Die Einordnung

Fussballgott «Grädel» hat Deadlines. Ein Spiel einordnen kann er deshlab trotzdem.

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An dieser Stelle nun möchte Grädel gerne das mittwöchliche Cupspiel zwischen Münsingen und YB für Sie einordnen. Einzig und allein dafür ist er hier schliesslich angestellt – für die korrekte Berichterstattung vom Match und die profunde Zusammenfassung des Geschehens gibt es schliesslich Profis mit etwas mehr Ahnung.

Der Mensch will und muss ja von Natur aus laufend alles einsortieren im Leben und alles Gehörte, Gesehene und Gefühlte irgendwo in ein Fächlein ablegen zu den anderen Eindrücken und Erlebnissen und Gedankenblitzen. Und ergo auch diesen Auftritt von YB gestern wieder, vor dem man aufgrund der klaren Ausgangslage eigentlich keine Angst haben musste. Eigentlich! Offenbar scheint die Mannschaft in dieser Saison zwar ihre Lehren aus dem Cup-Schaden der letzten Jahre gezogen zu haben. Aber eben, Cup gleich eigene Gesetze, da schwingt bei Grädel schon lange immer ein ungutes Gefühl mit, auch wenn – excusez! – bei einem Spiel wie Münsingen gegen YB oder Ouchy gegen Sion oder sonst irgendeinem Match zwischen hochambitionierten Feierabendkickern und hoffentlich höchstambitionierten Profis der Favorit von vornherein klar definiert ist.

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Aber Grädel hat sich an die Deadline zu halten, diesen letztmöglichen Zeitpunkt der Abgabe, der ist gnadenlos und liegt zu einer Zeit, zu der die YB-Profis gerade aus ihrem Bus gestiegen sein und einen ersten tiefen Zug von der gesunden Landluft genommen haben dürften. Genau wie die provisorischen Tribünen auf den Provinz-Sportplätzen hat auch so ein Spiel einen vorher festgelegten klaren Bauplan; die einen möchten möglichst früh treffen, die anderen lieber möglichst spät. So gesehen kann der Spielausgang jetzt niemanden wirklich überraschen. Da darf der delegierte Sportjournalist getrost schon vorher ein paar Textbausteine zusammenzimmern, vor Ort noch das korrekte Schlussresultat einsetzen und seine Seele auch mal gemütlich von den Gerüstrohren einer Nüssli-Tribüne baumeln lassen.

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Es ist aber – und das ist jetzt einzig und alleine Grädels Problem – wirklich nicht einfach, etwas zu einem Spiel zu schreiben, das erst neunzig Minuten später anfängt, als der Abgabetermin für diese Kolumne ist. Aber einordnen kann man es ja schon mal, Ordnung muss sein. Und dem Verlierer des Abends sei in optimistischem Ton als schwacher Trost zugerufen: Kopf hoch, auch nächstes Jahr ist wieder Cup!Fussballgott Grädel (Der Bund)

Erstellt: 26.10.2017, 07:25 Uhr

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