Die Bayern kämpfen mit den eigenen Defiziten

Die Bayern gewinnen zum Saisonauftakt - wie immer. Und zeigen gegen Leverkusen erhebliche Schwächen.

Torjubel im Regen: Bayern-Stürmer Robert Lewandowski feiert seinen Treffer zum 3:0.

Torjubel im Regen: Bayern-Stürmer Robert Lewandowski feiert seinen Treffer zum 3:0.

(Bild: Keystone)

Nach Schlusspfiff legte Niklas Süle einen alles andere als souveränen Auftritt hin. Der neue Innenverteidiger des FC Bayern verirrte sich auf dem Weg zum Stadionausgang, er erwischte die falsche Abbiegung. Er stand nun nicht an der Absperrung, an der die Münchner Fussballer umringt von Reportern Interviews gaben, sondern ganz alleine auf der Seite der Gäste-Spieler und blickte sich um.

Doch bald wurde auch er umkreist. Denn alle wollten an diesem Abend etwas von Süle wissen, da der 21-Jährige irgendwie symptomatisch für die Partie stand. In seinem ersten Bundesliga-Spiel für die Bayern erzielte der 1,94-Meter-Hüne in der 9. Minute das erste Bundesliga-Tor der Saison, zeigte eine starke Leistung, doch nach und nach schlichen sich immer grössere Nachlässigkeiten in sein Spiel. «Wir haben definitiv noch nicht an unserem Maximum gespielt und zu viel zugelassen», sagte Süle. «Aber im Grossen und Ganzen war es ein verdienter Sieg.»

3:1 (2:0) gewannen die Bayern am Freitagabend gegen Bayer Leverkusen. 30 Minuten zeigten sie dabei eindrucksvoll, warum sie den Meistertitel mit ziemlich grosser Wahrscheinlichkeit auch in dieser Saison gewinnen werden. Nach zwei Standardtoren führten sie komfortabel, später verwandelte Lewandowski noch einen Elfmeter. Doch dann folgte ein Einbruch. Die Lücken in der Verteidigung wurden immer grösser, die Abstimmung klappte oft nicht, vorne kamen die Zuspiele zu ungenau an. Leverkusen dagegen erarbeitete sich Chance um Chance, traf allerdings nur noch einmal.

So wussten die Bayern-Spieler nicht, wie sehr sie sich nach dem ungefährdeten, aber dennoch leicht befleckten Sieg freuen sollten. Thomas Müller meinte: «Wir sind nicht im siebten Himmel, aber 3:1 zu gewinnen ist erst einmal positiv.» Joshua Kimmich analysierte: «Zu dem Zeitpunkt, als das Unwetter kam, haben wir den Faden verloren. Auch wenn es nichts mit dem Unwetter zu tun hatte.» Er klang dabei wie ein Doppelgänger von Jörg Kachelmann, noch nicht wie Philipp Lahm, zu dem er ja möglichst bald mutieren soll.

Erschreckendes für die Konkurrenz

Sebastian Rudy war einer der wenigen Spieler, die an diesem Abend rundum zufrieden waren. Er hatte ein Tor vorbereitet und mit der Ruhe von Xabi Alonso die Bälle im Mittelfeld verschoben. Der 27-Jährige stand im Bauch des Stadions, die Hände in den Hosentaschen, statt «Nein» sagte er lässig «Nö» und grinste, während er sprach. «Wir haben in der zweiten Halbzeit zu viele Chancen zugelassen», meinte er. «Aber trotzdem haben wir es souverän runtergespielt und verdient gewonnen.»

Der Sieg gegen Leverkusen zeigte neben den unübersehbaren Defiziten im Münchner Spiel vor allem eines: Für einen Bayern-Sieg in der Bundesliga muss die Mannschaft nicht 90 Minuten lang guten Fussball spielen. Sie kann auch einen oder drei Gänge herunterschalten - und gewinnt dennoch ungefährdet. Der Rekordmeister benötigt dazu nicht einmal seine Stammelf, Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Javier Martinez und Thiago fehlten am Freitag verletzt. Arjen Robben stiess erst in der 61. Minute dazu, das Training am Samstag musste er dann wegen Problemen am linken Oberschenkel abbrechen. Zudem verlief die Saisonvorbereitung der Münchner diesmal alles andere optimal: Die lange Werbetour durch Asien, die vielen - obendrein verlorenen - Freundschaftsspiele liessen wenig Zeit, um beflissen zu trainieren.

«Es läuft nach Plan»

«Es ist klar, dass noch nicht alles bei 100 Prozent ist», sagte deswegen Sportdirektor Hasan Salihamidžic nach dem Spiel. Kritik an der Mannschaft verbat er sich allerdings, stattdessen urteilte er: «Es läuft nach Plan.» Trainer Carlo Ancelotti war ebenso milde aufgelegt: «Wir haben nicht so gut verteidigt, haben zu viele Räume gelassen. Aber das kann zu diesem Zeitpunkt passieren, wir stehen erst am Anfang der Saison.»

Mancher Spieler sah die Lage kritischer. Robert Lewandowski forderte, nun müsse der Trainer mit den Spielern analysieren, was falsch gemacht wurde. Und dann schickte er noch einen Satz hinterher, der allerdings wie eine Drohung an die Konkurrenten klang: «Im nächsten Spiel machen wir diese Fehler nicht noch einmal.»

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