach gutem Start 1:2. Es ist ein weiterer Rückschlag für den dezimierten Tabellenletzten.

Weiterer Rückschlag: Die Thuner kämpfen im Tourbillon, können sich aber nicht belohnen.

Weiterer Rückschlag: Die Thuner kämpfen im Tourbillon, können sich aber nicht belohnen.

(Bild: Freshfocus/Pascal Muller)

Simon Scheidegger@theSimon_S

Es ist Halbzeit im Tourbillon. Ein älterer Herr im Lift zur VIP-Loge sagt zum andern: «Diesmal kam das Gegentor erst nach sechs Minuten. Letzte Woche waren wir zu diesem Zeitpunkt schon 0:2 hinten. Wir machen Fortschritte.» Gelächter, ehe die Tür aufgeht und sich die Herren zu einem Glas Fendant verabschieden.

Dreimal in Folge hat der FC Sion zuletzt verloren. Der oft bemühte, selten nachgewiesene positive Effekt des Trainerwechsels, diesmal von Stéphane Henchoz zu Christian Zermatten, ist längst verflogen. Und nun, da man sogar gegen das Schlusslicht zurückliegt, hilft nur noch Galgenhumor.

Gerbers gutes Gefühl

0:1 liegt der FC Sion zu diesem Zeitpunkt im Hintertreffen. Gegen einen FC Thun, der auf tiefem Terrain solidarisch kämpft, rennt, grätscht. «Die Einstellung hat gestimmt», sagt Basil Stillhart. «Diesbezüglich können wir uns keinen Vorwurf machen.» Der Mittelfeldspieler steht am Ursprung dieses ersten Treffers nach gut sechs Minuten. Mit einem Aussenristpass schickt er Saleh Chihadeh in die Tiefe, ehe dieser den Ball kaltblütig zur Führung über den Goalie chippt.

Es ist ein Traumstart für die Thuner. Und im Verlauf der ersten Halbzeit wächst bei Sportchef Andres Gerber das Gefühl, dass an diesem kühlen Samstagabend etwas drinliegen könnte. Weil er ein ganz anderes Team sieht als noch in der Vorwoche gegen Lugano, eines, das defensiv wenig zulässt und dem Gegner in den vielen Zweikämpfen Paroli bietet. Pajtim Kasami, im letzten Spiel gegen YB noch umjubelter Dreifachtorschütze für die Sittener, schlüpft primär in die Rolle des Lamentierers, und da Chihadeh gleich die erste Thuner Chance verwertet, deutet einiges daraufhin, dass die Oberländer den 3. Saisonsieg würden bejubeln können.

«Ich hatte wirklich das Gefühl, dass wir gewinnen», sagt Gerber. Der 46-Jährige muss in diesem Moment doch wieder über eine Niederlage sprechen, die elfte in dieser Spielzeit, und doch ist die Gefühlslage eine andere als auch schon. «Wir haben gekämpft wie die Löwen. Das hat mir gefallen.» Aber, konstatiert Gerber, durch den vielen Kampf gingen zusehends die spielerischen Elemente verloren. Die Thuner schafften es nicht, den Ball in den eigenen Reihen zu halten und wurden vom Heimteam immer mehr in die eigene Platzhälfte gedrängt.

«Wir haben in der zweiten Halbzeit zu wenig Fussball gespielt», sagt Marc Schneider. Der Trainer lobte zwar die Einstellung seines Teams, sah aber auch, dass ihm die Kontrolle mit zunehmender Spieldauer abhanden kam, umso mehr, nachdem mit Matteo Tosetti der beste Kreativspieler nach einem Tritt auf den Fuss angeschlagen ausgewechselt werden musste. Der Tessiner lief nach dem Spiel an Krücken durch die Katakomben, wie lange er ausfällt, ist unklar, aber anhand dieses Ausfalls lässt sich illustrieren, wie dem FCT die Partie entgleiten konnte.

Schneider bringt Sven Joss für Tosetti. Es ist das Signal, dass die Führung verteidigt werden soll, irgendwie. Es ist aber auch ein Beleg dafür, dass sich die Thuner zu ­allen sportlichen Schwierigkeiten auch personell in einer angespannten Situation befinden. Mit Karlen, Castroman, Hediger, Salanovic und Bigler fehlen fünf Spieler, die in der Zentrale für Stabilität sorgen oder offensiv Akzente setzen könnten.

«Im Moment sind wir schon sehr dünn besetzt», sagt Schneider. Sein Antipode Christian Zermatten wechselt derweil mit Itaitinga und Doumbia die beiden Sittener Torschützen zur Wende ein. Schneider hadert nicht mit diesem Umstand, aber er sagt: «Es tut mir weh für die Jungs, dass sie schon wieder spät einen Rückschlag hinnehmen mussten.»

Schneiders Forderung

Nach dem Schlusspfiff zurück im Lift: Siegtrunken wird schwadroniert, wie stark der FC Sion doch reagiert habe und wie schwach der FC Thun doch sei. Es sind die grossen Töne, die sich mit den drei Punkten im Gepäck leichter anstimmen lassen, Fendant-unterstützt sowieso. Doch einer tritt auf die Euphoriebremse und sagt mit Rapps Kopfballchance in der Schlussphase im Hinterkopf: «Fickentscher hat uns gerettet.»

Diese Anerkennung ist aus Thuner Sicht ein schwacher Trost. Ebenso, dass die direkten Konkurrenten Xamax (0:1 gegen Zürich) und Luzern (1:4 gegen St. Gallen) verloren haben. Lugano liegt nach dem 1:0 gegen Servette nun mit 10 Punkten Vorsprung auf Rang 7. Schneider sagt: «Die anderen Resultate interessieren mich nicht. Wir müssen schauen, dass wir in den letzten zwei Spielen vor der Weihnachtspause punkten. Das wird schwer genug.»

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