Die Familie als Kraftort

Seit zwei Monaten spielt Kasim Adams Nuhu bei YB. Der junge Ghanaer ist eine Figur mit vielen Facetten.

Von Ghana über Spanien zu YB: Kasim Adams Nuhu.

Von Ghana über Spanien zu YB: Kasim Adams Nuhu. Bild: Thomas Hodel/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie trägt einen ganz besonderen Namen, die neue Nummer 24 der Young Boys: Kasim Adams Nuhu. «Ich kann gerne ­erklären, was es damit auf sich hat», sagt der junge Verteidiger aus Ghana mit einem Strahlen im Gesicht. «Kasim, das ist mein Name. Adams, das ist jener ­meines Vaters. Und Nuhu, das ist der Name meines Grossvaters.»

Der 21-Jährige ist sehr stolz auf seine Familie und spricht gerne und ausführlich über sie. Den Namen seines Grossvaters trage nur er, nicht aber seine drei Schwestern und auch nicht sein älterer Bruder. «Mein Grossvater war ein toller Mensch, er hat viel Gutes getan und war geschätzt in unserer Gemeinde. Um ihn zu ehren, habe ich seinen Namen auch gewählt», sagt der Jüngste seiner Familie. Aus derselben Motivation trägt er auf seinem Dress nicht den eigenen ­Namen, sondern jenen seines Vaters. «Ich habe vor drei Jahren meine Mutter verloren, seither ist er allein. Das soll ein Zeichen sein, dass wir an ihn denken, dass wir ihm immer helfen werden.»

Als Kind heimlich zum Training

Er hat seinem Vater längst verziehen, dass dieser anfänglich nicht wollte, dass der junge Kasim Fussballer wird. Als Kind musste er deshalb daheim die Fussballschuhe verstecken und heimlich zu Trainings und Spielen gehen. Die Mutter dagegen zeigte mehr Verständnis und unterstützte ihn bei seinem Vorhaben, Profi zu werden. «Es war der schlimmste ­Moment in meinen Leben, als ich sie verloren habe, ich habe sie sehr geliebt», sagt Kasim und wirkt gerührt. Das war vor drei Jahren, just in dem Moment, als er sich nach Spanien aufmachte, um sich seinen Traum zu erfüllen.

Der junge Kasim war Spähern des ­Madrider Vorortclubs Leganés aufgefallen, als dieser mit Ghanas U-17-Auswahl ein Turnier in Japan bestritt. Daheim brauchte es zuerst aber viel Überzeugungsarbeit, bis auch der Vater in den Transfer ins Ausland einwilligte. Bei ­Leganés, heute in der Primera Division, damals noch in der 2. Liga B, dauerte es nur vier Monate, bis der wuchtige Verteidiger den Beobachtern des ambitionierten Zweitligisten Mallorca auffiel. Nach dem Wechsel zum Club auf den Balearen ging es schnell. Zuerst bei den Reserven eingesetzt, erhielt er wegen Personal­problemen bald eine Chance, sich im Profiteam zu präsentieren. Und wie er das tat: Er erzielte im ersten Spiel beim 3:3 gegen Barcelonas B-Auswahl gleich zwei Tore für Mallorca. «Wow, das war ein grossartiges Gefühl!», schwärmt ­Kasim Adams Nuhu von diesem ­Erlebnis. «Es war einer der glücklichsten ­Momente in ­meinem Leben.»

Der russische Coach Waleri Karpin setzte sofort auf das Talent, sodass der junge Ghanaer 2014/15 gleich 20 Spiele bestritt und für die neue Saison seinen ersten Profivertrag erhielt. Es ging aber nicht so wunderbar weiter für den Verteidiger. Karpin war entlassen worden, der Club hatte Probleme, und der junge Verteidiger musste regelmässig bei den kriselnden Reserven aushelfen. So bestritt er letzte Saison nur sechs ­Partien in Spaniens 2. Liga und war froh, als sich die Young Boys bei seinem Manager meldeten. «Ich wollte mehr Spielzeit auf der Profistufe und war froh, dass sich Mallorca und YB einigen konnten.» Dass er gleich zwei Jahre nach Bern ausge­liehen worden sei, sei «besser» für ihn, «weil ich hier in der obersten Liga spielen kann und mit der Europa League eine gute Bühne erhalte, mich zu präsentieren».

Bereut hat er den Wechsel nach Bern noch keinen Moment, wie er sagt. «Ich wurde aufgenommen, wie man das in einer Familie tut. Das gibt mir ein Gefühl, als wenn ich schon fünf oder sechs Jahre hier wäre.» Der Neuling hat viel Spass, wenn bei YB in der ­Kabine Musik gemacht oder getanzt wird, «weil ich dies sehr mag». Er schätzt es auch, dass ihm Spieler wie Sanogo oder Hoarau ihre Hilfe anbieten, wenn er diese nötig hat, und dass er auf dem Platz von Steve von Bergen geführt wird. «Er ist sehr wichtig für das Team und für mich. Von seiner Erfahrung kann ich sehr viel profitieren.» Es sind diese ersten Eindrücke und diese Geborgenheit, die er spürt und die für ihn so wichtig ist, die ihn sagen ­lassen: «Ich bin glücklich hier in Bern.»

Vor dem ersten harten Winter

Dass er die Stadt noch kaum kennt, dass er sich ausser einer Familie aus Ghana, die ihn ab und zu zum Essen ­einlädt, noch weitere Freude suchen muss, dass er bald erstmals einen richtigen Winter ­erleben wird, all das sei kein ­Problem für ihn. «Das sind Dinge, die nur mich betreffen, mit denen ich selber ­fertig werden muss», sagt Kasim Adams Nuhu. Im Moment verbringt er in seinem ­Appartement nahe beim Stadion noch viel ­Freizeit vor dem Laptop. «Ich skype manchmal bis zu drei Stunden mit ­meiner Familie, das ist mir sehr wichtig.» In den Ferien will er sie in Ghana besuchen, darauf freut er sich.

Fussballerisch hat er sich bereits ­bestens integriert. In den fünf Pflichtspielen, in denen der 1,90 Meter grosse Innenverteidiger bisher mittat, hat YB nur einen Treffer kassiert. Er hat in ­Spanien gelernt, dass ein moderner Verteidiger nicht nur den Gegner kontrollieren muss. Es braucht ihn auch als ball­sichere Anspielstation und als Spielauslöser. Das sind jene Qualitäten, die sein Trainer auf dieser Position so schätzt. Adi Hütter ­attestiert seinem Verteidiger das Potenzial zum «Topspieler».

Bis 2018 dauert der Leihvertrag des Ghanaers mit YB, bis 2019 sein ­Kontrakt mit Mallorca. «Was dann kommt, weiss nur Gott», sagt der Spieler mit der Überzeugung, die ihm sein Glaube gibt. Vorerst will er die Chance bei YB packen und ­dafür sorgen, dass die Fans an ihm viel Freude haben – an Kasim Adams Nuhu. (Der Bund)

Erstellt: 30.10.2016, 07:49 Uhr

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Die Welt in Bildern

Spielen im Schnee: Die zwei chinesischen Riesenpandas Chengjiu und Shuanghao geniessen das kalte Wetter im Zoo von Hangzhou (9. Dezember 2018).
Mehr...