Die Frage

Grädel befindet sich in einer Existenzkrise und sucht halt bei Freunden und Familie - aber es hilft alles nichts.

hero image

Wer hat das nicht selbst schon erlebt: ein kleiner dummer Aussetzer, einmal kurz nicht aufgepasst, und schon liegt der Scherbenhaufen vor einem. Bei Nuhu und von Ballmoos neulich war es ein klassischer Abstimmungsfehler in der Defensive, bei Grädel einer zwischen Bauch und Hirn. Ganz spontan stellte er seiner Frau eine Frage und erschrak auf der Stelle, als er sich gewahr wurde, was er da von ihr wissen wollte: «Schatz, wie hoch schätzest du eigentlich meinen aktuellen Marktwert ein? Und wo läge bei einem allfälligen Transfer deine Schmerzgrenze?»

Grädels Frau war baff. Aber so dumm die Frage auch ist, so berechtigt und angebracht ist sie gerade in solchen Zeiten halt auch, rechtfertigte sich Grädel. Er möchte bloss einen Anhaltspunkt haben und sich irgendwo auf einer Skala einordnen können.

Auf Neymar klebt ein 222-Millionen-Euro-Preisschild, Manchester liess sich Pogba über hundert Millionen Euro kosten. Das Preisschild auf Ravet dagegen ist viel, viel zu tief. Findet YBs Sportchef Spycher, findet auch Grädel, in dessen persönlichem Fussballolymp Ravet aktuell zwischen Cruyff und Maradona sitzt. So oder so, Transferwerte sind komplett abstrakte Zahlen, und Grädels Frau erklärte leicht angesäuert, dass sie die Fragestellung äusserst abenteuerlich und abwegig finde, aber vielleicht einmal länger darüber nachdenken wolle.

Grädel hat dieselbe Frage tags darauf auch seinem Chef gestellt. «Deinen Lohn, Grädel. Aber auch nicht wirklich jeden Tag. Ich komme bei den Lohnabrechnungen immer hart an meine Schmerzgrenze, das kannst du mir glauben», kam die Antwort, gefolgt von einem schelmischen Grinsen. Später, am Abend beim Jassen, wollte er von seinen Kollegen eine Einschätzung, hier einigte man sich auf einen sehr volatilen Wert: «Immer so viel wie dein höchstes Blatt, Max. Also alle Schaltjahre mal ein Ass oder so!»

Was Grädel wert ist, weiss er also immer noch nicht einmal annähernd. Seinen Lohn, multipliziert mit einem Ass, geteilt durch die Anzahl Ehejahre vielleicht. Ein lächerlicher Wert, weit entfernt von den astronomischen Summen, die katarische Scheichs eben mal so auf einen Scheck kritzeln, wenn sie gerade mal wieder einen mentalen Aussetzer haben und ihr Geld mit solchen Fantasietransfers verbrennen. Da findet Grädel dezidiert, dass die Schmerzgrenze schon lange überschritten wurde. Ganze 222 Millionen für einen Spieler – das tut einfach nur noch weh.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt