Die Form und die Freude sind zurück

Beim 4:3-Sieg von YB wirbelte der zweifache Torschütze Miralem Sulejmani die Basler durcheinander.

Tore machen Spass: Miralem Sulejmani bejubelt das 2:1 gegen Basel.

Tore machen Spass: Miralem Sulejmani bejubelt das 2:1 gegen Basel.

(Bild: Keystone)

Meistens marschierte er bisher nach Spielschluss, ohne einen Blick nach links oder rechts zu werfen, in der sogenannten Mixed-Zone an den Journalisten vorbei in die Kabine: Mit seiner Körpersprache sendete Miralem Sulejmani klare Signale aus: «Lasst mich in Frieden, ich will nichts erklären.»

Während diesen Wochen im Sommer wirkte der Serbe nach den Spielen jeweils erschöpft, obwohl er auf dem Feld kaum aufgefallen war oder dann mehr als einmal mit unglücklichen Aktionen und gravierenden Ballverlusten.

Doch nicht erst seit Adi Hütter die Young Boys antreibt, ist das anders. Beim 3:1-Auswärtssieg vor einem Monat in Sion unter Interims-Chefcoach Harald Gämperle war der 26-jährige Serbe erstmals ein Faktor bei YB gewesen. Und seither geht es stetig aufwärts. Und jetzt, da seine Füsse immer leichter werden und er nach einem Sprint oder gewonnenen Zweikampf nicht in sich zusammensinkt, sondern Kraft in den Beinen und Luft in den Lungen hat, um den Ball ins Tor zu hämmern, jetzt wird er für die Gegner zum Problem.

Das musste Basels Taulant Xhaka am Mittwoch in der 5. Minute beim 1:0 der Berner erfahren. Nach einem Freistoss von Delgado in die YB-Leibermauer drosch Rochat den Ball in Not nach vorne, an der Mittellinie versuchte Xhaka gegen Sulejmani an den Ball zu kommen; er wurde aber im Sprint-Duell schlicht dominiert und dann beim entscheidenden Zweikampf krass düpiert.

Nur 34 Pflichtspiele in 2 Jahren

Und auch beim zweiten YB-Tor kurz vor der Pause bekamen die Basler keinen Zugriff auf den sprintenden Sulejmani, bevor er aus vollem Lauf zu seinem ­fulminanten Schuss ansetzte. Mit den Toren hat Sulejmani auch wieder Lust zu kommunizieren, vor den Medien zeigt er sich nicht mehr so wortkarg. Doch es sind keine forschen Töne. Er gibt sich weit zurückhaltender als noch nach Spielschluss auf dem Feld, als er sich mit Breel Embolo einen heftigen, kurzen Disput geliefert hatte. Auf die Frage, wie er seinen Fitnesstand einschätze – 80, 90 oder 100 Prozent? –, antwortete Sulejmani: «Ich kann das nicht in Prozenten ausdrücken. Ich fühle, dass es von Spiel zu Spiel besser wird. Ich bin glücklich, dass ich jetzt wieder in den Rhythmus komme. Ich habe vergangene Saison nur wenig gespielt.»

In den zwei Jahren bei Benfica Lissabon hatte Sulejmani lediglich 34 Pflichtspiele bestritten, meistens als Auswechselspieler. Und nach diversen Verletzungen spielte er zuletzt an der Bucht des Tejo überhaupt nicht mehr.

Die vielen Spiele zum Saisonauftakt im Dreitagerhythmus, mit den Qualifikationsspielen zur Champions League und danach zur Europa League, hätten ihm Probleme bereitet. «Die Zeit für die Regeneration fehlte mir. Jetzt habe ich mehr Ruhezeiten zwischen den Spielen, und das kommt mir entgegen.»

Das Ausscheiden aus dem europäischen Clubfussball kostet YB mit dem teuren Kader erheblich Geld. Doch dem neuen Trainer Adi Hütter gereicht diese Situation eher zum Vorteil. Er ist für die Vergangenheit nicht verantwortlich und hat nun im Wochenrhythmus Zeit und Musse, seiner Mannschaft seine Ideen vom Fussball nahezubringen. «Wir trainierten vergangene Woche immer dasselbe: Nach Ballverlust mussten wir den Ball möglichst schnell und aggressiv zurückerobern», erzählte Renato Steffen. «Auch gegen Basel sind wir einige Male 20 Meter vor dem gegnerischen Tor an den Ball gekommen. Wir leisten gemessen an Kilometern nicht mehr Laufarbeit als zuvor, aber wir müssen zu viel mehr Sprints ansetzen, und ­dadurch wird auch das Spiel intensiver. Noch sind wir nicht in der Lage, dies als Mannschaft über 94 Minuten voll durchzustehen. Aber das ist das Ziel.»

Hütter wird selektionieren

Interessant war auch, was Adi Hütter nach seinem Interviewmarathon am Schluss im Kreise von österreichischen TV-Journalisten erklärte. Er habe nun drei Monate Zeit, seine Spieler genau ­unter die Lupe zu nehmen. «Da wird sich zeigen, welche Spieler bei YB meinen Weg gehen können und welche dazu nicht in der Lage sind. Diejenigen, die das nicht schaffen, werden keinen Platz mehr bei YB haben.»

Im Winter gebe es wieder ­Gelegenheit, auf dem Transfermarkt tätig zu sein, meinte der YB-Trainer. Dass Hütter aber seinen Weg mit seinen beiden schnellsten Spielern gehen will, mit Sulejmani und Steffen, das steht ausser Frage.

Der Bund

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