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Die etwas andere Viererkette

Für Teamathleten ist das Individualtraining in der Spitzensport-RS eine Herausforderung. Ein Wochenrückblick mit den jungen YB-Talenten Djibril Sow und Michel Aebischer.

YBs Michel Aebischer (rechts) im Heimspiel gegen GC am 10. Dezember.
YBs Michel Aebischer (rechts) im Heimspiel gegen GC am 10. Dezember.
Peter Schneider, Keystone

Sonntagabend, 22 Uhr. Während sich die Teamkollegen von der Partie gegen GC (1:1) erholen, steigen Michel Aebischer und Djibril Sow ins Tenue grün: einrücken. Die beiden YB-Spieler absolvieren die Spitzensport-Rekrutenschule in Magglingen, seit Ende Oktober sind sie dran, elf Dienstwochen liegen noch vor ihnen. Mit 36 anderen Schweizer Talenten sind sie im Zug, es sind Athleten aus dem ganzen Land, Frauen und Männer, Einzel- und Teamsportler. Die Trainingsbedingungen in Magglingen sind gut, die Ausbildung ist sehr flexibel, «uns fehlt es dort oben an fast nichts», sagt Aebischer. Für Mannschaftssportler wie die beiden Fussballer bleiben die grünen Wochen im Dienste des Vaterlands aber eine Herausforderung: Vor der Partie morgen in Luzern haben sie nur zweimal mit dem Team trainiert.

Dienstagabend, 17 Uhr. Nach der allmorgendlichen Ausbildung (Tagwacht: 6.30 Uhr) zum Militärsportleiter haben Sow und Aebischer den Rest des Tages mit den anderen Fussballern unter Oliver Riedwyl trainiert. Riedwyl ist Konditionstrainer bei der Nationalmannschaft, in der Spitzensport-RS in Magglingen arbeitet er mit den aktuell vier Fussballern zusammen. «Bei dieser Gruppengrösse machen wir etwas mehr für Kraft und Ausdauer und arbeiten weniger mit dem Ball am Fuss», sagt Aebischer. Für den Abend dann haben der Freiburger und sein Zürcher Teamkollege Sow eine Sondergenehmigung – das Weihnachtsessen mit dem YB-Betrieb steht an. In den letzten Wochen mussten die beiden Dutzende solcher Gesuche einreichen: Sei es für Reisen mit der Europa League, für Spiele unter der Woche, alles will bewilligt sein. «Und zwar vom Hauptfeldweibel», wie Sow pflichtbewusst ergänzt.

Freitagnachmittag, 14 Uhr. Vor der YB-Mannschaftssitzung treffen Sow und Aebischer in Bern ein. Pressetermin, Teamsitzung, Training – für sie endlich wieder ein paar Stunden im Kreis der Mannschaft. In diesen Wochen lenken die beiden 20-Jährigen als Duo in der Mittelfeldzentrale die Geschicke der Young Boys, in den letzten sechs Partien standen sie fünfmal nebeneinander in der Anfangsformation. Ausgerechnet jetzt müssen sie zwischen Bern und Magglingen, Fussball und Militär pendeln. «Sie spielen im Herzen der Mannschaft, das ganze Team orientiert sich auf dem Feld an ihnen», sagt Trainer Adi Hütter, «da ist es natürlich nicht ideal, sind sie nicht so oft da im Moment.» Viele taktische Einheiten standen bei YB in den vergangenen sehr anstrengenden Wochen aber ohnehin nicht auf dem Trainingsplan. «Sie machen ihre Sache sehr gut», sagt Hütter, «man darf nicht vergessen, wie jung sie noch sind.»

Nicht nur Gemeinsamkeiten

Sonntagnachmittag, 16 Uhr. Wenn YB zum letzten Spiel des Jahres in Luzern antritt, werden Sow und Aebischer vielleicht wieder auf dem Platz stehen, ganz bestimmt einer der zwei. Der Konkurrenzkampf im zentralen YB-Mittelfeld ist aufgrund von Verletzungen nicht so intensiv wie auch schon. Der etwas routiniertere Leonardo Bertone ist nach einer längeren Absenz eben erst wieder fit geworden, Teamleader Sékou Sanogo kämpfte die letzten beiden Wochen mit muskulären Problemen. Für morgen Sonntag und die Partie in Luzern deutet vieles auf ein Comeback des Ivorers hin. «Wir nehmen es, wie es kommt», sagt Sow. «Am Anfang der Saison hätten wir ja auch kaum gedacht, dass wir während Wochen zusammen im Zentrum spielen würden», meint Aebischer.

Es ist ein spezielles Duo, das sich da bei den Young Boys hervorgespielt hat. Zuallererst fallen die Gemeinsamkeiten auf. Am 6. Januar wird Michel Aebischer 21, genau einen Monat später auch Sow. Sie sind fast gleich gross (1,82 und 1,84 Meter), spielen dieselbe Position, sind Rechtsfüsser. Beide sagen von sich, die Offensive zu forcieren und das technische, das überlegte Spiel zu bevorzugen. Doch in den Bewegungen gibt es Unterschiede. Sow ist ein Tänzer am Ball, er berührt ihn oft und gerne, das ist sein Stil, so erkennt man ihn, von weitem schon. Früh war der Vergleich mit Gökhan Inler zur Stelle, vieles an Sow erinnert an den früheren Nationalmannschaftscaptain. Aebischer ist da anders. Vor bald zwei Monaten in Luzern bereitete er Miralem Sulejmanis Siegtreffer mit einem Traumpass vor: ein Schritt, ein Blick, das Abspiel. Der Assist versinnbildlicht seinen Auftritt, überhaupt seine Spielweise im gelb-schwarzen Dress: präzis, ruhig, schnörkellos.

«Wir Fussballer sind privilegiert»

Mit Sow und Aebischer im Zentrum entsteht auf dem Platz eine ziemlich solide Viererkette. Obwohl sie in den letzten Wochen auch gelernt haben, in einem etwas anderen Riegel zu verschieben. «Weil wir etwa gleich gross sind, marschierten wir in der Grundausbildung jeweils auch nebeneinander, wenn wir Zugschule übten», erzählt Aebischer. Mit militärischen Formationsübungen ist es aber schon länger vorbei. Im Verbund wird wieder ausschliesslich auf dem Fussballplatz verschoben – und nach der dreiwöchigen Grund ausbildung in der Spitzensport-RS vor allem trainiert. Was so schlimm auch nicht sei, wie die beiden mit einem Augenzwinkern versichern.

Und, was fällt den Fussballern nach nun schon sieben Wochen mit einigen der talentiertesten Schweizer Sportlerinnen und Sportlern auf? «Wir sind sehr privilegiert. Nicht alle Sportler stehen finanziell so gut da wie wir», sagt Sow nachdenklich.

Morgen Sonntagabend, 22 Uhr. Privilegiert werden sich Sow und Aebischer in dem Moment nicht vorkommen. Nach dem Spiel in Luzern und der gemeinsamen Rückkehr werden die Young Boys – um im militärischen Jargon zu bleiben – in den Urlaub entlassen. Nur die beiden Youngster müssen sich noch eine Woche länger gedulden. Abtreten heisst es für sie erst am 22. Dezember.

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